Swiss Cycling kehrt mit einmal WM-Gold und zwei Strassen-WM heim

Die Schweizer Elite bleibt an der Strassen-WM ohne Medaille. Hoffnung auf eine erfolgreiche Zukunft gibt es dank Stefan Küng, der U23-Generation und durch die Sogwirkung der Heim-WM 2020 und 2024.

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U23-Weltmeister Marc Hirschi ist einer der Hoffnungsträger im Schweizer Radsport (Bild: KEYSTONE/EPA/DANIEL KOPATSCH)

U23-Weltmeister Marc Hirschi ist einer der Hoffnungsträger im Schweizer Radsport (Bild: KEYSTONE/EPA/DANIEL KOPATSCH)

(sda)

Mathias Frank (26. Platz) und Sébastien Reichenbach (32.) hielten sich am Sonntag im WM-Strassenrennen der Männer auf den sehr coupierten 260 km in und um Innsbruck lange über Erwarten gut. Doch als in der Schlusssteigung, in der bis zu 28 Prozent steilen Höttinger Höll, die absoluten Topfahrer wie Romain Bardet und der nachmalige Weltmeister Alejandro Valverde angriffen, da wurden der Luzerner und der Walliser halt doch sehr schnell abgehängt.

Ganz anders war zwei Tage zuvor das Strassenrennen in der ebenfalls bereits sehr kompetitiven U23-Kategorie verlaufen. Da waren es die Schweizer, die eine Show, ja die perfekte Teamleistung ablieferten. Souverän zu Ende geführt vom neuen Weltmeister und baldigen Neo-Profi Marc Hirschi. Auch dessen Berner Kantonskollege Gino Mäder (4. Rang) und der Schaffhauser Patrick Müller (9.) waren an diesem Tag omnipräsent. «Das war der absolute Höhepunkt, an den wir uns noch lange erinnern werden», sagt verständlicherweise Thomas Peter.

Der langjährige Sportchef von Swiss Cycling erinnert sich in der jüngeren Vergangenheit nur an einen vergleichbaren Wettkampf aus Schweizer Sicht: «Das war 2012 an den Olympischen Spielen.» In London allerdings hatte der designierte Leader Fabian Cancellara die Arbeit seiner Helfer aufgrund eines Sturzes nicht krönen können.

Stark bei Männern, Aufholbedarf bei Frauen

Hirschi, Mäder und Müller stehen ab 2019 alle bei einem Profi-Team unter Vertrag. Nationaltrainer Danilo Hondo ist dank ihnen von einer blühenden Zukunft überzeugt - unter der Voraussetzung, dass «man diesen Jungs zu Beginn bei den Profis ein, zwei Jahre Zeit lässt».

Auch Sportchef Peter ist sich sicher, dass dieses Trio schon bald auch bei der Elite wird Erfolge feiern können: «Zuletzt waren die Schweizer eher Klassik- und Zeitfahr-Spezialisten. Der Wahrnehmung in der Öffentlichkeit des Schweizer Radsports sehr gut täte künftig insbesondere ein Fahrer, der in kleineren wie grösseren Rundfahrten aufs Gesamtklassement fahren könnte.» Grösster Hoffnungsträger in dieser Domäne ist Mäder, der Gesamtdritte der Nachwuchsrundfahrt Tour de l'Avenir.

Auch auf Stufe Junioren verfügt Swiss Cycling mit Alexandre Balmer, der im Strassenrennen den Spurt um Bronze nur ganz knapp verlor, über ein riesiges Talent. Der Neuenburger ist im Mountainbike gar schon Weltmeister geworden und plant in den kommenden Jahren auch mit regelmässigen Einsätzen auf der Strasse.

Handlungsbedarf besteht beim Schweizer Radsportverband indes bei den Frauen. Nationaltrainer Edi Telser sagt, dass ihm die Athletinnen fehlen, und auch Thomas Peter gibt zu, «dass der Nachwuchsbereich bei den Frauen momentan unsere grosse Schwäche ist». Man sei daran, so der Berner, ein Nachwuchskonzept zu erstellen, das dann auch greift. «Wir müssen mehr Fahrerinnen heranbringen. Ob sie dann von der Bike-Seite kommen oder auch auf der Bahn Rennen fahren, ist zweitrangig. Hauptsache sie fahren Velo und haben Potenzial in unserem Ausdauersport.»

Erfolge auch neben der Strasse

Auf dem sportpolitischen Parkett konnte die Swiss-Cycling-Führungscrew um Geschäftsführer Markus Pfisterer und Sportchef Peter in Innsbruck ebenfalls Erfolge verbuchen. Für die Austragung der Strassen-Weltmeisterschaften 2020 springt man dem Weltverband UCI mit Aigle/Martigny zur Seite, dafür erhielt man auch bereits die Titelkämpfe 2024 zugesprochen. Entweder Bern oder Zürich werden dannzumal im Zentrum des Radsportfests stehen.

Peter erhofft sich für seinen Verband von diesen zwei Grossevents eine ähnliche Wirkung, wie sie 2014 die Leichtathleten mit der Heim-EM in Zürich erleben durften: «Mit der Unterstützung von Bund und Kantonen - und hoffentlich mit unseren erfolgreichen Athleten - kann man einen schönen Schritt vorwärts kommen.»

Zudem gab die UCI vor einigen Tagen auch einem schon länger gehegten Wunsch von Swiss Cycling nach. So darf ab kommender Saison ein Schweizer Nationalteam die World-Tour-Rundfahrten im eigenen Land, also die Tour de Romandie und die Tour de Suisse, bestreiten.