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«Wir werden noch im Schaukelstuhl darüber sprechen»

Heute vor genau zehn Jahren schreiben Roger Federer und Rafael Nadal Sportgeschichte. Im Wimbledonfinal spielen sie den für viele besten Tennismatch aller Zeiten.
Ein Bild für die Ewigkeit: Auf dem schon sehr dunklen Centre Court von Wimbledon gratuliert Roger Federer (re.) Rafael Nadal zum Sieg (Bild: KEYSTONE/AP/ANJA NIEDRINGHAUS)

Ein Bild für die Ewigkeit: Auf dem schon sehr dunklen Centre Court von Wimbledon gratuliert Roger Federer (re.) Rafael Nadal zum Sieg (Bild: KEYSTONE/AP/ANJA NIEDRINGHAUS)

(sda)

Tiebreak im 4. Satz. Matchball Nadal - und Federer spielt den besten Rückhand-Passierball des gesamten Turniers. Drei Minuten später hat er den Final ausgeglichen, der sechste Wimbledontitel in Folge ist immer noch möglich. Es sind Bilder wie dieses, die im Kopf jedes Sportfans haften geblieben sind. Erst dieser Final machte aus der in der Tennisszene bereits grossen Rivalität zwischen den beiden Stars eine der weltweit meistbeachteten Sportgeschichten überhaupt. Federer und Nadal liessen die relativ kleine Welt des Tenniszirkus hinter sich. Erstaunlich: Auch zehn Jahre später sind die beiden immer noch - oder wieder - die Nummern 1 und 2 der Welt.

Stoff für einen Film

Die Partie hatte alles, was ein Klassiker braucht. Drama mit zwei Regenunterbrechungen, fantastisches Tennis, ein Favorit, der sich nach klarem Rückstand zurückkämpft und schliesslich der Underdog, der bei einbrechender Dunkelheit endlich den Titel holt, von dem er schon als Kind geträumt hatte. Es ist jetzt sogar Stoff für einen 98-minütigen Film des amerikanischen «Tennis Channel».

«Ich denke sonst nie, ich gewinne, aber bei diesem Matchball habe ich gedacht: Das ist es, ich gewinne Wimbledon», erzählt Nadal im Film. Es war es noch nicht. «Das war das schlimmste Gefühl, das ich je auf einem Tennisplatz hatte.» Um 19.53 Uhr Lokalzeit - beim Stand von 2:2 im 5. Satz - setzt nochmals Regen ein, das Ende am gleichen Abend scheint kaum noch möglich. Dan Bloxham, der Headcoach des organisierenden All England Lawn Tennis and Croquet Clubs und der Mann, der die Spieler im Final jeweils auf den Centre Court führt, wartet dennoch mit den Spielern in der Garderobe. Das ist nicht Fussball, die Kontrahenten auf dem Platz teilen sich den selben Raum.

Um 20.23 Uhr erfolgt der Ruf zur Fortsetzung. Als Bloxham mit den Spielern zurückkommt, sind die Helfer erst gerade daran, das Netz wieder zu installieren. Man verliert diesmal keine Sekunde. Nach menschlichem Ermessen bleibt noch etwa eine halbe Stunde genügend Tageslicht. Es ist dann aber zehn nach neun, als Nadal das erste Break des 5. Satzes zum 8:7 gelingt. Die Leute vor dem Fernseher können nicht ahnen, wie dunkel es schon ist, erst Bilder von der Siegerehrung mit dem Blitzlicht der Fotografen machen klar, dass kaum eine Minute länger hätte gespielt werden können. Bei 8:8 wäre die Fortsetzung auf Montag verschoben worden. Es wäre irgendwie ein unbefriedigendes Ende gewesen - ausser vielleicht für Federer.

«Das ist wahrscheinlich meine härteste Niederlage», sagte der damals 26-jährige Schweizer - und sieht das noch heute so. Aber er weiss mittlerweile auch den Wert dieser Niederlage einzuschätzen. «Ich brauchte ein paar Wochen, um zu realisieren, dass es ein grossartiges Spiel war. Und die Niederlage machte mich vielleicht irgendwie menschlicher.» Tatsächlich bekamen die Tennisfans Qualitäten des «Mr. Perfect» zu sehen, die er in den Jahren zuvor kaum je gebraucht hatte: Kampfgeist, Entschlossenheit und der Wille, nie aufzugeben.

«Ich werde nicht verlieren»

Für Nadal wäre eine Niederlage allerdings wohl noch bitterer gewesen. Er hatte bereits im Jahr zuvor in fünf Sätzen gegen Federer verloren, obwohl er eher der bessere Spieler gewesen war. In der Nacht darauf weinte er bittere Tränen, wie er in seiner Autobiographie gestand. «Ich dachte, das war vielleicht meine letzte Chance, Wimbledon zu gewinnen.» Im Gegensatz zu vielen Spaniern hatte er als Bub nicht nur das Sandmekka Roland Garros im Blickfeld. «Ich träume davon, Wimbledon zu gewinnen», sagt ein Nadal im Teenager-Alter im Film «Strokes of Genius» (Geniestreiche).

Es ist allerdings anzunehmen, dass sich Nadal auch von einem weiteren Rückschlag nicht hätte entmutigen lassen. Toni Nadal, sein Coach und Onkel, erinnert sich, dass er dachte, er müsse seinen Schützling beim zweiten Regenunterbruch aufmuntern. Weit gefehlt. Im Film erklärt Rafael Nadal seine Gemütslage: «Ich sagte zu Toni: Ich werde dieses Spiel nicht verlieren. Es kann sein, dass Roger gewinnt. Aber es wird nicht sein, weil ich verliere.»

Dieses Spiel, zusammen mit vielen anderen, hat Federer und Nadal zusammengeschweisst. «Ich glaube, wir werden in vielen Jahren noch im Schaukelstuhl davon erzählen.» Vor allem machte diese Rivalität beide Spieler besser. Oder wie es Federers Fitnesscoach und langjährige Mentor Pierre Paganini sagt: «Roger ist ein Artist, der auch kämpfen kann. Und Nadal ist ein Fighter, der auch ein Künstler sein kann.»

Nie wurde dies deutlicher als an diesem Nachmittag und Abend des 6. Juli 2008 in Wimbledon. Selbst John McEnroe, sonst nie um einen Spruch verlegen, fehlten für einmal die Worte. «Dieses Spiel spricht für sich selbst, da muss man nichts mehr sagen», meinte der dreifache Wimbledonsieger als Kommentator des amerikanischen TV-Senders ESPN. Und er prophezeite: «Von diesem Spiel wird man in zehn Jahren noch reden.» Tut man. Und: «Ich glaube nicht, dass es in den nächsten 50 Jahren ein besseres Spiel geben wird.» Auch da wagt ihm keiner zu widersprechen.

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