Nations League: Schweizer unterliegen England im Penaltyschiessen 5:6

Die Schweiz beendet die erste Austragung der Nations League auf Platz 4. Im kleinen Final des Final Four in Portugal unterliegt die SFV-Auswahl in Guimarães England im Penaltyschiessen 5:6.

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Yann Sommer (Tor): Stark. Das ist der Sommer, den die Schweizer sehen wollen. Bei Kanes Grosschance in der 2. Minute ist er noch dran – der Ball geht an die Latte. In der 54. Minute bei Schärs Abwehrversuch ist er ebenfalls noch dran – der Ball geht an den Pfosten. Hält in der Verlängerung die Schweiz im Spiel. Im Penaltyschiessen ist das Glück nicht mehr auf seiner Seite. Note: 5,5.
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Nico Elvedi (Verteidigung): Eine äusserst solide Leistung des 22-Jährigen. Wenn seine Mitspieler einmal patzen, hilft er aus. Auf Elvedi, der noch immer oft unterschätzt wird, ist gegen England Verlass. Note: 4,5.
Fabian Schär (Verteidigung): Der Chef der Verteidigung hat in der 54. Minute Glück, dass sein Klärungsversuch dank Sommer an den Pfosten und nicht ins Tor geht. Ansonsten umsichtig und mit viel Ruhe. Verwandelt seinen Penalty problemlos. Note: 4,5.
Manuel Akanji (Verteidigung): Eine ungewohnt fahrige erste Halbzeit von ihm. Danach verbessert. Es liegt auch an Akanji, dass die Null stehen bleibt. Wird vor dem vermeintlichen Siegtor der Engländer durch Wilson gefoult, VAR kommt zum Zug, der Treffer zählt nicht. Starker Penalty von ihm. Note: 4.
Kevin Mbabu (Mittelfeld): Zu Beginn auffällig auf der rechten Seite, anspielbar und zweikampfstark. Taucht mit Fortdauer der Partie ab. Berührt Sterling bei dessen Kopfballgrosschance (74.), da haben andere Schiedsrichter schon Foulpenalty gegeben. Trifft im Elfmeterschiessen. Note: 4.
Edimilson Fernandes (Mittelfeld): Eine schöne Pirouette für die Galerie, sonst mangelhaft, keine Unterstützung für Xhaka. Kann sich nicht für weitere Aufgaben empfehlen und wird als erster Schweizer ausgewechselt (61.). Note: 3.
Granit Xhaka (Mittelfeld): Er kämpft und läuft bis zum Schluss viel, auch in der 120. Minute noch. Spielerisch ist der Captain jedoch nicht ganz der Leader, der er sein will und kann. Wird aber auch zugestellt von den Engländern. Xhaka hat die einzige wirkliche Grosschance der Schweizer, aus der er mehr machen könnte. Versenkt seinen Penalty sicher – nicht wie 2016 an der EM. Note: 4,5.
Remo Freuler (Mittelfeld): Von ihm kommt in den 120 Minuten nicht wirklich viel. Doch wenn von Freuler dann einmal in den wenigen Szenen etwas kommt, wird es gefährlich für den Gegner. Note: 4.
Ricardo Rodriguez (Mittelfeld): Lässt in der ersten Halbzeit zwei gefährliche Hereingaben zu. Kommt lange wenig zur Geltung auf der linken Seite, wird aber mit Fortdauer der Partie besser. Muss mit einem Ziehen an der Leiste kurz vor Ende der regulären Spielzeit ausgewechselt werden. Note: 4.
Xherdan Shaqiri (Sturm): Wirkt nach der langen Saison müde, zeigt einen eher lustlosen Auftritt. Nur einmal hat Shaqiri grosse Lust, als er in der 56. Minute wunderbar auf Granit Xhaka zurücklegt. Neun Minuten später muss der Kraftwürfel hinkend raus. Es scheint schlimmer zu sein. Note: 3.
Haris Seferovic (Sturm): Rennt und rackert viel, wie man das von ihm in der Nationalmannschaft kennt. Seferovic kann die englische Abwehr aber nicht beängstigen. An der besten Schweizer Aktion mit der Chance Xhakas beteiligt. Note: 3,5.
Denis Zakaria (Mittelfeld): Kommt in der 61. Minute für Fernandes. Zakaria verleiht dem Mittelfeld Stabilität, mehr Robustheit und unterstützt Xhaka. Spielerisch kann er indes nur wenige Akzente setzen. Note: 4.
Steven Zuber (Mittelfeld): Kommt für den verletzten Shaqiri, bleibt unauffällig. Hat in der 76. Minute eine Abschlussmöglichkeit, doch er verzieht. Trifft vom Elfmeterpunkt sicher. Note: 4.
Josip Drmic (Sturm): Wird für Rodriguez kurz vor Ende der regulären Spielzeit eingewechselt. Man merkt Drmic im Spiel seine schwierige Saison an, er wirkt ohne Selbstvertrauen. Verschiesst seinen Penalty – England ist Dritter. Note: 3.
Noah Okafor (Sturm): Der 19-jährige Basler kommt in der zweiten Verlängerung für Seferovic. Okafor, der ebenfalls den nigerianischen Pass besitzt, ist damit an den Schweizer Verband gebunden. Note: keine.

Yann Sommer (Tor): Stark. Das ist der Sommer, den die Schweizer sehen wollen. Bei Kanes Grosschance in der 2. Minute ist er noch dran – der Ball geht an die Latte. In der 54. Minute bei Schärs Abwehrversuch ist er ebenfalls noch dran – der Ball geht an den Pfosten. Hält in der Verlängerung die Schweiz im Spiel. Im Penaltyschiessen ist das Glück nicht mehr auf seiner Seite. Note: 5,5.

(sda)

Wieder hat es der Schweiz nicht gereicht. Wie an der WM 2006 gegen die Ukraine und an der EM 2016 gegen Polen zog sie in einem Penaltyschiessen den Kürzeren. Vor drei Jahren in Frankreich war es Granit Xhaka, der daneben schoss. Am Sonntag in Guimarães scheiterte Josip Drmic am englischen Torhüter Jordan Pickford. Deshalb musste Verteidiger Fabian Schär nach dem Spiel sagen: «Wir kehren mit leeren Händen heim.»

England mit Chancenplus

Die Schweiz schloss das erste Finalturnier um die Nations League auf dem 4. Platz ab. Die Spiele gegen Portugal im Halbfinal und gegen England um Platz 3 mit den knappen Niederlagen haben der Schweiz gezeigt, wo sie steht: nahe am Kreis der grossen Mannschaften, aber zu diesem (noch) nicht zugehörig. War sie gegen Portugal in erster Linie am Ausnahmespieler Cristiano Ronaldo gescheitert, mangelte es gegen England ein wenig am Glück, vor allem aber an der Qualität. Die Engländer waren klar besser und hätten das Spiel schon nach 90 oder spätestens nach 120 Minuten entschieden haben müssen. Sie trafen drei Mal nur Latte oder Pfosten (2./55./117.). In der 99. Minute wehrte zudem Torhüter Yann Sommer innerhalb von wenigen Sekunden zweimal gegen Dele Alli und Raheem Sterling mirakulös ab. «Am Ende retteten wir uns nur noch ins Penaltyschiessen», sagte Schär.

Nach vorne zeigten die Schweizer enttäuschend wenig. Spielerisch war es im Vergleich zum Duell wenig Tage zuvor gegen den Europameister ein Rückschritt. Die beste Chance hatte Xhaka nach einem Zuspiel von Xherdan Shaqiri in der 56. Minute. Er scheiterte aus zwölf Metern an Pickford. Shaqiri kam ansonsten nicht gleich auf Touren wie noch gegen Portugal und musste den Platz nach gut einer Stunde ausserdem wegen Wadenproblemen verlassen. Haris Seferovic rieb sich gegen die stämmigen Joe Gomez und Harry Maguire erfolglos auf und schoss nur ein einziges Mal auf das Tor. Schär gab zu: «Offensiv kam von uns nicht viel.»

Nur 1,4 Punkte pro Spiel

Dass die Niederlage erst im Penaltyschiessen zustande kam und nicht schon in der regulären Spielzeit, bedeutet für die Schweiz immerhin, dass sie die Saison dank diesem «Remis» gegen England nicht mit einer negativen Bilanz abschliesst. Den vier Siegen stehen vier Niederlagen gegenüber. Zwei Partien endeten unentschieden. Dennoch bleibt festzuhalten: Mit den 1,4 Punkten pro Spiel weist die Schweiz den schlechtesten Wert seit 2010/11 aus.

Petkovic waren solche Zahlen nach dem Spiel einerlei. «Wir haben hier gegen grosse Mannschaften gespielt. Nur in solchen Duellen können wir uns weiterentwickeln.» Die Bilanz ist in dieser Saison ohne WM- oder EM-Endrunde vor allem deshalb durchzogen, weil die Schweiz vier von zehn Partien gegen die WM-Halbfinalisten Belgien und England bestritt und einmal gegen den WM-Achtelfinalisten Dänemark antrat. Das sind andere Kaliber als es in anderen Zwischenjahren mit Qualifikationsspielen gegen Teams aus Andorra, Lettland oder Färöer waren.

Wie sehr England den Schweizern zusetzen würde, hatte Petkovic bereits am Tag vor dem Spiel geahnt. «England hat auf hohem Niveau 20 gleichwertige Spieler», sagte der Tessiner. Englands Coach Gareth Southgate nahm dann im Vergleich zum 1:3 n.V. im Halbfinal gegen die Niederlande auch sieben Wechsel vor. Die Mannschaft hatte dadurch nicht weniger Qualität. Im Gegenteil: In der Startformation standen sechs Spieler von Liverpool und Tottenham Hotspur, die eine Woche zuvor im Final der Champions League zum Einsatz gelangt waren. «Es ist normal, dass wir gegen ein solches Team mit solcher individueller Klasse leiden müssen», so Petkovic.

Telegramm

Schweiz - England 0:0 n.V. - England 6:5-Sieger im Penaltyschiessen.

Dom Afonso Henriques, Guimarães. - 22'000 Zuschauer. - SR Hategan (ROU). - Penaltyschiessen: Maguire 0:1, Zuber 1:1; Barkley 1:2, Xhaka 2:2; Sancho 2:3, Akanji 3:3; Sterling 3:4, Mbabu 4:4; Pickford 4:5, Schär 5:5; Dier 5:6, Drmic (Pickford wehrt ab).

Schweiz: Sommer; Elvedi, Schär, Akanji; Mbabu, Fernandes (61. Zakaria), Xhaka, Freuler, Rodriguez (87. Drmic); Shaqiri (65. Zuber), Seferovic (113. Okafor).

England: Pickford; Alexander-Arnold, Gomez, Maguire, Rose (70. Walker); Dier, Delph (106. Barkley); Lingard (106. Sancho), Alli, Sterling; Kane (74. Wilson).

Bemerkungen: Schweiz ohne Mehmedi und Embolo (beide verletzt) sowie Lichtsteiner (nicht im Aufgebot). 2. Schuss von Kane an die Latte. 55. Schär lenkt Flanke von Rose an den eigenen Pfosten. 84. Tor von Wilson nach Konsultation der Videobilder annulliert. 117. Freistoss von Sterling an die Latte. Verwarnungen: 23. Rose (Foul). 26. Lingard (Foul). 116. Xhaka (Foul).