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Unveränderte Hierarchie in der Formel 1

Die Gegenwart in der Formel 1 bringt nichts Neues. Im Titelkampf werden die gleichen Fahrer wie in den Vorjahren unter sich sein. Für die Zukunft stehen dagegen nach wie vor viele Fragen im Raum.
Sebastian Vettel will mit Ferrari endlich Weltmeister werden (Bild: KEYSTONE/EPA/DIEGO AZUBEL)
Max Verstappen will aus dem Duell um den Titel einen Dreikampf machen (Bild: KEYSTONE/AP/EUGENE HOSHIKO)
Die Autogramme von Lewis Hamilton bleiben die begehrtesten (Bild: KEYSTONE/EPA/DIEGO AZUBEL)
Im Ferrari SF90 soll Sebastian Vettel für die Roten den Titel holen (Bild: KEYSTONE/EPA FERRARI PRESS OFFICE/FERRARI PRESS OFFICE / HANDOUT)
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Unveränderte Hierarchie in der Formel 1

(sda)

Es braucht keinen Propheten für die Vorhersage, dass das Teilnehmerfeld in der Formel-1-WM wie gehabt als mehrklassige Gesellschaft daherkommt. Höchstens drei Teams können die Titel ins Visier nehmen, der grosse Rest bekommt das, was die Tenöre übrig lassen. In der Rangliste beginnen die Brosamen im Normalfall bei Platz 7. Weiter nach vorne im Klassement geht es für die Fahrer der Equipen zweiter oder dritter Kategorie nur, wenn bei den Besten Mensch und Maschine nicht das Optimum erreichen, bei gravierenden Fahrfehlern oder streikender Technik also.

Der Ruf nach mehr Ausgeglichenheit wird die Formel 1 noch lange begleiten. Mindestens bis zum Ende der kommenden Saison wird dem so sein. Optimisten sehen im Auslaufen des Concorde Agreements, der «Verfassung» der Rennserie, die Chance auf mehr Ausgewogenheit. Es dürfte mehr Wunschgedanke sein, denn die Realität ist eine andere - auch wenn die Besitzer der Formel 1 mit Geschäftsführer Chase Carey an der Spitze Veränderungen im Sinne des Sports angekündigt haben.

Careys Mammutaufgabe

Carey steht vor einer Mammutaufgabe. Es wird für ihn sehr schwierig werden, das Vermächtnis des vor zwei Jahren als Promoter abgesetzten Bernie Ecclestone, der das Concorde Agreement primär im Sinne der grossen Teams abgefasst und ihnen Sonderrechte zugestanden hat, aus den Köpfen der Begünstigten zu verdrängen. Im Moment jedenfalls scheint es illusorisch, dass die Profiteure zum Wohle der Allgemeinheit auf eigene Vorteile verzichten werden.

Vorab der neue Verteilschlüssel des den Teams zustehenden Anteils der Einnahmen und die angedachte Budget-Obergrenze werden die Passagen im zukünftigen Regelwerk sein, mit denen Carey in den Chefetagen der betreffenden Rennställe auf Granit beissen wird. Konkrete Ergebnisse aus den Verhandlungen mit den Team-Oberen kann er jedenfalls noch nicht präsentieren. Es ist wohl damit zu rechnen, dass auch der Amerikaner nicht darum herumkommen wird, den Weg in der Formel 1 der Zukunft mit Zugeständnissen und Kompromissen gehen zu müssen.

Die Nivellierung im Teilnehmerfeld wäre damit wohl gescheitert, der Kommerz hätte sich zum Leidwesen des Sports erneut durchgesetzt. Der Entscheid käme dem missratenen Versuch gleich, der Formel 1 mehr Attraktivität zu verleihen. Carey weiss selbstredend um die Problematik. Langfristig lässt sich nur mit einem auf dem Markt gut positionierten Produkt Geld verdienen.

Vettel und die Fünf

Genug der nicht allzu rosigen Zukunftsperspektiven. Ab dieser Woche steht der Sport im Zentrum - und dabei vorab die zwei Hauptdarsteller, Titelverteidiger Lewis Hamilton und Sebastian Vettel. Wer vor dem Saisonauftakt am Sonntag in Melbourne die Nase vorn haben wird, ist nicht zu eruieren. Die acht offiziellen Testtage im Vorfeld haben bestenfalls Tendenzen geliefert. Auf jeden Fall sehen sich der Engländer und der Deutsche gerüstet für den Titelkampf. Anderes bleibt ihnen auch nicht übrig. Der eigene Anspruch und der ihrer Arbeitgeber ist Jahr für Jahr der gleiche: Weltmeister werden.

Hamilton hat die Krone in den letzten fünf Saisons viermal gewonnen. Die vier Gesamtsiege sind Zeugnis einer Konstanz auf ungemein hohem Niveau von Fahrer und Auto. Mercedes war seit Beginn der vor fünf Jahren begonnenen Ära mit den Turbo-Hybrid-Motoren die absolute Grossmacht, die in dieser Phase alle Titel einheimste. Hamilton ist seit jeher die zentrale Figur im Kreis der Sterne. Alles dreht sich vorab um ihn, ihm wird jeder Wunsch von den Lippen abgelesen - auch jener nach Freiheit, die ihm abseits der Rennstrecken so wichtig ist.

Vettel unternimmt seinen fünften Anlauf, um im Sold von Ferrari am Ende der Saison ganz oben zu stehen - und endlich die uneingeschränkte Anerkennung bei der Scuderia zu erhalten. Er weiss, dass nur der Titel diese Wertschätzung bringen kann.

Vettel würde es Michael Schumacher gleichtun, der den ersten seiner fünf Titelgewinne mit der Scuderia ebenfalls in der fünften Saison errungen hat. Es würde bestens zu Vettel passen. Er rückt mit der Startnummer 5 aus, und er wäre zum insgesamt fünften Mal Formel-1-Weltmeister. Und, was viel wichtiger ist: Vettel hätte in den ständigen Vergleichen mit seinem Landsmann endlich auch ein starkes Argument zur Hand.

Leclerc will nicht Adlatus sein

Der Druck wird im Vergleich zu seinem ersten Vertragsjahr mit Ferrari nicht um das Fünffache gestiegen sein. Zumindest aber dürfte Vettel teamintern mehr Gegenwind verspüren als in den vier Saisons zuvor. Mit dem nach einem Lehrjahr bei Sauber nach Maranello zurückbeorderten Charles Leclerc hat er einen aufstrebenden, hochtalentierten Jüngling als Teamkollege an seiner Seite, den viele nicht nur als kommenden Weltmeister sehen, sondern schon jetzt für fähig halten, Vettel die Stirn bieten zu können.

Der Monegasse wird seine Rolle anders interpretieren als Kimi Räikkönen. Der auf Harmonie bedachte Finne hatte den Status des Adlatus akzeptiert. Leclerc dagegen wird seine eigenen Ambitionen in den Vordergrund stellen und versuchen, die Chance, sich vom Hochbegabten zum Siegfahrer zu entwickeln, resolut zu nutzen.

Resolut geht seit seinem Einstieg in der Formel 1 auch Max Verstappen zu Werke. Der Niederländer tut sich oft schwer, seinen Ehrgeiz zu zügeln. Mit seiner forschen Art ist er sich schon mehrfach selber im Weg gestanden. Von den fahrerischen Fähigkeiten her ist Verstappen aber im obersten Segment einzureihen, was ihn zwangsläufig zu einem Mitfavoriten macht - sofern denn der Wechsel des Motorenlieferanten von Renault zu Honda für das Team Red Bull die erhoffte Steigerung bringt. Auf Chassis-Seite gehören die nach den Ideen des Engländers Adrian Newey gebauten Autos seit jeher zum Besten in der Formel 1. Passen alle Komponenten bei den Roten Bullen zusammen, könnte aus dem Duell um den Titel ein Dreikampf werden.

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