Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Reporterlegende Karl Erb ist 92-jährig gestorben

Karl Erb ist am Mittwoch in Muralto im Alter von 92 Jahren im Beisein seiner engsten Angehörigen friedlich eingeschlafen. Er war in den goldenen Zeiten des Skisports der populärste Schweizer (TV-)Sportreporter.
Richard Hegglin und Klaus Zaugg
Reporter-Legende Karl Erb in den goldenen Zeiten mit Bernhard Russi (Bild: KEYSTONE/STR)

Reporter-Legende Karl Erb in den goldenen Zeiten mit Bernhard Russi (Bild: KEYSTONE/STR)

Karl Erb, Sohn des einstigen «Sport»-Chefredaktors Fritz Erb, engagierte sich weit über seine journalistischen Tätigkeiten hinaus für den Schweizer Sport als Funktionär und Organisator von Sportanlässen. So war er mit Fred Rubi vor allem ideell massgeblich an der Gründung des Adelbodner Skitags beteiligt. Auch am Aufbau des Ski-Weltcups half er an der Seite von Serge Lang tatkräftig mit, obwohl er ursprünglich gegen dieses Projekt war. Er befürchtete einen Bedeutungsverlust der damals klassischen Skirennen wie Gornergrat- und Parsenn-Derby, was dann auch tatsächlich eintrat.

Kultkommentar von Russis Gold im Val Gardena 1970

Erb kommentierte (von 1962 bis 1981) neben den Skidisziplinen alpin, Langlauf und Springen auch Formel-1-Rennen sowie Reiten und bediente zahlreiche Zeitungen mit seinen Berichten. Sein Kommentar von der Ski-WM 1970 im Val Gardena, wo er mit überschlagender Stimme Bernhard Russis Triumph schilderte, ist zum Kultdokument geworden. Später assistierte ihm Russi eine Zeit lang als Co-Kommentator. Erb schrieb auch zahlreiche Sportbücher, so Porträts über Russi, Heini Hemmi und Franz Heinzer, den Klassiker «Faszination Abfahrt» und die Jahrbücher «Sport Hits».

Karl Erb war nicht nur in der Art und Weise, wie er die TV-Kommentierung von Sportereignissen prägte, gar revolutionierte, der Zeit voraus. Viel früher als seine Zeitgenossen erkannte er die heraufziehende Kommerzialisierung des Sportes und die Werbewirkung der Sportstars. Das Schweizer Fernsehen versuchte seinen populärsten Sportkommentator ab 1980 mit einer Festanstellung zu halten. Aber Karl Erbs Persönlichkeit war grösser als eine attraktive und gut bezahlte Anstellung beim staatstragenden Medium.

Der legendaere Sport-Reporter Karl Erb spricht anlässlich der Buchtaufe "Schweizer Wintersporthelden" von Sepp und Thomas Renggli 2010 in Zürich. (Bild: Keystone)

Der legendaere Sport-Reporter Karl Erb spricht anlässlich der Buchtaufe "Schweizer Wintersporthelden" von Sepp und Thomas Renggli 2010 in Zürich. (Bild: Keystone)

Als Sportvermarkter der Zeit voraus

Er machte sich als Mitbegründer der ersten Sportvermarktungsfirma der Schweiz (Pro Sport) selbstständig. Sie scheiterte. Nicht am Konzept und nicht an der Kompetenz der Firmengründer. Die Zeit war einfach noch nicht reif. Bereits zehn Jahre später hätte Karl Erb mit dieser Firma ein Vermögen gemacht. Er scheiterte in diesem Business als ein Pionier, der seiner Zeit zu weit voraus war.

Karl Erb gehörte überdies während fast zweier Jahrzehnte in verschiedensten leitenden Funktionen dem NKES (Nationales Komitee für Elite-Sport) und dem Exekutivrat des SOC an, den Vorgängerorganisationen von Swiss Olympic.

Bis zu seinem Ableben war er ein aufmerksamer und kritischer Beobachter des Sports, auch wenn er am Schluss, wie er sich ausdrückte, «nur noch fernhören statt fernsehen» konnte.

An Augenkrankheit gelitten und nur noch wenig gesehen

Erb litt an der Augenkrankheit Makula-Degeneration und sah nur noch sehr schlecht. Dazu machten ihm immer stärker auftretende Herzbeschwerden zu schaffen. Aber rhetorisch und intellektuell war er bis zum Schluss in einer beneidenswerten Verfassung. «Ich trage jetzt die Startnummer 92», pflegte er in Anspielung auf sein Alter zu sagen. «Und mit dieser Nummer ist die Piste halt schon stark ramponiert. Aber ich durfte eine tolle Zeit erleben», bemerkte er dankbar. Seine Tochter Andrea, abstammend aus seiner Ehe mit der ehemaligen Skirennfahrerin Silvia Zimmermann, begleitete ihn in seinen letzten Tagen in Muralto. Seit 1993 hatte er im Tessin gelebt. Eine Trauerfeier wird auf Wunsch von Karl Erb nicht stattfinden.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.