Simpson: «Die USA rechneten nicht mit einem solch guten Gegner»

Heute vor sieben Jahren sichert sich die Schweiz in Stockholm mit einem 3:0-Sieg im Halbfinal gegen die USA die erste WM-Medaille seit 1953. Der damalige Nationaltrainer Sean Simpson blickt zurück.

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Im WM-Halbfinal gegen die USA gelang den Schweizern eine nahezu perfekte Leistung
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In Stockholm gab es für den damaligen Nationaltrainer Sean Simpson viel zu jubeln
Sean Simpson lässt sich nach dem Gewinn von WM-Silber feiern
Sean Simpson war an der WM 2013 ein gefragter Mann
Sean Simpson fand die richtige Taktik

Im WM-Halbfinal gegen die USA gelang den Schweizern eine nahezu perfekte Leistung

KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI
(sda)

Als das Schweizer Fernsehen am 8. Mai, am Tag, an dem die Heim-WM in Zürich und Lausanne hätte beginnen sollen, auf die Vorrundenspiele der WM 2013 zurückblickte, sass auch Simpson vor dem TV. Zwar liess er Szenen vom Turnier für eigene Zwecke herausschneiden, ansonsten hatte er sich aber keine Bilder mehr von damals angeschaut. Nun kamen die Emotionen sofort zurück. «Ich kann nicht glauben, dass es schon sieben Jahre zurückliegt. Ein paar Mal hatte ich Tränen in den Augen», sagte Simpson am Telefon gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Für alle Involvierten würden diese zweieinhalb Wochen zu den besten ihres Lebens gehören. Daran ändert auch die 1:5-Niederlage im Final gegen Schweden nichts.

Tatsächlich schafften die Schweizer Historisches. Nachdem sie zuvor sieben von acht Viertelfinalspielen an einer WM verloren hatten - nach dem Sieg 1992 in Prag verpassten sie als Vierte eine Medaille -, zogen sie am 18. Mai 2013 nach einer fantastischen Leistung gegen die USA in den Final ein. «Es gibt keine perfekte Partie, aber wir waren nah dran», erinnerte sich Simpson. «Und draussen schien die Sonne.»

Hatten die Schweizer im Viertelfinal gegen Tschechien (2:1) noch Druck verspürt, da sie diese Hürde nach einer nahezu makellosen Vorrunde unbedingt überspringen wollten, «spielten wir gegen die Amerikaner frei auf. Dass wir zuvor achtmal hintereinander gewonnen hatten, war für uns eine unglaubliche Sache. Das Selbstvertrauen war enorm, alle glaubten ans System und an das, was wir zuvor gemacht hatten.» Zudem hätten die USA schon etwas mit dem Final geliebäugelt. «Sie hatten nicht mit einem solch guten und soliden Gegner gerechnet», erzählte Simpson und lachte. «Es war ein schnelles Spiel und ein hart umkämpfter Sieg.»

Vor dem Turnier hatte es einige Skepsis gegeben. Simpson bot nicht weniger als sieben WM-Neulinge auf. Zudem fehlten wegen Verletzungen einige Leistungsträger. «Viele rechneten damit, dass wir die ersten drei Partien (gegen Schweden, Kanada und Tschechien) verlieren und dann unter Druck stehen», so Simpson. Das Team sah das happige Startprogramm jedoch als Chance. Gegen die Skandinavier starteten die Schweizer zwar nervös, nach dem 1:0 von Matthias Bieber in der 23. Minute fanden sie aber ihr Spiel und gewannen 3:2. Nach dem Sieg gegen die Kanadier im Penaltyschiessen «waren wir im Lauf».

Die Schweizer waren damals eine wirkliche Mannschaft. Simpson investierte einiges ins Teambuilding, das sei aber nicht der Grund für den Gewinn der Medaille gewesen. «Die Spielweise war das Wichtigste. Nur wenn alle das System fühlen, es mit Detail und Wille umsetzen, besteht die Chance auf Erfolg.» Diesbezüglich hätten die Siege zu einem Schneeballeffekt geführt. «Jeder Tag war für uns ein 'Happy Day'. Es gab keine Niederlage, die wir wegstecken mussten.» Simpson ist jedoch überzeugt, «dass wir mit dieser Mannschaft auch Erfolg gehabt hätten, wenn wir ein paar Mal verloren hätten. Der Charakter war top. Wir hatten super Persönlichkeiten, und die Mischung zwischen jungen und routinierten Spielern stimmte.»

Nach der WM 2014 trennten sich die Wege von Simpson und dem Schweizer Verband. Zuletzt arbeitete der britisch-kanadische Doppelbürger im Trainerstab von Fribourg-Gottéron. Wegen der derzeit unsicheren Situation aufgrund des Coronavirus konnte der Vertrag jedoch nicht verlängert werden - zumindest vorerst nicht. So oder so ist Simpson mit sich im Reinen. «Ich habe als Coach während 28 Jahren auf einem sehr hohen Niveau gearbeitet. Dass es neben Hochs auch Tiefs gegeben hat, ist normal. Ich bin zufrieden mit meiner Karriere und kann mittlerweile auch gut ohne Eishockey leben.»

Simpson betonte aber, dass er hiermit nicht den Rücktritt erkläre. «Ich glaube immer noch, einer Mannschaft helfen zu können. Die Leidenschaft ist weiterhin vorhanden.» Zunächst einmal sei es aber wichtig, dass die Normalität einigermassen zurückkehre. «Dann können wir über Eishockey und Sport allgemein diskutieren.»