Schiedsrichter erklärt, warum er keine andere Wahl hatte, als Djokovic zu disqualifizieren

Es ist ein Spiel, das in Erinnerung bleiben wird. Und das für Djokovic zu einem Desaster wurde. Warum er trotz aller Bitten disqualifiziert wurde, erzählt jetzt der Schiedsrichter.

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Novak Djokovic fleht Sören Friemel an, ihn nicht so hart zu bestrafen.

Novak Djokovic fleht Sören Friemel an, ihn nicht so hart zu bestrafen.

Die Disqualifikation an den US Open isteiner der prägendsten Momente in der so erfolgreichen Karriere von Tennis-Star Novak Djokovic. Sie droht, all seine Triumphe zu überdecken. «Er wird für den Rest seiner Karriere der Bösewicht sein», meint John McEnroe, selbst ein «Bad Boy» dieses Sports.

Djokovic hatte in der Wut einen Ball weggedroschen und damit eine Linienrichterin am Hals getroffen. Ein Szenario, weswegen umgehend der Oberschiedsrichter auf den Platz gerufen wurde, der Deutsche Sören Friemel. Gegenüber Reportern schilderte er:

«Was mir erklärt wurde, ist, dass Novak Djokovic den Ball aus seiner Tasche genommen, ihn rücksichtslos und wütend nach hinten geschlagen und dabei die Linienrichterin an der Kehle getroffen hat. Sie war offensichtlich verletzt, hatte Schmerzen, musste zu Boden gehen. Dann habe ich mit Novak geredet und ihm dabei die Chance gegeben, seine Sicht darzulegen. Aber auf der Grundlage, dass der Ball wütend und rücksichtslos geschlagen worden war, und zwar direkt auf die Kehle der Linienrichterin, haben wir die Entscheidung getroffen, dass Novak disqualifiziert werden musste.»

Laut Friemel hat Djokovic umgehend zugegeben, dass er wütend gewesen sei und die Linienrichterin getroffen habe. Der Serbe sagte gemäss dem Oberschiedsrichter: «Die Fakten sind sehr deutlich – aber ich habe es nicht absichtlich gemacht, also sollte ich dafür auch nicht disqualifiziert werden.»

Die Absicht spiele in so einem Fall aber gar keine Rolle, erläuterte Friemel. Sie werde zwar miteinbezogen, aber es gebe vor allem zwei Faktoren: die Handlung und das Resultat.

«Und die Handlung – selbst ohne Absicht – mit dem Ergebnis, dass die Linienrichterin getroffen und verletzt wird, ist in diesem Entscheidungsprozess der wesentliche Faktor. Hätte er es mit Absicht gemacht, hätten wir auch nicht diese lange Diskussion gehabt. So aber wollten wir alles berücksichtigen.»
Minutenlang wird debattiert, doch der Fall ist klar.

Minutenlang wird debattiert, doch der Fall ist klar.

Foto: Keystone

Dass die Nummer 1 der Welt auf der grössten Bühne der Tennis-Welt disqualifiziert wird, macht diesen Fall so besonders. Sören Friemel betont jedoch, dass er unabhängig vom Status eines Spielers zu entscheiden habe:

«Einen Spieler bei einem Grand Slam zu disqualifizieren, ist eine sehr wichtige, sehr schwere Entscheidung. Daher ist es egal, auf welchem Platz es passiert und ob es die Nummer 1 oder ein anderer Spieler ist. Du musst die richtige Entscheidung treffen. Jeder auf dem Platz war sich dessen bewusst, was auf dem Spiel steht. Aber davon dürfen wir uns nicht beeinflussen lassen.»

Djokovic hatte bei den Diskussionen auf dem Platz versucht, die Schiedsrichter davon zu überzeugen, ihn weniger hart zu bestrafen. Der Linienrichterin gehe es ja soweit gut. «Sie muss nicht ins Krankenhaus. Gehen Sie in dieser Situation nach Standard vor?»,fragte der 33-Jährige flehend. «Meine Karriere, Grand Slam, Centre Court? Wäre sie gleich wieder aufgestanden, hätte man mich mit einer Game- oder Satz-Strafe belegen können, Sie haben da verschiedene Möglichkeiten.» Djokovics Bitten waren vergeblich. (ram)