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Schumachers Rekord reizt den fünffachen Champion

Ein geschlagener Rivale verneigt sich, ein Fünffach-Weltmeister denkt an seinen vor wenigen Tagen gestorbenen Grossvater.
Lewis Hamilton hat noch weitere Ziele vor Augen (Bild: KEYSTONE/AP/MARCO UGARTE)

Lewis Hamilton hat noch weitere Ziele vor Augen (Bild: KEYSTONE/AP/MARCO UGARTE)

(sda/dpa)

Und die Formel-1-Welt fragt sich nach Lewis Hamiltons Triumph: Wie lange hält Michael Schumachers Titelrekord noch?

Lewis Hamilton verschwand zwischen Regalen und Kühlschränken. Ohne Glamour, ohne Glitzer. Mit beiden Händen hielt er den Union Jack fest, die britische Fahne hatte er sich um den Hals gelegt. Hamilton atmete fern des Trubels an einem historischen Formel-1-Tag für den neuen fünffachen Weltmeister tief durch und richtete den Blick nach oben. «Ich denke an meinen Grossvater, er ist am Donnerstag gestorben, ich wollte ihn einfach nur stolz machen, ihn und meinen Vater. Es war keine leichte Zeit für unsere Familie», sagte er. Die Stimme stockte.

Des Stolzes der Verwandten väterlicherseits aus der Karibik, seiner gesamten Familie, seiner Freunde, und seiner Heimat England kann sich Hamilton gewiss sein. «Lewis Hamilton hat sein Erbe zementiert, das der Zeit standhalten wird», schrieb die englische Zeitung «Independent». Und «The Guardian» meinte: «Wenn die Geschichte des Motorsports von den Fahrern bestimmt wird, muss dies sicherlich jetzt als die Hamilton-Ära betrachtet werden.»

Vor dem 33-jährigen Briten verneigte sich auch sein geschlagener Rivale Sebastian Vettel. «Ich bewundere seine Leistung auf der Strecke», sagte der Deutsche. Noch vor der Siegerehrung gratulierte Vettel seinem Bezwinger, legte den Arm um dessen Schulter und riet ihm, dass er es geniessen solle. Fünf Titel seien etwas Unglaubliches. «Und ich habe ihn gebeten, auch nächstes Jahr wieder so zu fahren. Ich will gegen ihn in seiner Bestform fahren.»

Vor allem Hamilton schien die Bedeutung und Tragweite seines Erfolgs lange nicht richtig fassen zu können. «Es fühlt sich nicht echt an», sagte er. Später flog er im kleinsten Kreis im Privatflieger nach Los Angeles. Er freute sich auf das Wiedersehen dort mit seinen beiden Hunden. Zwei Rennen stehen in dieser Saison noch aus: in Brasilien und in Abu Dhabi. Dort will er die Saison mit dem fünften Titel in Serie für Mercedes in der Konstrukteurswertung perfekt machen. Der Vorsprung auf Ferrari beträgt 55 Punkte.

Titel Nummer fünf nach 2008, 2014, 2015 und 2017 stellt ihn auf eine Stufe mit der argentinischen Formel-1-Ikone Juan Manuel Fangio, nur noch zwei WM-Triumphe ist er vom Rekord Michael Schumachers entfernt. «Ich habe nicht an diese Zahlen gedacht, weil ich nur diesen Titel im Kopf hatte», sagte Hamilton. «Ich weiss auch nicht, ob ich die Chance habe, noch mehr zu gewinnen, aber ich gebe alles, es zu schaffen.»

Zur nächsten Saison, seiner 13. in der Formel 1, wird Hamilton mit 34 Jahren voraussichtlich als zweitältester Fahrer im Feld antreten - nach dem weiterhin letzten Ferrari-Weltmeister Kimi Räikkönen (2007/39). Mehrfach betonte Hamilton am Wochenende in Mexiko City, dass er sich noch auf weitere Jahre und das Duell mit Vettel freue. Dass er seinen bis einschliesslich 2020 gültigen Vertrag noch mal verlängern könnte, ist mehr als denkbar.

Für die Einstellung des Schumacher-Titelrekords bräuchte Hamilton rechnerisch aber sogar nur zwei Jahre. «Jetzt hat er nur Michael Schumacher und seine sieben Kronen vor sich», schrieb die spanische Sportzeitung «Marca». «Popstar, Schauspieler und fünfmaliger Weltmeister: Multitalent Lewis Hamilton auf dem Weg zu Michael Schumacher», titelte «La Nacion» aus dem Fangio-Land Argentinien.

Mehr Poles als Schumacher hat Hamilton bereits (81:68), bei den Siegen liegt er noch zurück (71:91). Bei Siegen von der Pole steht es aber 45:40 für Hamilton. «Der Grund, warum er die fünf Weltmeisterschaften gewonnen hat, ist, weil er sich nur auf den Job jetzt konzentriert und nicht zu weit nach vorne schaut», kommentierte Teamchef Toto Wolff die Diskussionen um die Grenzen für den alten und neuen Champion. Der Österreicher meinte mit Blick auf den besten Lewis Hamilton, den er in den vergangenen sechs Jahren gesehen habe: «Ich denke, da kommt noch mehr.»

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