WM-Start und Tour-Ende überschneiden sich

Der Radsport-Weltverband UCI muss wegen der Corona-Krise praktisch den ganzen Saison-Kalender über den Haufen werfen. Am Termin der Strassen-WM in Aigle/Martigny (20.-27. September) hält er aber fest.

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Grégory Devaud ist Co-Präsident des Organisationskomitees der Strassen-WM 2020 in Aigle/Martigny

Grégory Devaud ist Co-Präsident des Organisationskomitees der Strassen-WM 2020 in Aigle/Martigny

Keystone/JEAN-CHRISTOPHE BOTT
(sda)

«Die Termine und das Programm wurden bestätigt», sagte Grégory Devaud, der Co-Präsident des Organisationskomitees. «Das bedeutet, dass das Elite-Zeitfahren der Männer am Sonntag, 20. September, dem ersten Wettkampftag, stattfinden wird.» Damit steht das WM-Einzelzeitfahren in direkter Konkurrenz zur letzten Etappe der Tour de France auf der Pariser Champs-Elysées, was nicht optimal ist. «Natürlich hätten wir in einer idealen Welt gerne das Zeitfahren verschoben», fügt Devaud an. Es sei aber nicht wirklich einfach gewesen, das Programm zu ändern.

Stefan Küng gehört zu jenen Fahrern, die von diesem Entscheid direkt betroffen sind. Der Thurgauer wird mit grosser Wahrscheinlichkeit mit seinem Team Groupama-FDJ die Tour de France bestreiten. Trotzdem bleibt das WM-Zeitfahren in seiner Heimat für ihn ein grosses Ziel. Der Thurgauer muss deshalb Kompromisse eingehen. Ein wahrscheinliches Szenario ist deshalb, früher aus der Frankreich-Rundfahrt auszusteigen. «Um bei einer WM vorne mitfahren zu können, muss alles hundert Prozent stimmen. Dazu gehört auch die Erholung», bestätigt der letztjährige WM-Dritte im Strassenrennen.

Wie viele andere steht auch das WM-Organisationskomitee vor einer ungewissen Zukunft. Derzeit ist es schwierig abzuschätzen, wie sich die Corona-Pandemie bis Mitte September entwickeln wird. «Was wird zum Beispiel mit den amerikanischen Fahrern geschehen?», fragt OK-Präsident Devaud. «Können Athleten aus Ländern, die noch vom Virus betroffen sind, ohne Quarantäne-Zeit in die Schweiz reisen? Es gibt noch viele Unbekannte.»

In der Schweiz sind Veranstaltungen mit mehr als tausend Personen bis Ende August verboten, was den Organisatoren wenig Spielraum lässt. Der Gemeinderat von Aigle will deshalb bis Ende Juni entscheiden, ob die Weltmeisterschaften wie geplant durchgeführt werden können oder nicht. Eine WM ohne Zuschauer schliesst Devaud kategorisch aus: «Die Weltmeisterschaften sind ein Fest des Radsports.»