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Viele Player streiten um den Kuchen

Kroatien gewinnt den letzten echten Davis-Cup-Final. Die Zukunft des Teamwettbewerbs steht in den Sternen. Die Gestaltung eines vernünftigen Tenniskalenders entpuppt sich als Quadratur des Kreises.
Ein Bild der Vergangenheit: Emotionen bei einem Davis-Cup-Final mit Heimfans (am Sonntag im französischen Lille) (Bild: KEYSTONE/AP/THIBAULT CAMUS)

Ein Bild der Vergangenheit: Emotionen bei einem Davis-Cup-Final mit Heimfans (am Sonntag im französischen Lille) (Bild: KEYSTONE/AP/THIBAULT CAMUS)

(sda)

Die französische Tennislegende Yannick Noah nahm nach dem verlorenen Final kein Blatt vor den Mund. «Es wird nie mehr dasselbe sein», sagte der French-Open-Sieger von 1983 und dreifache Davis-Cup-Champion als Captain. «Ich hoffe, es wird nicht mehr Davis Cup heissen. Zwei Sätze zu spielen, das ist nicht Davis Cup. Sie lügen.» Er habe David Haggerty, dem ITF-Präsidenten, ins Gesicht gesagt, «dass er wütend und angewidert sei». Davis Cup habe ihm so viel bedeutet.

Das Ende in Lille war also emotional. Für die siegreichen Kroaten, aber eben so sehr für die unterlegenen Franzosen, bei denen der Davis Cup immer eine besondere Bedeutung genoss. Und es war noch einmal beste Werbung für das alte Format. Rund 70'000 Fans verwandelten das Fussballstadion Pierre-Mauroy an drei Tagen in einen Hexenkessel. Es sind diese Partien, die im neuen Modus fehlen werden. Nach einer Qualifikation im Februar - welche die vier besten Teams des Vorjahres nicht bestreiten - wird der Sieger innerhalb einer Woche in einem Finalturnier mit 18 Teams ausgespielt, in Partien mit zwei Einzeln und einem Doppel auf nur noch zwei Gewinnsätze und an einem neutralen Ort.

2019 und 2020 wird dieser die «Caja Magica» in Madrid sein. Eine «magische Woche» versprach denn auch Gerard Piqué, Gründer und Präsident der Investmentfirma Kosmos - und legte satte drei Milliarden Dollar für 25 Jahre auf den Tisch. Dem konnten die in der ITF organisierten nationalen Verbände nicht widerstehen - auch der französische nicht.

Skeptische Spitzenspieler

Ob die Nächte in Madrid aber magisch werden, wird sich erst weisen müssen. Nicht nur Noah ist dem neuen Wettbewerb gegenüber skeptisch eingestellt. «Letztes Jahr weinte ich aus Freude», erzählte Lucas Pouille, der den Final 2017 gegen Belgien für Frankreich entschieden hatte. «Diesmal weine ich, weil ich traurig bin.» Nicht nur wegen der Niederlage. «Für mich ist klar: Ich werde nicht mehr Davis Cup spielen.» Nun gehört Pouille, die Nummer 32 der Welt nicht zu den Spielern, die Haggerty und Piqué unbedingt beim Finalturnier dabei haben wollen.

Aber auch der Weltranglistenerste Novak Djokovic liess in den letzten Wochen durchblicken, dass er eher nicht dabei sein wird. «Es gibt zu viele Veranstaltungen», sagte der Serbe vorletzte Woche bei den ATP Finals in London. Eine Teilnahme Roger Federers ist nur schon deshalb praktisch ausgeschlossen, weil die Schweiz ohne ihn grösste Mühe haben dürfte, die Qualifikation Anfang Februar gegen Russland zu schaffen.

Speziell zu denken geben sollte den Promotoren, zu denen auch Swiss-Tennis-Präsident René Stammbach gehört, aber auch die Einstellung des mutmasslich nächsten grossen Stars. Der 21-jährige Masters-Champion Alexander Zverev machte in London klar, dass er zwar im Februar für Deutschland anzutreten gedenkt, jedoch nicht am Finalturnier. Das grösste Problem ist das Datum: in der Woche nach den ATP Finals vom 18. bis 24. November. «Dann bin ich in den Ferien», betonte Zverev. Einzig Rafael Nadal hat Piqué seine Teilnahme zugesichert, sofern er gesund ist. Im Herbst ist dies beim Spanier ein grosses Fragezeichen, wie auch die Swiss Indoors wiederholt erfahren mussten.

Widersprüchliche Aussagen der Stars

Die ITF als Alleinschuldigen an der umstrittenen Reform herauszupicken greift jedoch zu kurz. Das rauschende Tennisfest beim Final ist nur die eine Seite der Medaille. Viele Begegnungen der vorherigen Runden enden für die Heimteams in Verlustgeschäften, vor allem, wenn die Stars wie Federer, Wawrinka oder Djokovic nicht dabei sind. Und das war in den letzten Jahren sehr oft der Fall. Die Reform soll neben dem Geldregen auch wieder Spitzenspieler anlocken. Dafür muss aber wohl ein neues Datum gefunden werden.

Und hier liegt die ganz grosse Krux - und auch der Widerspruch, in den sich die Stars immer wieder verstricken. Fast alle beklagen sie sich über den dichtgedrängten Kalender, der von Anfang Januar bis Ende November dauert und zu einer Häufung von Verletzungen und Abnützungserscheinungen führt. Und dennoch verpflichten sich die Spieler immer wieder zu zusätzlichen, lukrativen Showkämpfen und schaffen neue Turniere.

Dazu gehört Federer mit dem unter anderem von ihm ins Leben gerufenen Laver Cup, in dem nächstes Jahr vom 20. bis 22. September in Genf zum dritten Mal ein Team von europäischen Spielern gegen den Rest der Welt antritt. Ab Januar 2020 trägt die ATP in drei australischen Städten einen neuen Teamwettkampf mit 15 Millionen Dollar Preisgeld aus, bei dem es auch bis zu 750 ATP-Punkte zu gewinnen gibt - und das nur sechs Wochen nach der Davis-Cup-Finalwoche. Den Spielern liegt der Event der ATP, die als Spielergewerkschaft entstanden ist, mit Sicherheit näher.

Mit dieser Kakophonie von Turnieren, bei der selbst eingefleischte Fans den Überblick zu verlieren drohen, bewegt sich der Sport auf gefährlichem Terrain. Immer mehr wollen einen Teil des Kuchens und scheinen daran zu glauben, dass dieser grösser wird. Das widerspricht aber dem Bestreben diametral, weniger spielen zu müssen.

Das Problem sind die zahlreichen Akteure (ATP, WTA, ITF, Laver Cup) und die unterschiedlichen Interessen. Im Moment scheint der Davis Cup in der schwächsten Position. Einen besseren Termin zu bekommen, dürfte für das Finalturnier überlebenswichtig sein. Nicht umsonst erklärte Haggerty in Lille, er sei offen für Gespräche und Kooperationen. Die Frage ist: Wer sonst noch?

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