ZSC-Meistertrainer Hans Kossmann am Tabellenende

Vor knapp einem Jahr startet Hans Kossmann mit den ZSC Lions das grosse Playoff-Märchen, das im Gewinn des Meistertitels gipfelt. Nun coacht er in der DEL die Wolfsburg Grizzlys - mit mässigem Erfolg.

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Hans Kossmann zu seinem Engagement in der DEL: «Ich bereue nichts. Ich wollte noch etwas anderes sehen.» (Bild: KEYSTONE/TI-PRESS/PABLO GIANINAZZI)

Hans Kossmann zu seinem Engagement in der DEL: «Ich bereue nichts. Ich wollte noch etwas anderes sehen.» (Bild: KEYSTONE/TI-PRESS/PABLO GIANINAZZI)

(sda)

Als Hans Kossmann nach Weihnachten 2017 bei den ZSC Lions als Nothelfer einsprang, konnte niemand erahnen, dass er Monate später die Zürcher von Qualifikations-Platz 7 aus zum neunten Meistertitel der Klubgeschichte führen würde. Danach war für den Meistertrainer allerdings Schluss. Kossmanns Vertrag mit dem ZSC lief nur bis Ende Saison, weil sein Nachfolger Serge Aubin bereits in den Startlöchern stand. Mittlerweile wurde Aubin durch Arno Del Curto ersetzt, doch auch unter der Schweizer Trainer-Koryphäe kommt der «Zett» nicht richtig in die Gänge und muss um die Playoff-Teilnahme zittern.

Auch Kossmann hat mittlerweile wieder einen neuen Trainerjob gefunden. Seit letztem Oktober coacht der 56-Jährige die bescheidenen Grizzlys aus Wolfsburg, die in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) derzeit den 13. Rang unter 14 Teams belegen. Auch wenn in der Qualifikation noch sieben Partien ausstehen, weiss Kossmann, dass die Playoffs ohne seine Mannschaft über die Bühne gehen werden. «Es fehlt definitiv an Talent in diesem Team. Wir haben zehnmal die Verlängerung erreicht, daraus resultierte nur einmal ein Zusatzpunkt. Mit vier, fünf Punkten mehr wären wir noch im Rennen um die letzten Playoff-Plätze», sagt der gebürtige Kanadier, dessen Vater einst von Schaffhausen nach Nordamerika ausgewandert war.

Interessante Erfahrungen

Trotz der bescheidenen sportlichen Situation wertet der ehemalige Headcoach von Fribourg-Gottéron und Ambri-Piotta sein erstes Trainer-Engagement ausserhalb der Schweiz als interessantes Erlebnis. «Als man mich angefragt hat, um die Mannschaft zu übernehmen, habe nicht auf deren Wert geschaut. Ich habe ohne Zweifel gedacht, sie sei etwas stärker. Aber ich bereue nichts. Ich wollte noch etwas anderes sehen.»

Kossmann folgte in Wolfsburg auf den früheren Kloten-Trainer Pekka Tirkkonen, der einen verheerenden Saisonstart hingelegt hatte. Unter dem Finnen holten die Grizzlys aus den ersten 13 Spielen lediglich neun Punkte. Doch auch Kossmann konnte die Dinge in Wolfsburg nicht wirklich zurechtrücken.

«Wenn wir die letzten vier Spiele gegen die Topklubs Düsseldorf, München, Köln und Ingolstadt betrachten, gab jeweils erst ein später Treffer (ins leere Tor) den Ausschlag». Zuletzt sorgte ein entscheidendes Gegentor der Wolfsburger bei der 5:7-Niederlage gegen Ingolstadt landesweit für Schlagzeilen. Vom «kuriosesten Treffer in die Geschichte der DEL» oder dem «Tor des Jahrhunderts» war in den deutschen Medien zu lesen. Was war passiert? Ingolstadts amerikanischer Stürmer Brett Olson wollte den Puck viereinhalb Minuten vor Schluss eigentlich nur aus der eigenen Zone befördern. Aber der Befreiungsschlag wurde zur Baseball-Bogenlampe, die sich hinter Wolfsburgs Keeper Jerry Kuhn ins Tor senkte. Völlig überrumpelt musste dieser den Treffer zum 5:6 hinnehmen.

Hervorragende Infrastruktur

Trotz sportlich mässigem Erfolg, Kossmann geniesst es, in einer Meisterschaft zu spielen, in der das Niveau gut und die Infrastruktur in den meisten Fällen hervorragend ist. «Die Eishallen haben einigen in der Schweiz etwas voraus. Köln, Mannheim, Berlin oder München haben grossartige Stadien. Bei uns in Wolfsburg ist es etwas bescheidener, wir spielen vor 3000 Zuschauern.»

Um den Ligaerhalt muss sich Kossmann keine Sorgen machen, weil es in der DEL keinen Absteiger gibt. «Aber er wird in drei Saisons wieder eingeführt, weil es Klubs gibt, die gerne in die DEL zurückkehren würden, wie Frankfurt», so Kossmann.

Wie hoch ist das Niveau im Land der Olympia-Silbermedaillengewinner von Pyeongchang 2018? «Ich finde es gut. Es gibt nicht viele einfache Spiele. Wir können neun ausländische Spieler einsetzen. Oft sind es Nordamerikaner. Zusammen mit den Deutschen ergibt das einen sehr kämpferischen Geist.»

Am 3. März steht für Kossmann mit den Wolfsburgern das letzte Spiel der Qualifikation im Programm. Und was bringt die Zukunft? «Bis jetzt habe ich noch keinen Entscheid getroffen. Es gibt die Möglichkeit, in Wolfsburg zu bleiben, aber ich werde erst am Ende der Saison entscheiden. Ich behalte auch die Schweiz im Auge.»

Telefonat mit dem ZSC-Sportchef

Auf die Frage, ob er angesprochen worden sei, um den Platz von Serge Aubin bei den ZSC Lions zu übernehmen, sagt Kossmann: «Ich hatte ein Gespräch mit Sven Leuenberger, dem Sportchef, aber ich habe hier einen Vertrag, also ging es nie weiter.»