Zinédine Zidane führte Real pragmatisch zum Titel

Die Spieler werfen ihn in die Luft, Madrid erhebt ihn zum König und deckt ihn mit Lobreden ein. Man könnte übersehen, dass Coach Zinédine Zidane Real Madrid auf eher nüchterne Weise zum Titel führte.

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Gefeiert wie der König von Madrid: Zinédine Zidane nach dem Titelgewinn mit Real

Gefeiert wie der König von Madrid: Zinédine Zidane nach dem Titelgewinn mit Real

KEYSTONE/EPA/Rodrigo Jimenez
(sda)

Zinédine Zidane gehört zu den Trainern von Weltruf, die als Spieler offensive Ballkünstler waren, die aber auf der Bank den Sinn und den Wert einer gefestigten Defensive kennen und berücksichtigen. Bei den zehn Spielen und Siegen nach der Wiederaufnahme Mitte Juni setzte Zidane auf eine nahezu unveränderte Viererabwehr, eine starke Betonmischer-Crew, mit Daniel Carvajal, Raphaël Varane, dem unverwüstlichen Sergio Ramos und Ferland Mendy. Gerade der 25-jährige Linksverteidiger Mendy, letzten Sommer für 50 Millionen Franken aus Lyon verpflichtet, erweist sich immer mehr als grosser Gewinn.

Schon in den 27 Runden vor der Coronavirus-Pause war Real Madrids Defensive mit 0,7 Gegentoren pro Match solid. Aber in den letzten Wochen war sie schier unüberwindbar. In den letzten zehn Spielen liessen die Madrilenen nur vier Gegentore zu, so gut wie nichts. Mit dieser Stärke konnte Real es sich leisten, 13 Tore weniger zu erzielen als der FC Barcelona (68 gegenüber 81) und trotzdem frühzeitig den 34. Meistertitel der Vereinsgeschichte einzufahren.

Zidane hatte auch damit Erfolg, dass er Spielern das Vertrauen gab, die schon in Zidanes erster Amtszeit von 2016 bis 2018 (zwei Champions-League-Triumphe, ein Meistertitel) Leistungsträger waren. Zu ihnen zählt der 32-jährige Stürmer Karim Benzema. In der laufenden Saison erzielte der Franzose 21 Tore in der Meisterschaft, nur eines weniger als Barcelonas Lionel Messi.

Wende auch gegen Manchester City?

Auch in der Champions League hat Zidane noch die Möglichkeit, das Steuer herumzureissen. Der Achtelfinal zwischen Real und Manchester City ist eingefroren. Die Spanier verloren das Hinspiel im Bernabeu am 26. Februar 1:2. Damals war Real auch in der Meisterschaft noch Zweiter, hinter dem Erzrivalen Barcelona. Selbst das letzte Meisterschaftsspiel vor dem langen Unterbruch infolge des Coronavirus verlor Real noch (1:2 beim bescheidenen Betis Sevilla). Die bemerkenswerte Serie von zehn Siegen begann im Juni.

Die Ergebnisse im Schlussspurt mit englischen Wochen lassen vermuten, dass die «Königlichen» die Zwangspause besser verkraftet und genutzt haben als die gesamte Konkurrenz, eventuell auch besser als Manchester City. Wir werden es am Freitag, 7. August, im Rückspiel in Manchester sehen.