Tour, Giro und Vuelta innerhalb von 72 Tagen - WM-Termin bestätigt

Die Radprofis stehen vor einem ereignisreichen Herbst - sofern die Corona-Pandemie einen Neustart der Saison überhaupt zulässt. Der neue Rennkalender des Weltverbands UCI gleicht einem Mammutprogramm.

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Falls es die Corona-Pandemie zulässt, blickt der Radsport auf einen vollgepackten Herbst

Falls es die Corona-Pandemie zulässt, blickt der Radsport auf einen vollgepackten Herbst

KEYSTONE/EPA/GUILLAUME HORCAJUELO
(sda)

Weil nur sechs World-Tour-Veranstaltungen, unter ihnen die Tour de Suisse und die Tour de Romandie, eine Absage einer Verschiebung vorgezogen haben, stand die UCI vor der Herkulesaufgabe, praktisch die gesamte Radsaison in drei Monate zu verpacken. Entstanden ist von August bis Anfang November ein dicht gedrängtes Programm, in dem die drei grossen Landesrundfahrten, die fünf wichtigsten Klassiker, die Strassen-WM und zahlreiche andere World-Tour-Rennen untergebracht wurden.

Es war deshalb unausweichlich, dass es zu Überschneidungen kommt. So überlappt sich das Ende des Giro d'Italia (3. bis 25. Oktober) mit dem Start der auf 18 Etappen verkürzten Spanien-Rundfahrt (20. Oktober bis 5. November). Ein besonderes Augenmerk gilt dem 25. Oktober. An diesem Sonntag finden gleichzeitig die Giro-Schlussetappe, ein Teilstück der Vuelta und der Pavé-Klassiker Paris-Roubaix statt. Ebenfalls im Oktober sind in Konkurrenz mit einer Grand Tour die Monumente Lüttich-Bastogne-Lüttich, Flandern-Rundfahrt und Lombardei-Rundfahrt eingeplant.

Tour de France und WM-Termin bestätigt

Der Neustart der World-Tour-Saison, die seit Mitte März unterbrochen ist, soll am 1. August mit dem italienischen Halbklassiker Strade Bianchi erfolgen. Als erstes grosser Höhepunkt nach der mehrmonatigen Pause ist am 8. August der Klassiker Mailand-Sanremo vorgesehen.

Die UCI bestätigte am Dienstag auch den Termin für die ursprünglich zwei Monate zuvor eingeplante Frankreich-Rundfahrt, die für die Radsport-Szene von existenzieller Bedeutung ist. Für einen planmässigen Start am 29. August in Nizza müssen allerdings noch einige Hürden aus dem Weg geräumt werden, sind in Frankreich doch bis Ende August keine Veranstaltungen mit über 5000 Personen erlaubt.

Am Termin der Strassen-Weltmeisterschaften in Aigle und Martigny (20. bis 27. September) hielt die UCI fest. Das bedeutet, dass sich das WM-Zeitfahren mit dem Ende der Tour de France überschneidet. Das wird vor allem für Fahrer wie Stefan Küng zum Problem.

Bedenken bei Stefan Küng

Der letztjährige Bronzemedaillengewinner im WM-Strassenrennen spricht zwar von «Licht am Ende des Tunnels», wenn es endlich wieder losgehen sollte. Gleichwohl äussert er mit Blick auf den neuen Kalender aber auch seine Bedenken: «Für mich stellt sich die Frage: 'Kann das überhaupt alles so stattfinden? Und, ist es sinnvoll all diese Rennen nachzuholen?'» Küng ist sich sicher, dass es von allen Seiten Kompromisse braucht. «Wer das am besten unter einen Hut kriegt, der wird am Ende als Gewinner dastehen.»

Die zahlreichen Überschneidungen werden zweifelsohne dazu führen, dass nicht alle grossen Rennen auf ein gewohnt starkes Teilnehmerfeld zurückgreifen können. So liegen zwischen dem Anfang der ersten dreiwöchigen Rundfahrt (Tour de France) und dem Ende der dritten (Vuelta) beispielsweise nur 72 Tage.

Derzeit alles andere als sicher ist, dass in diesem Jahr überhaupt noch Rennen gefahren werden - zumal der Radsport sich im Gegensatz zu anderen Sportarten in einem viel grösseren Radius bewegt. Alleine während der Tour de France werden über 3000 km zurückgelegt. Hotels und Umfeld wechseln täglich. Da braucht es nicht viel, und das Konstrukt beginnt in sich zusammenzufallen, bevor der vollgepackte Herbst überhaupt erst ins Rollen gekommen ist. Vieles wird deshalb davon abhängen, wie sich die Pandemie in den kommenden Wochen entwickelt.