Schweiz verspielt gegen Deutschland zwei Mal eine Führung

Die Schweiz führt in Deutschland zwei Mal, gewinnt aber nicht. Das Spiel der Nations League gegen den vierfachen Weltmeister endet 3:3.

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Die Schweizer Torschützen Mario Gavranovic und Remo Freuler nach dem 1:0-Führungstor
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Der Schweizer Doppeltorschütze Mario Gavranovic scheitert in dieser Szene am deutschen Torhüter Manuel Neuer

Die Schweizer Torschützen Mario Gavranovic und Remo Freuler nach dem 1:0-Führungstor

KEYSTONE/EPA/SASCHA STEINBACH
(sda)

Die Schweizer Nationalmannschaft wartet auch nach dem fünften Spiel des Jahres auf einen Sieg. Das Team von Vladimir Petkovic trennte sich von Deutschland nach einer 2:0- und 3:2-Führung in einem spektakulären Spiel in Köln 3:3. Mario Gavranovic traf doppelt.

Als Schiedsrichter Buquet nach 94 Minuten die Partie in der leeren Kölner Arena abpfiff, wussten beide Teams nicht recht, ob sie sich über das Remis freuen oder ärgern sollten. Die Schweizer verpassten es in einem zeitweise wilden und spektakulären Spiel, trotz einer 2:0- und einer 3:2-Führung den ersten Sieg in diesem Jahr einzufahren - den erst zweiten gegen Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg.

Der Gastgeber hingegen hatte sich nach einem schwachen Start zurück in die Partie gekämpft und stand in der Schlussphase dem Sieg näher. Drei von Toni Kroos getretene Freistösse aus idealer Position kamen aber nicht auf das Tor von Yann Sommer. Und Julian Draxler vergab in der 81. Minute die letzte gute Chance des Spiels aus spitzem Winkel.

Den beiden zuletzt in der Kritik stehenden Nationaltrainern hilft Vladimir Petkovic der Punktgewinn mehr, auch wenn der Schweiz in der Nations League nach dem 1:0-Sieg der Ukraine gegen Spanien der Abstieg droht. Die Schweizer rehabilitierten sich für einen beim 0:1 in Spanien defensiv zwar sehr soliden, offensiv aber biederen Auftritt und schossen im fünften Spiel des Jahres erstmals mehr als ein Tor.

Für die Mannschaft von Joachim Löw ist das neuerliche Remis gegen die Schweiz als Enttäuschung zu werten, die sich im Umbruch befindende DFB-Auswahl konnte trotz der Rückkehr des Bayern-Blocks um Captain Manuel Neuer zum wiederholten Mal nicht restlos überzeugen. Die Kritik an Löw wird nicht abflachen - obwohl dieser in der Abwehr erstmals seit längerem wieder auf eine Viererkette setzte.

Die Partie hätte fraglos Zuschauer verdient gehabt, boten doch beide Teams von Beginn an ein Spektakel. Bereits nach knapp fünf Minuten hatte die Schweiz in Führung gelegen. Im Anschluss an einen Corner rückte die deutsche Abwehr zu wenig schnell auf, so dass der Kopfball von Remo Freuler bei dem nicht im Offside stehenden Gavranovic landete, der Neuer mit dem Kopf überwand. Beim 2:0 war Freuler der Hauptdarsteller, als er einen Querpass von Haris Seferovic mit einem gekonnten Heber verwertete. Und unmittelbar nach dem 2:2 traf Gavranovic erneut, als der Tessiner mit einem Abstauber im 25. Länderspiel sein 10. Tor erzielte (56.).

Shaqiris gute Ansätze, Schärs Aussetzer

Petkovic hatte im Gegensatz zur Partie gegen Spanien von Beginn an auf Xherdan Shaqiri gesetzt. Der 29-Jährige vom FC Liverpool rechtfertigte seine Nominierung solange die Kräfte reichten. Bereits nach 70 Sekunden wurde er das erste Mal gefoult, danach sorgte er immer wieder für Unruhe in der deutschen Hintermannschaft, die wie bereits im Hinspiel unsicher wirkte. Shaqiri hatte auch die erste Torchance des Spiels, als er nach vier Minuten von Freuler bedient wurde und am gut reagierenden Neuer scheiterte. Der anschliessende, von Shaqiri geschlagene Corner führte zum Führungstreffer.

Auch in der Folge leitete Shaqiri in seinem 84. Länderspiel immer wieder gute Angriffe ein, mal mit einem Ball in die Spitze, mal mit einem gekonnten Absatztrick. Eine Stunde lang diente er hinter den beiden Spitzen als Anspielstation und belebte mit seiner Spielfreude das Offensivspiel der Schweizer.

So erfreulich die Schweizer Offensivleistung war, in der Defensive schlichen sich deutlich mehr Nachlässigkeiten als zuletzt ein. Fabian Schär zog in seinem 57. Länderspiel einen schwachen Tag ein. Beim 1:2 verlor er den entscheidenden Zweikampf, das 2:2 leitete er mit einem kapitalen Fehlpass auf Torschütze Kai Havertz ein. Und beim 3:3 konnte er Timo Werner nicht stoppen, dessen Querpass Serge Gnabry mit dem Absatz herrlich in die lange Torecke ablenkte (60.). Sekunden vor Schluss sah der Verteidiger von Newcastle nach einem neuerlichen Foul noch die Gelb-Rote Karte.

Telegramm:

Deutschland - Schweiz 3:3 (1:2)

Köln. - Keine Zuschauer. - SR Buquet (FRA). - Tore: 5. Gavranovic (Freuler) 0:1. 26. Freuler (Seferovic) 0:2. 28. Werner 1:2. 55. Havertz 2:2. 56. Gavranovic (Seferovic) 2:3. 60. Gnabry (Werner) 3:3.

Deutschland: Neuer; Klostermann, Ginter (77. Can), Rüdiger, Gosens (58. Halstenberg); Kimmich, Kroos; Goretzka; Havertz (77. Draxler), Werner, Gnabry.

Schweiz: Sommer; Elvedi, Schär, Rodriguez; Widmer, Freuler (85. Benito), Xhaka, Zuber (66. Fernandes); Shaqiri (66. Sow); Gavranovic (75. Mehmedi), Seferovic (85. Itten).

Bemerkungen: Schweiz ohne Akanji und Steffen (beide positiv auf Corona getestet) sowie Aebischer, Ajeti, Embolo, Lang, Mbabu und Zakaria (alle verletzt). 100. Länderspiel von Kroos. 49. Pfostenschuss von Havertz. 93. Gelb-Rote Karte gegen Schär wegen Fouls. Verwarnungen: 28. Schär (Foul). 36. Gosens (Foul). 50. Gavranovic (Foul). 51. Xhaka (Foul). 66. Kroos (Foul).