Wawrinka lässt Murray keine Chance

Stan Wawrinka meistert die vermeintlich hohe Starthürde am French Open souverän. Der Lausanner gewinnt das Duell der dreifachen Grand-Slam-Sieger gegen Andy Murray im Eilzugtempo 6:1, 6:3, 6:2.

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Andy Murray muss sich strecken - kein Leichtes mit der künstlichen Hüfte
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Stan Wawrinka diktiert das Geschehen nach Belieben

Andy Murray muss sich strecken - kein Leichtes mit der künstlichen Hüfte

KEYSTONE/AP/Christophe Ena
(sda)

Im «choc du jour», der Partie des Tages, zogen sich die ersten Games in die Länge. Das wars dann aber auch mit dem Schlagabtausch auf Augenhöhe. Nachdem Wawrinka nach mehrmaligem Deuce das Break zum 2:1 gelang, marschierte er gegen den Briten, dem im Frühjahr eine künstliche Hüfte eingesetzt wurde, zügig in die 2. Runde und zum neunten Sieg in der 21. Direktbegegnung.

Alle drei Sätze dauerten nur wenig länger als eine halbe Stunde, der Match insgesamt 97 Minuten. Ein Auftakt nach Mass für den French-Open-Sieger von 2015, bei dem man nach der langen Corona-Pause und der Startniederlage in Rom nicht wusste, wo er steht. «Ich bin sehr zufrieden mit meinem Niveau. Ich habe sehr gut gespielt und fühlte mich körperlich gut, und das bei diesen Bedingungen. Ich freue mich auf die kommenden Aufgaben», befand Wawrinka, der für gewöhnlich ein Langsamstarter ist.

Bei Kälte, Regen und Wind spielte Wawrinka auf dem fast leeren Court Philippe Chatrier formidabel. «Die 1000 Zuschauer taten gut. Für mich ist es ein grosser Unterschied, ob es 0 wie in Rom oder 1000 wie hier sind», schilderte der 35-Jährige. Die Partie ging bei offenem Dach und eingeschaltetem Flutlicht über die Bühne, und mit den von verschiedenen Seiten kritisierten neuen langsameren und trägeren Bällen bekundete Wawrinka keine Probleme. «Die Bedingungen waren schwierig, langsam. Aber im Wissen, dass ich auch mit diesen Bällen hart schlagen kann, fokussierte ich mich auf mein Spiel.»

Die Gegenwehr hielt sich aber auch in Grenzen. In verschiedenen Situationen offenbarte Murray, dass er nach dem grossen Einschnitt an der Hüfte läuferisch nicht mehr (oder noch nicht wieder) der Alte ist, der sich 2017 im verlorenen Halbfinal ein episches Duell mit Wawrinka geliefert hat. Die tiefen Temperaturen um zehn Grad waren für Murray sicherlich auch nicht förderlich. Der zweifache Olympiasieger spielte im ungewohnten Pariser Herbstklima wie viele andere mit langen Tights unter den Shorts. Wawrinka seinerseits zog sich bei den Seitenwechseln jeweils einer Trainerjacke über, um warm zu bleiben.

Der nächste Gegner des Schweizer Hoffnungsträgers ist der Deutsche Dominik Köpfer (ATP 66). Mit dem in Florida wohnhaften 26-jährigen Linkshänder, der sich in Rom nach überstandener Qualifikation erst im Viertelfinal von Novak Djokovic in drei Sätzen stoppen liess, hat sich Wawrinka noch nie duelliert. In der 1. Runde setzte sich Köpfer in vier Sätzen gegen den Franzosen Antoine Hoang durch.