Wieder Tränen bei Wendy Holdener – diesmal aus Freude

Wendy Holdener im Wechselbad der Gefühle: Am Sonntag in St. Moritz flossen nach dem Parallelslalom (20.) bei der Schwyzerin Tränen der Enttäuschung. Zwei Tage später in Courchevel - nach dem ersten Weltcup-Podestplatz im Riesenslalom - waren es solche der Freude.

Valentin Oetterli/ Keystone-SDA
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Das Podest beim Riesenslalom von Courchevel: Federica Brignone (Mitte) gewinnt Mina Fuerst Holtmann und Wendy Holdener.
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Die zweitklassierte Norwegerin Mina Holtmann (links) umarmt Siegerin Federica Brignone aus Italien
Wendy Holdener lächelt nach ihrem starken zweiten Lauf, welcher ihr zwischenzeitlich die Führung einbrachte
Lara Gut-Behrami fehlten weniger als drei Zehntel zum Vorstoss in die Top 10
Mikaela Shiffrin verpasste im Riesenslalom erstmals seit über dreieinhalb Jahren eine Top-10-Klassierung
Wendy Holdener in Courchevel auf dem Weg zu ihrem besten Karriere-Resultat in der Disziplin Riesenslalom

Das Podest beim Riesenslalom von Courchevel: Federica Brignone (Mitte) gewinnt Mina Fuerst Holtmann und Wendy Holdener.

Gabriele Facciotti / AP

Neun Jahre und fast zwei Monate sind es her, seit Wendy Holdener ihr Weltcup-Debüt gab. Im Oktober 2010 war das Rennen in Sölden nach dem ersten Lauf, in welchem sie mit über acht Sekunden Rückstand den 55. Rang belegte, für die Innerschweizerin beendet. Nur fünf Wochen später reichte es der damals 17-Jährigen im Slalom von Aspen mit Rang 18 bereits zu den ersten Punkten auf oberster Stufe. Doch im Gegensatz zu ihrer Spezialdisziplin, in welcher sie mittlerweile schon fast zwei Dutzend Mal auf dem Podest stand, stellte sich der Erfolg im Riesenslalom erst mit grosser Verzögerung ein. Zweimal war Holdener bislang Vierte geworden: im Februar in Maribor und Anfang Januar 2018 in Kranjska Gora.

Der 3. Platz in Courchevel, erst ihre elfte «Riesen»-Klassierung in den Top 10, konnte keinesfalls erwartet werden. Nach dem höchst enttäuschenden Abschneiden vom Sonntag habe sie sich «fertiggemacht», so Holdener. Doch zum Glück sei ihr nicht viel Zeit zum Überlegen geblieben, da noch am gleichen Abend die Sports Awards stattfanden. Da sammelte sie gleich wieder viele positive Eindrücke, «da ich einmal mehr gesehen habe, dass die Schweiz hinter mir steht».

Und nun bald der erste Slalomsieg?

Nicht minder wichtig war für die Schwyzerin das gute Riesenslalom-Training vom Montag. «Von da nahm ich das gute Gefühl und die nötige Lockerheit mit.» Die knappe Anreise nach Frankreich fiel danach nicht ins Gewicht. Das erste Riesenslalom-Podest sei «so cool», für sie sei «ein Traum wahr geworden», so Holdener, die damit eines ihrer zwei Topziele in diesem Winter ohne grosse Titelkämpfe abhaken kann. Das andere - für sie wohl noch wichtigere - Ziel kann die zweifache Kombinations-Weltmeisterin frühestens in zwölf Tagen erreichen. Dannzumal findet in Lienz der nächste Spezialslalom statt - ein Triumph in ihrer Lieblingsdisziplin blieb Holdener bislang noch verwehrt.

Eine wiederum solide Leistung in ihrer langjährigen Sorgendisziplin zeigte Lara Gut-Behrami. Die Tessinerin verpasste als 13. eine neuerliche Klassierung in den ersten zehn - Achte war sie in Sölden - nur um 25 Hundertstel. Mit Aline Danioth (27.), die mit der hohen Startnummer 60 und auf ramponierter Piste die Finalteilnahme schaffte, und Michelle Gisin (29.) konnten zwei weitere Swiss-Ski-Athletinnen punkten.

Brignone mit elftem Weltcup-Triumph

Im Gegensatz zu Sölden, wo sensationell die Neuseeländerin Alice Robinson gewonnen hatte, und Killington (mit der Italienerin Marta Bassino) gab es in Courchevel keinen Premierensieg. Mit Federica Brignone setzte sich vielmehr eine etablierte Fahrerin durch. Sie sei wirklich aggressiv gewesen und habe wirklich angegriffen, befand die Italienerin nach ihrem elften Weltcupsieg, dem sechsten im Riesenslalom.

Die Entscheidung zugunsten Brignones fiel mit vier Hundertsteln Vorsprung äusserst knapp. Bei der letzten Zwischenzeit hatte noch die zur Halbzeit überraschend führende Norwegerin Mina Holtmann um fast zwei Zehntel vorne gelegen. Doch die 24-Jährige freute sich trotz des knapp verpassten Sieges vorbehaltlos über ihren ersten Podestplatz überhaupt auf oberster Stufe. Diesen hatte Holtmann, eine ehemalige Junioren-Weltmeisterin in der Abfahrt (2015 in Hafjell), beim Saisonauftakt in Sölden als Vierte noch knapp verpasst.

Shiffrin so weit zurück wie zuletzt 2014

Mikaela Shiffrin erlebte eine Überraschung der negativen Art. Die Amerikanerin, die in den beiden Vorjahren die Riesenslaloms in Courchevel jeweils gewonnen hatte, verlor ohne ersichtlichen Fehler 1,65 Sekunden auf die Siegerin. Als 19. war Shiffrin im Riesenslalom so weit hinten klassiert wie nie mehr seit Anfang März 2014, als sie in Are gar nur 24. geworden war.

Dabei hatte die dreifache Gesamtweltcup-Siegerin durch ihren Startverzicht zum Parallelslalom in St. Moritz noch einen Tag mehr Vorbereitungszeit zur Verfügung als die meisten Konkurrentinnen. Shiffrin konnte sich den ungewohnten Rückschlag nicht erklären: «Es muss nicht immer etwas falsch laufen, wenn ich nicht gewinne. Die anderen Fahrerinnen sind auch schnell. Ich hingegen war einfach nicht schnell genug.»