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Stefan Küng: «Ich fühle mich fitter denn je»

Stefan Küng startet am Samstag in Noirmoutier an der Atlantikküste zu seiner zweiten Tour de France. Zuvor spricht er darüber, was er und das Team BMC mit Leader Richie Porte erreichen kann.
Stefan Küng strebt danach, sein Potenzial möglichst gut auszuschöpfen - auch in der 105. Tour de France? (Bild: KEYSTONE/URS FLUEELER)

Stefan Küng strebt danach, sein Potenzial möglichst gut auszuschöpfen - auch in der 105. Tour de France? (Bild: KEYSTONE/URS FLUEELER)

(sda)

Ausserdem äussert sich der 24-jährige Thurgauer Profi Küng im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA ausführlich zu seinem Aha-Moment in der Tour de Suisse und zum baldigen Entscheid über sein künftiges Team.

Stefan Küng, Sie stehen vor Ihrer zweiten Tour-de-France-Teilnahme. Letztes Jahr beim Debüt verpassten Sie das Maillot jaune nur knapp. Mit welchen Erwartungen gehen Sie heuer in die dreiwöchige Rundfahrt?

«Schade gibt es zum Auftakt kein Zeitfahren wie 2017 in Düsseldorf. Mit den Fortschritten, die ich seit letztem Jahr gemacht habe, wäre das interessant geworden. Dafür gibt es ein Mannschaftszeitfahren über 35 km am dritten Tag.»

Für die Vorbereitung flogen Sie extra einen Tag früher nach Frankreich.

«Weil wir am Mittwoch ein Zusatz-Training für diese Disziplin absolvierten, flog ich schon am Dienstag. Für uns von BMC wäre optimal, wenn wir im Mannschaftszeitfahren wie in der Tour de Suisse vorlegen könnten. Bei idealem Verlauf holen wir am dritten Tag das Gelbe Trikot in unsere Reihen.»

Aufgrund Ihrer Fähigkeiten haben Sie in diesem Mannschaftszeitfahren eine tragende Rolle. Auch im weiteren Tour-Verlauf werden Sie vor allem als Helfer gefordert sein. Alle bei BMC für den Teamleader und Tour-de-Suisse-Sieger Richie Porte - oder nicht?

«Das ist definitiv so. Das Gesamtklassement ist unser grosses Ziel. Richie ist ein sehr talentierter Rennfahrer, der auch in die Offensive gehen und ein Rennen so gewinnen kann. Seine Klasse hat er zuletzt in der Tour de Suisse in der Königsetappe nach Gommiswald ganz klar gezeigt. Natürlich hat er gerne ein starkes Team im Rücken. Das verleiht ihm Sicherheit. In den Flachetappen verlässt er sich stark auf uns. Auch er weiss, dass du in der ersten Woche die Tour nicht gewinnen, sondern nur verlieren kannst. Doch die Teams mit den Gesamtfavoriten unternehmen alles, dass man sie eben gerade dann nicht verliert. Das erfordert von uns Helfern im Flachen eine enorme Arbeit.»

Persönliche Ambitionen hegen Sie keine?

«Für mich bleibt am zweitletzten Tag das lange Zeitfahren, auf das man sich aber gar nicht speziell vorbereiten kann. Das Zeitfahren ist noch extrem weit weg, vorher finden ja 19 andere Etappen statt. Zumindest ein bisschen im Hinterkopf habe ich es aber schon. Die Strecke und das Profil habe ich mir angeschaut. Aber eben: Ich weiss jetzt noch nicht, was meine Beine dann noch zulassen werden.»

Letztes Jahr resultierte beim abschliessenden Zeitfahren in Marseille nur der 9. Rang.

«Da hatte ich mich vor dem Zeitfahren einige Tage geschont. Dieses Mal neige ich dazu, den Motor laufen zu lassen und die Belastung nicht gross zu reduzieren. Der Körper muss wissen, dass er an diesem Tag X nochmals Vollgas geben muss. Nun weiss ich viel besser, auf was ich mich in diesen drei Wochen bis zur Ankunft auf den Pariser Champs-Elysées einlasse.»

Was ist die Tour de France für Sie?

«Ein Riesenspektakel. Die Tour ist die Tour - ganz einfach DAS Rennen. Die Aufmerksamkeit und das ganze Drumherum ist enorm. Bei fast allen anderen Rennen, die bis jetzt stattgefunden haben, sprach man immer von Vorbereitungsrennen auf die Tour. So haben sich auch in der Tour de Suisse viele auf die Tour de France vorbereitet. Aber hier in Frankreich bereitet sich in den nächsten Wochen niemand auf irgendetwas vor. Alle sind zu 100 Prozent parat.»

Sie sagen, die Tour ist das wichtigste Rennen des Jahres. Ist sie auch das schwierigste?

«Ja. Aber nicht wegen den Schwierigkeiten oder der Berge. Ein Giro d'Italia ist von dem her genau so hart. Aber die Fahrer machen eben das Rennen. So gibt es in Frankreich selbst bei den Flachetappen keinen lockeren Tag. Hier wird nochmal einen Tick schneller gefahren als sonst. Ein Etappensieg hier ist enorm wichtig, und wenn du einmal gewinnst, dann steht auf deiner Startnummer zusätzlich ein 'V1'. Wenn du dann im Feld umherschaust, dann siehst du genau, wer schon Etappen gewonnen hat. Mein Ziel ist es, auf meiner Startnummer auch ein solches 'V1' oder besser 'V2' oder 'V3' zu haben.»

Letztes Jahr hat dazu nicht viel gefehlt. Sie wurden als Zweiter des Auftakt-Zeitfahrens vom Briten Geraint Thomas nur um fünf Sekunden geschlagen.

«Ich weiss. Das wäre schön gewesen. Aber in diesem Jahr gibt es ja weitere Chancen, um dies ändern zu können.»

Themawechsel: Sie sagen, dass die Tour de Suisse nur ein Vorbereitungsrennen ist. Dann haben Sie Ihre damaligen starken Leistungen also nicht in Topform erbracht?

«Hoffentlich nicht. Für die Tour de Suisse war ich zwar gut vorbereitet. Doch die perfekte Vorbereitung war auf die Tour de France ausgelegt. Hier sollte ich meinen Formhöhepunkt erreichen.»

Waren Sie überrascht von Ihrer Leistung in der Heimrundfahrt, in welcher Sie während vier Tagen das Maillot jaune trugen und das Zeitfahren am letzten Tag in Bellinzona gewannen?

«Überrascht wäre das falsche Wort. Doch diese Tour de Suisse gab mir sehr viel Selbstvertrauen. Ich strebe danach, mein Potenzial möglichst gut auszuschöpfen. Und der letzte Monat hat mir gezeigt, dass das Potenzial, das ich selber bei mir vermutet habe, auch definitiv vorhanden ist.»

Was heisst das genau?

«Es muss nicht an irgendeinem Punkt fertig sein, nur weil ich vielleicht ein bisschen schwerer als andere Fahrer bin. Oder weil es im Streckenprofil einen 'Zacken' hat. Von dem her war die Tour de Suisse ein Aha-Moment für mich. Das zu merken, war sehr, sehr wichtig, und es ist auch wichtig für mich und meine zukünftige Entwicklung. Ich fühle mich fitter denn je.»

Sie sind ein paar Kilogramm leichter als früher und wollen nicht mehr nur als Zeitfahr-Spezialist und Roller wahrgenommen werden. Zugleich wird es das Team BMC, bei welchem Sie seit 2013 unter Vertrag stehen, in der bisherigen Form ab nächstem Jahr nicht mehr geben. Bis wann wollen Sie Klarheit über Ihre Zukunft haben?

«Also den Vertrag unterschreiben oder einen Teamwechsel öffentlich bekanntgeben, das darf man erst ab dem 1. August. Mein persönlicher Fahrplan sieht so aus, dass ich am Startwochenende der Tour de France (also spätestens bis kommenden Sonntag - Red.) wissen will, wie es bei mir weitergeht. Wann schliesslich der Vertrag unterschrieben wird, spielt keine Rolle.»

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