Vladimir Petkovic: «Das war eine grosse mentale Leistung»

Nationalcoach Vladimir Petkovic spricht nach dem 5:2-Sieg gegen Belgien von einer grossen mentalen Leistung seines Teams.

Stefan Wyss (SDA)
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Ende gut, alles gut! Nationalcoach Vladimir Petkovic nach dem erfolgreichen Jahresabschluss gegen Belgien (Bild: Ennio Leanza / Keystone (Luzern, 18. November 2018))

Ende gut, alles gut! Nationalcoach Vladimir Petkovic nach dem erfolgreichen Jahresabschluss gegen Belgien (Bild: Ennio Leanza / Keystone (Luzern, 18. November 2018))

Ende gut, alles gut! Dieses Fazit kann man nach dem letzten Länderspiel des Jahres aus Schweizer Sicht ziehen. Nach einer schwierigen WM, einem unruhigen Sommer und einem wenig konstanten Herbst steht die Schweiz unter den Top 4 der europäischen Nations League. Und sie hat sogar eine historische Marke gesetzt: Erstmals seit dem 4:2 gegen Deutschland an der WM 1938 hat sie nach einem 0:2-Rückstand noch mit mindestens zwei Toren Unterschied gewonnen.

Nationalcoach Vladimir Petkovic möchte allerdings nicht, dass allein dieser Sieg gegen Belgien das Urteil spricht über das gesamte Jahr. «Ich habe nie einen negativen Trend im Nationalteam gesehen. In der Welt hat man uns in ein gutes Licht gestellt. Es wird sehr geschätzt, was diese Mannschaft geleistet hat.»

Auch Xherdan Shaqiri, gegen Belgien einer der besten im Schweizer Team, schlug in die gleiche Kerbe. Er hat die teilweise persönlich gefärbten Kommentare an die Adresse «eines der erfolgreichsten Nationaltrainers der Schweiz» als «respektlos» empfunden. «Die Antwort haben wir auf dem Platz gegeben.»

Die grosse Wende gegen die Weltnummer 1 Belgien schreibt Petkovic vor allem dem guten Charakter des Teams zu. «Wir haben mit Mut und Herz gespielt. Es war eine grosse mentale Leistung, nach dem 0:2 im Spiel zu bleiben.» Der Tessiner gab aber auch zu, dass er nach der schwierigen Startphase sein Team umgestellt hatte, «um eine schlimme Niederlage zu verhindern.» Aber dann sei man nach und nach über die eigene Spielweise ins Spiel gekommen. «In der zweiten Halbzeit war das eine clevere und intelligente Leistung. Wir haben nicht mehr viel riskiert.»

Unmittelbar nach dem letzten Länderspiel des Jahres sei es noch zu früh, um eine gründliche Analyse zu machen. Petkovic gab seine Gedanken (noch) nicht preis, wie er im Frühling in der EM-Qualifikation personell weiterfahren will und ob etwa Captain Stephan Lichtsteiner wieder ins Team kommt. «Ich will sowieso nicht von einem Umbruch reden. Es ging darum, mehr Konkurrenz zu bekommen.»

Für Belgiens Nationalcoach Roberto Martinez war der umstrittene Penalty für die Schweiz, der zum Anschlusstor führte, der Schlüsselmoment im Spiel. «Ich habe nicht gesehen, ob es ein Penalty war. Aber danach ist das Spiel gekippt. Die Schweizer hatten wieder Mut, die Zuschauer wurden laut.»

Dennoch ist Martinez enttäuscht, wie sein Team den 2:0-Vorteil verspielt hat. «Wir haben vergessen, wie die grundsätzlichen Dinge im Fussball funktionieren. Eigentlich passt dies nicht zum Charakter meiner Mannschaft.»

Alle Tore im Video:

Haris Seferovic (Mitte) jubelt mit seinen Teamkollegen über den Treffer zum 5:2. Bild: Urs Lindt/Freshfocus (Luzern, 18. November 2018)
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Matchwinner Haris Seferovic (9) und die ganze Schweizer Mannschaft ist zu Recht euphorisch nach dem 5:2 gegen Belgien. (Bild: Alexandra Wey / Keystone (Luzern, 18. November 2018))
Haris Seferovic jubelt nach dem Tor zum 2:2 (Bild: Urs Lindt / Freshfocus (Luzern, 18. November 2018))
Haris Seferovic kann in seinem 59. Länderspiele die Tore 15, 16 und 17 bejubeln. Er trifft zum 2:2, 3:2 und 5:2 (Bild: Alexandra Wey / Keystone (Luzern, 18. November 2018)
Xherdan Shaqiri jubelt nach dem Tor zum 4:2. Bild: Daniela Frutiger / Freshfocus (Luzern, 18. November 2018)
Nati-Trainer Vladimir Petkovic (rechts) gibt Anweisungen an Granit Xhaka. Bild: Alexandra Wey / Keystone (Luzern, 18. November 2018)
Haris Seferovic (Mitte) feiert den Sieg mit Fans. (Bild: Alexandra Wey / Keystone (Luzern, 19. November 2018))
Zweikampf zwischen Nico Elvedi (links) und Thorgan Hazard. Bild: Ennio Leanza/Keystone (Luzern, 18. November 2018)
Xherdan Shaqiri stellt Belgiens Abwehrchef Vincent Kompany immer wieder vor Probleme. Der herausragende Schweizer liefert die Vorlagen zum 2:2 und 4:2 (Bild: Alexandra Wey / Keystone (Luzern, 19. November 2018))
Ricardo Rodriguez trifft vom Penaltypunkt sicher zum 1:2. (Bild: Ennio Leanza / Keystone (Luzern, 19. November 2018))
Da freuen sich die Brüder noch: Eden Hazard gratuliert Thorgan, der bis in die 17. Minute zweimal zum 2:0 trifft. (Bild: Ennio Leanza / Keystone (Luzern, 19. November 2018))
Die Choregrafie mit dem Schweizer Kreuz heizte die Stimmung an. Bild: Ennio Leanza/Keystone (Luzern, 18. November 2018)
Die Startformation (vorne von links): Steven Zuber, Kevin Mbabu, Remo Freuler, Xherdan Shaqiri und Edimilson Fernandes. Hinten von links: Ricardo Rodriguez, Haris Seferovic, Nico Elvedi, Timm Klose, Granit Xhaka und Yann Sommer. Bild: Ennio Leanza/Keystone (Luzern, 18. November 2018)
Um diesen Pokal geht es: (Bild: Daniela Frutiger / Freshfocus (Luzern, 18. November 2018))

Haris Seferovic (Mitte) jubelt mit seinen Teamkollegen über den Treffer zum 5:2. Bild: Urs Lindt/Freshfocus (Luzern, 18. November 2018)

Yann Sommer, Torhüter, Note 5. Muss rasch zweimal hinter sich greifen. Danach hält er aber mehrfach stark.
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Kevin Mbabu, Rechtsverteidiger, Note 5,5. Starker Auftritt. Macht viele Vorstösse. Holt den Penalty zum 1:2 raus und bereitet das 5:2 vor.
Timm Klose, Innenverteidiger, Note 5. Erhält die Chance in der Startelf. Er gewinnt sehr viele Zweikämpfe.
Nico Elvedi, Innenverteidiger, Note 4. Verschuldet das 0:1, sieht auch beim 0:2 nicht glücklich aus. Steigert sich aber und trifft zum 4:2.
Ricardo Rodriguez, Linksverteidiger, Note. 5. Beim 0:2 ist er zu passiv. Er erzielt dafür das 1:2 per Penalty und bereitet das 2:2 mit einer Flanke vor.
Granit Xhaka, Defensives Mittelfeld, Note 5.Der Captain führt das Team als Taktgeber an. Erobert viele Bälle.
Remo Freuler, Defensives Mittelfeld, Note 4,5. Fällt in diesem Spiel selten auf, ob positiv oder negativ. Macht später Platz für Zakaria.
Edimilson Fernandes, Rechter Flügel, Note 4,5. Bereitet das 3:2 für Seferovic vor. Kämpferisch und läuferisch ein guter Auftritt.
Xherdan Shaqiri, Offensives Mittelfeld, Note 5,5. Er sprüht vor Energie. Wunderschön seine Vorlagen zum 2:2, 4:2 und 5:2.
Steven Zuber, Linker Flügel, Note 4,5. Läuft sehr viel, kämpft und hilft defensiv mit, hat jedoch wenig Offensivaktionen.
Haris Seferovic, Mittelstürmer, Note 6.  Sackstark! Schiesst bei seinem Luzerner Heim-Auftritt drei Treffer und wird mit einer Standing Ovation verabschiedet.  Nicht bewertbar: Denis Zakaria, Loris Benito und Albian Ajeti.

Yann Sommer, Torhüter, Note 5.
Muss rasch zweimal hinter sich greifen. Danach hält er aber mehrfach stark.

Rot-Weiss dominiert am Länderspiel in Luzern

Gänsehaut-Stimmung in der Swisspor-Arena: Die Fans der Schweizer Nationalmannschaft sorgen für eine beeindruckende Atmosphäre. Auch die Anhänger der Belgier tragen ihren Teil dazu bei.
Raphael Gutzwiller