YB spielt in Glasgow ums europäische Überwintern

Die Young Boys stehen in der Europa League vor einer Mammut-Aufgabe. Für den Vorstoss in die K.o.-Phase benötigen sie am Donnerstag einen Sieg bei den Glasgow Rangers.

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Für das Team von YB-Trainer Gerardo Seoane wartet bei den Glasgow Rangers ein Härtetest

Für das Team von YB-Trainer Gerardo Seoane wartet bei den Glasgow Rangers ein Härtetest

KEYSTONE/EPA/ROBERT PERRY
(sda)

Es erwartet sie ein Härtetest vor 50'000 Fans, gegen beinharte Schotten, bei Wind und Wetter.

Als der Charterflug der Young Boys am Mittwochnachmittag in Glasgow zur Landung ansetzte, blitzte für einen Moment die Sonne durch. Wenig später peitschte der Regen in einer Heftigkeit an die Hotelfenster, als wolle Petrus den Schweizer Meister darauf hinweisen, dass der dreitägige Schottland-Abstecher ein ziemlich unbequemer werden dürfte. Auch für den Donnerstagabend sind bei Temperaturen unweit der Nullgradgrenze Regengüsse und Wind prognostiziert.

Die Aufgabe der Young Boys ist delikat. Bei den erstarkten Glasgow Rangers sind sie vor deren berüchtigtem Heimpublikum zum Siegen verdammt (sofern Feyenoord Rotterdam im Parallelspiel beim FC Porto kein überraschender Sieg gelingt). Drei Punkte trennt die vier Teams in der ausgeglichenen Gruppe G, einen Zähler liegen die drittplatzierten und mit Porto punktgleichen Young Boys hinter Leader Glasgow. Nur zwei kommen dahin, wo YB letztmals Anfang 2015 war: in die Sechzehntelfinals der Europa League.

Glasgows Heimstärke

Personell arg gebeutelt, muss YB am Donnerstag bei einem Klub bestehen, der schon manchen Gegner im heimischen Stadion das Fürchten gelehrt hat. Bei der vom berühmten Trainer Steven Gerrard wieder nahe an Celtic herangeführten Mannschaft, die sich in dieser Saison vor eigenem Anhang einzig dem Lokalrivalen geschlagen geben musste und die zuletzt auch kaum mehr Gegentore zugelassen hat. Zwei waren es in acht Spielen seit dem 0:2 gegen Celtic am 1. September. Für die Buchmacher ist YB darum der ziemlich klare Aussenseiter.

«Eine grosse Prüfung» sie es für seine junge Mannschaft, meinte Gerardo Seoane vor dem Abflug mit Verweis auf die Heimstärke der «Gers». Sonderlich angespannt wirkten aber weder Trainer noch Spieler. Vielmehr überwog die Vorfreude, vor allem bei Christian Fassnacht, dem Matchwinner zum 2:1 in der 93. Minute im ersten Duell Anfang Oktober in Bern: «Das wird ein grandioses Spiel. Es geht um alles oder nichts, und wir sind heiss. Wir wollen unbedingt europäisch überwintern.»

Dass die Young Boys in Glasgow ähnlich fahrlässig agieren wie in den letzten Wochen wiederholt in der Meisterschaft, davon ist nicht auszugehen. Jedenfalls wirkten die Spieler geläutert. «Viel zu viele Tore» hätten sie bekommen, meinte Fassnacht. Das grosse Selbstvertrauen habe dazu verleitet zu glauben, dass es schon irgendwie gutginge.

Hinten nicht ganz dicht

Zwölf Gegentore in vier Ligapartien waren es an der Zahl. «YB nicht ganz dicht» lautete die Schlagzeile. Nur dank der Offensivstärke hielt sich der Schaden in Grenzen. Nach wie vor führen die Young Boys die Tabelle der Super League an, und in der Europa League können sie trotz fünf Punktverlusten im November noch aufs Weiterkommen hoffen - zumal die Rangers nach dem bitter verlorenen Ligacup-Final am Wochenende gegen Celtic (0:1) durch ein Abseitstor und einen verschossenen Penalty womöglich noch geknickt sind.

Nach wie vor ohne eine Handvoll designierter Stammspieler dürfen sich die Berner gegen die Rangers mit dem brandgefährlichen und heissspornigen Mittelstürmer Alfredo Morelos keine weiteren Unachtsamkeiten leisten. «Wenn wir defensiv nicht extrem solide stehen, gehen wir unter. Sie werden kommen wie die Feuerwehr, und wir müssen mit allen Mitteln dagegenhalten», mahnte Fassnacht. Auch Seoane appellierte an die Einsatzbereitschaft: «Es wird ein intensives Spiel mit vielen Duellen und Zweikämpfen. Diese müssen wir zwingend annehmen.»