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Türkischer Staatspräsident telefoniert und gratuliert

Nach der von Mesut Özil verursachten Schockwelle folgt aus Ankara die erwartete Wortmeldung. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan gratuliert dem Arsenal-Star dazu, sich vom DFB abzuwenden.
Erdogan am Apparat? Der Staatschef soll mit Özil telefoniert haben (Bild: KEYSTONE/EPA/ABEDIN TAHERKENAREH)

Erdogan am Apparat? Der Staatschef soll mit Özil telefoniert haben (Bild: KEYSTONE/EPA/ABEDIN TAHERKENAREH)

(sda)

Der Mann, der im Mai zusammen mit Özil und Ilkay Gündogan auf einem PR-Foto posierte und so im Deutschen Fussball-Bund ein Beben auslöste, behauptete nach einer Fraktionssitzung der Regierungspartei AKP, mit Özil telefoniert zu haben.

«Seine Haltung in der Erklärung ist komplett patriotisch. Ich küsse seine Augen», äusserte sich der Staatschef gemäss dem TV-Sender TRT Haber plakativ. Die Deutschen könnten «nicht verdauen, dass er für ein Foto mit mir posierte». Entsprechend begrüsse Erdogan den Schritt des Sportlers.

Dass der in weiten Teilen Deutschlands auf offene politische Ablehnung stossende Machthaber Özils Rücktritt für Propaganda in eigener Sache instrumentalisieren würde, war absehbar. Die Haltung gegenüber einem, «der so viel Schweiss für den Erfolg der deutschen Nationalmannschaft vergossen hat», sei nicht hinnehmbar.

Weniger zynisch als der Autokrat vom Bosporus äusserte sich der frühere DFB-Sportdirektor Matthias Sammer zur Lage der deutschen Fussball-Nation. Niemand könne sich im Detail vorstellen, was in Özil vorgegangen sei während er letzten Wochen, erklärte er in einem Interview mit dem Sender «Eurosport».

«Vom Ursprung des Fotos bis zur Kommentierung hat er Dinge aushalten müssen», zeigt Sammer ein gewisses Verständnis und ist um eine Relativierung bemüht: «Es ist sein Entscheid, nicht mehr zu spielen, das gilt es zu respektieren. Der deutsche Fussball wird weitergehen.»

Der Erdrutsch setzte am Sonntagabend ein, als Özil auf Twitter innert weniger Stunden drei brisante Statements und seinen sofortigen Abschied aus der DFB-Auswahl veröffentlichte. Dabei griff er den Präsidenten Reinhard Grindel frontal an: «Inkompetent und unfähig.»

In Absprache mit seiner von Sportrechtler Erkut Sögüt orchestrierten Entourage konfrontierte er die Verbandsspitze mit massiven Rassismusvorwürfen. Verschiedene deutsche Rechercheure haben Sögüt als Spin-Doctor der unfreundlichen Twitter-Botschaften ausgemacht.

Inzwischen steigt der öffentliche Druck auf Grindel weiter. Rücktrittsforderungen kursieren, im Rahmen von repräsentativen Umfragen wird der DFB-Chef weiter demontiert. Das Gremium um Grindel reagierte mit einem beschwichtigenden Schreiben, Jogi Löw und Team-Manager Oliver Bierhoff hingegen befinden sich weiterhin auf Tauchstation.

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