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Trüber Tag für Wawrinka

Stan Wawrinka scheitert beim French Open schon in der 1. Runde. Der Vorjahresfinalist unterliegt dem Spanier Guillermo Garcia-Lopez in fünf Sätzen und wird im Ranking weit zurückfallen. In den Schlüsselmomenten fehlt ihm der Killerinstinkt.
Jörg Allmeroth, Paris
Stan Wawrinka kassierte eine unglückliche Niederlage (Bild: KEYSTONE/EPA/IAN LANGSDON)

Stan Wawrinka kassierte eine unglückliche Niederlage (Bild: KEYSTONE/EPA/IAN LANGSDON)

Es war der Moment, den ein Meisterspieler wie Stan Wawrinka eigentlich kaltblütig ausnutzt. Jener Moment, als Wawrinka bei einer 2:0-Satzführung auch noch mit einem Break im vierten Durchgang vorne lag. 3:2 stand es für den Romand, drei gewonnene Aufschlagspiele trennten ihn noch vom Auftaktsieg gegen den Spanier Guillermo Garcia-Lopez auf Court Suzanne Lenglen. Doch schnell zerstoben die Hoffnungen auf einen Durchmarsch zum Roland-Garros-Erstrundenerfolg, Wawrinka kassierte umgehend das Rebreak zum 3:3 – und von da an wurde es auch nicht mehr viel besser für ihn, den Champion von 2015 und Vorjahresfinalisten. Den vierten Akt verlor er 5:7 im Tiebreak, dann war die 2:6, 6:3, 6:4, 6:7 (5:7), 3:6-Niederlage für den entkräfteten Schweizer nicht mehr aufzuhalten.

Das Fazit war schlicht und ergreifend dies: Wawrinka ist noch längst nicht wieder Wawrinka, jedenfalls nicht der ungestüme, brachiale, körperlich robuste Wettkämpfer, der in den vergangenen Jahren meist tragende Rollen in Paris gespielt hatte. «Es waren nicht irgendwelche Probleme mit dem Knie, die schuld waren», sagte Wawrinka später, «ich bin körperlich eigentlich okay.» Im Umkehrschluss bedeutete dies aus der Sicht Wawrinkas: Es fehlte gerade bei Schlüsselszenen die selbstverständliche mentale Härte, das, was manchmal auch als sportlicher Killerinstinkt bezeichnet wird. Am übernächsten Montag wird sich der Schweizer etwa auf Platz 260 im Ranking wiederfinden – ein abgrundtiefer Sturz.

Garcia-Lopez lässt sich nicht beirren

Garcia-Lopez war von vornherein als unbequemer Gegner eingeschätzt worden, auch weil er Wawrinka vor vier Jahren in Paris schon einmal in der ersten Runde niedergerungen hatte. Der Spanier ist ein Mann, der über zähen Kampfesmut verfügt und sich keineswegs schnell hängen lässt, wenn es einmal gegen ihn läuft. Das sollte sich spätestens dann zeigen, als Wawrinka einen 0:1-Satzrückstand zur 2:1-Führung umgebogen hatte. Knappe zwei Stunden präsentierte der 33-Jährige ordentliches, konzentriertes, durchdachtes Tennis, vor allem, wenn man berücksichtigte, wie wenig Spielpraxis er in dieser Saison hatte. Das Problem: Seinen Gegner störte das nicht über Gebühr, Garcia-Lopez glaubte einfach weiter an seine Chance. Und die bekam er auch, als ihn Wawrinka mit dem Aufschlagverlust im ungünstigsten Moment, zum 3:3, in Satz vier zurück ins Geschehen brachte. Im Schlussakt dieser Dreieinhalb-Stunden-Achterbahnfahrt konnte Wawrinka, müde und frustriert, nicht mehr verhindern, dass er schon nach diesem ersten Einsatz wieder die Koffer packen musste. Und dass erstmals seit den French Open 2003 kein Schweizer Herrenspieler in der zweiten Runde eines Grand Slams vertreten ist. Damals schieden Ivo Heuberger, Michael Kratochvil, Marc Rosset und Roger Federer zum Start aus. Federer triumphierte vier Wochen später in Wimbledon. Das dürfte für Kollege Wawrinka nun nicht mal ein Wunschtraum sein. Er braucht jetzt jeden einzelnen Sieg bei jedem Turnier, um wieder Selbstvertrauen aufzubauen. «Wenn nötig, werde ich sogar Challenger spielen, um wieder nach vorne zu kommen», sagte er am Ende dieses trüben Tages.

Paris. French Open. Grand-Slam-Turnier (39,2 Mio. Euro/Sand). 1. Runde. Männer: Garcia-Lopez (ESP) s. Wawrinka (SUI/23) 6:2, 3:6, 4:6, 7:6 (7:5), 6:3. Thiem (AUT/7) s. Iwaschka (BLR) 6:2, 6:4, 6:1. Schwartzman (ARG/11) s. Hemery (FRA) 6:1, 6:3, 6:1. Querrey (USA/12) s. Tiafoe (USA) 6:1, 6:2, 7:6 (8:6). Bautista Agut (ESP/13) s. Istomin (UZB) 6:2, 6:7 (3:7), 1:6, 6:4, 6:4. Djokovic (SRB/20) s. Dutra Silva (BRA) 6:3, 6:4, 6:4. Coric (CRO) s. Kohlschreiber (GER/22) 6:3, 3:6, 6:3, 6:4. Gasquet (FRA/27) s. Seppi (ITA) 6:0, 6:2, 6:2. Gulbis (LAT) s. Muller (LUX/29) 2:6, 6:4, 6:4, 6:3. Ramos-Viñolas (ESP/31) s. Kukuschkin (KAZ) 7:6 (7:0), 6:4, 6:1. – Wegen Regens vertagt: Nadal (ESP/1) – Bolelli (ITA) 6:4, 6:3, 0:3.
Frauen: Bencic (SUI) s. Chiesa (ITA/Q) 3:6, 7:6 (7:2), 7:5. Zurenko (UKR) s. Vögele (SUI) 4:6, 6:2, 6:2. Dolehide (USA/Q) s. Golubic (SUI/Q) 6:4, 6:4. Wozniacki (DEN/2) s. Collins (USA) 7:6 (7:2), 6:1. Pliskova (CZE/6) s. Krejcikova (CZE) 7:6 (8:6), 6:4.Kvitova (CZE/8) s. Royg (PAR) 3:6, 6:1, 7:5. Keys (USA/13) s. Vickery (USA) 6:3, 6:3. Kassatkina (RUS/14) s. Kanepi (EST) 6:4, 6:1. Vandeweghe (USA/15) s. Siegemund (GER) 6:4, 6:4. Rybarikova (SVK/19) s. Kumkhum (THA) 6:3, 6:0. Duque-Marino (COL) s Sevastova (LAT/20) 4:6, 6:1, 6:3. Osaka (JPN/21) s. Kenin (USA) 6:2, 7:5. Suarez Navarro (ESP/23) s. Konjuh (CRO) 6:0, 6:1. Petkovic (GER) s. Mladenovic (FRA/29) 7:6 (12:10), 6:2. Buzarnescu (ROU/31) s. King (USA) 6:3, 6:3. Siniakova (CZE) s. Asarenka (BLR) 7:5, 7:5.

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