Werder Bremen kämpft gegen den ersten Abstieg seit 40 Jahren

Werder Bremen befindet sich seit Monaten im Abstiegskampf der Bundesliga. Trotz Misserfolg und externer Kritik hält die Klubführung in der Krise unbeirrt an ihren Sport-Verantwortlichen fest.

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Florian Kohfeldt kämpft mit Werder Bremen gegen den Abstieg - es wäre der erste für Werder seit 40 Jahren

Florian Kohfeldt kämpft mit Werder Bremen gegen den Abstieg - es wäre der erste für Werder seit 40 Jahren

KEYSTONE/EPA/STUART FRANKLIN / POOL
(sda)

Nach drei Spielen mit sieben Punkten und ohne Gegentreffer endete das Bremer Zwischenhoch am Mittwoch gegen einen direkten Konkurrenten um den Verbleib in der Liga abrupt. Mit der 0:3-Heimpleite gegen Eintracht Frankfurt setzte Werder den mit der Wiederaufnahme der Saison in der Bundesliga eingesetzten allgemeinen Trend des Heimnachteils fort. In den 37 Spielen ohne Zuschauer seit dem 16. Mai gab es nur acht Heimsiege.

Werder holte seit Wiederbeginn in drei Heimspielen einen Punkt, im Gegensatz zu anderen Teams hat die Bremer Misere aber nichts mit dem Fehlen der Fans zu tun. Bereits vor dem Unterbruch der Saison wies der Tabellen-17. eine miserable Heimbilanz auf - trotz stets gut 40'000 Zuschauern und einer stimmungsvollen Atmosphäre im Weserstadion. Ein Sieg (gegen Augsburg) und sechs Punkte resultierten aus 14 Heimspielen, seit zwölf Partien sind die Hanseaten zuhause sieglos.

Auch die 30 geschossenen und die 62 erhaltenen Tore bedeuten den schlechtesten Wert in der Liga. Zwischen dem 13. und dem 27. Spieltag feierten die Bremer gerade einmal einen Sieg, seit Monaten stehen sie auf einem Abstiegsplatz. Es sind Zahlen des Grauens, weshalb Geschäftsführer Frank Baumann Anfang März im «Aktuellen Sportstudio» des ZDF von der «schlechtesten Saison der Vereinsgeschichte» sprach.

Doch während andere schon längst dem Aktionismus verfallen und den gängigen Mechanismen der Branche gefolgt wären, blieben die Werder-Verantwortlichen ruhig. Trotz Heimschwäche, latenter Abstiegsgefahr und harscher Kritik ehemaliger Grössen gab es keine personellen Konsequenzen. «Sie schauen tatenlos zu, wie das Schiff langsam sinkt», sagte der ehemalige Torhüter und Bremer Rekordspieler Dieter Burdenski in einem Interview mit dem «Weser-Kurier» nach dem 1:4 beim Wiederbeginn gegen Bayer Leverkusen.

Ruhe und Beständigkeit als Stärke

Werders Aufsichtsratsvorsitzender Marco Bode hatte sich schon früh in der Saison in der Öffentlichkeit hinter Geschäftsführer Baumann und Trainer Florian Kohfeldt gestellt. Baumann sagte im Februar unmittelbar vor dem Heimsieg im Cup gegen Borussia Dortmund, einem der wenigen Glanzlichter der Saison: «Wenn wir absteigen, dann gemeinsam. Florian (Kohfeldt), Marco (Bode) und ich. Die Frage stellt sich aber nicht: Wir bleiben erstklassig.»

Sowohl Bode als auch Baumann verkörpern die DNA des Vereins, der mit Ausnahme einer Saison (1980/81) immer der Bundesliga angehört hat. Beide verbrachten die ganze (Bode) oder den Grossteil (Baumann) ihrer Spielerkarrieren in Bremen. Sie stehen für das, was der 1899 gegründete Verein in der über die Jahrzehnte immer schriller, lauter und hektischer werdenden Bundesliga oft ausgezeichnet hat: Vereinstreue, Konstanz - und auch Erfolg.

Bode war als Spieler Teil der Ära von Otto Rehhagel, der Werder von 1981 bis 1995 trainierte und Bremen zum ersten Herausforderer von Bayern München machte. Höhepunkt neben den Meistertiteln 1988 und 1993 war der Sieg im Europacup der Cupsieger 1992 dank einem 2:0 im Final gegen die AS Monaco. Baumann war ein Eckpfeiler in der Ära von Trainer Thomas Schaaf, die ebenfalls 14 Jahre dauerte und den Bremern den bislang letzten Meistertitel (2004) und den letzten Pokalsieg (2009) bescherte.

Auch Kohfeldt ist ein Bremer Eigengewächs, auch wenn er in Nordrhein-Westfalen geboren und in Niedersachsen aufgewachsen ist. Zu einer Profi-Karriere als Spieler reichte es dem 37-Jährigen nicht. Er studierte in Bremen Sport- und Gesundheitswissenschaften und durchlief als Trainer die Jugendabteilung Werders, ehe er im Herbst 2017 die Verantwortung für die 1. Mannschaft übernahm. Kohfeldt stabilisierte diese und führte sie in der Saison 2018/19 mit spektakulärem Fussball auf Platz 8 - ehe nach dem Abgang von Max Kruse im Sommer der Absturz folgte.

Von der anhaltenden Krise lässt sich Kohfeldt nicht unterkriegen. «Ich bin nach wie vor der Beste auf dieser Position», sagte er nach dem Fehlstart beim Restart gegen Leverkusen, ehe er mit seiner Mannschaft zu einem Zwischenspurt ansetzte. Und auch nach dem 0:3 gegen Frankfurt liess er den Kopf nicht hängen: «Das ist ein Rückschlag, aber kein K.o.-Schlag.» Das Vertrauen seiner Chefs hat er. Bis zum bitteren Ende.