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Zwei Tormaschinen unter sich

Real Madrid gegen den FC Liverpool. Cristiano Ronaldo gegen Mohamed Salah. Der Champions-League-Final am Samstagabend ist auch das Duell der beiden Superstars.
Hannah Kluwe und Carsten Meyer
Spektakel dürfte garantiert sein: Cristiano Ronaldo und Mohamed Salah. (Bilder: Rodrigo Jimenez, Peter Powell/EPA)

Spektakel dürfte garantiert sein: Cristiano Ronaldo und Mohamed Salah. (Bilder: Rodrigo Jimenez, Peter Powell/EPA)

Wenn Cristiano Ronaldo das Wort ergreift, ist das immer ein wenig so, wie wenn er den Ball am Fuss hat. Man weiss nie genau, was als Nächstes passiert. Anfang der Woche hatte der 33-Jährige ganz entspannt mit den Reportern über den anstehenden Champions-League-Final geplaudert, da wurde er plötzlich nachdenklich und erklärte mit ernster Miene: «Die Gegenwart ist die Zukunft. Und die Gegenwart ist jetzt.»

Einige Journalisten schauten, als sei Aristoteles persönlich vom Himmel hinabgestiegen. Was Ronaldo ihnen damit wohl sagen wollte: Das nächste Spiel ist immer das Wichtigste. Vor allem, wenn das nächste Spiel ein Champions-League-Final ist. «Wir sind total heiss auf diese Partie», sagt Ronaldo. Er mag ja diese Duelle. Wenn es nicht nur um Titel geht – sondern auch um seinen Platz in der Geschichte. Für ihn ist es der sechste Final, viermal triumphierte er. Und er hat noch lange nicht genug. Zumal er heute nicht nur auf den FC Liverpool trifft, sondern auch auf Mohamed Salah. Der Stürmer der Engländer ballert in dieser Saison alles kurz und klein. Und der eine oder andere Experte erahnt schon eine Superstar-Wachablösung am Horizont.

Doch ausgerechnet Salahs Trainer Jürgen Klopp tritt als Meinungsführer der Opposition auf: «Mohamed spielt eine fantastische Saison. Aber Cristiano Ronaldo spielt bereits seit 15 Jahren auf diesem Niveau. Er hat um die 47 000 Tore erzielt. Also warum sollte man die beiden vergleichen?» Nun ist es zur Einordnung der Trefferzahl wichtig zu wissen, dass Klopp gelegentlich zu Übertreibungen neigt.

Aber in der Tat ist das Zahlenwerk Ronaldos beeindruckend. In 152 Champions-League-Partien erzielte der Portugiese 120 Treffer und bereitete 43 weitere vor. Noch entscheidender ist aber ein anderes Merkmal: Ronaldo trifft auch dann, wenn es wichtig ist. Das unterscheidet ihn von seinem grossen Rivalen Lionel Messi. Der Argentinier scheiterte in den letzten fünf Jahren mit dem FC Barcelona viermal im Viertelfinal. Messi erzielte in diesen vier Duellen keinen einzigen Treffer. Ronaldo jubelte alleine in den vergangenen zwei Viertelfinal-Duellen achtmal. Sein früherer Mitspieler James (jetzt Bayern München) kam deshalb zum naheliegenden Schluss: «Er ist eine Tormaschine.»

Das ist alleine deshalb schon erstaunlich, weil man im heutigen Fussball mit 33 Jahren schon ein Methusalem ist. Auch wenn Ronaldo selbst die Sache mit dem Alter noch mal zur Diskussion stellen wollte. «Biologisch», teilte er mit, «bin ich 23 Jahre alt.»

Sein Trainer Zinedine Zidane kam trotzdem auf die Idee, Ronaldos Spiel ein wenig zu verändern. Früher kam der Portugiese mit Karacho über den Flügel, verwirrte die gegnerischen Verteidiger mit 28 Übersteigern im höchsten Tempo und knallte den Ball in den Winkel. Das mit dem Winkel macht er auch heute noch. Aber die Übersteiger lässt er nun recht häufig weg. Er agiert jetzt im Sturmzentrum, wo es oft nur ein, zwei Kontakte zum Erfolg braucht. Was hingegen gleich geblieben ist, ist die Grösse seines Egos. Ronaldo sagt: «Ich sehe niemanden, der besser ist als ich.» Das kann er heute Abend mal wieder beweisen.

Mohamed Salah

So fangen eigentlich keine grossen Karrieren an. Mohamed «Mo» Salahs Bilanz beim FC Chelsea war grausam: 19 Einsätze, zwei Treffer, vier Vorlagen – in einem Jahr. Drei Jahre später ist er Englands Fussballer des Jahres. In dieser Saison stehen 51 Spiele, 44 Tore und 16 Assists zu Buche. Was für eine Entwicklung! Beim Oligarchen-Verein wurde der Ägypter von José Mourinho trainiert, Spitzname «The Special One». An der Anfield Road dagegen hat er es mit «The Normal One» zu tun, mit Jürgen Klopp. Das scheint besser zu passen.

Denn Salah ist wohl der Normalste unter den sonst so schillernden Stars des Fussballs. Das geht schon bei den Äusserlichkeiten los. «Ich habe keine Tattoos, trage immer dieselbe Frisur, kann nicht tanzen. Ich will nur Fussball spielen», so der 25-Jährige. In Interviews gibt er sich mehr als bescheiden. Lob über seine hervorragenden Leistungen kontert er ohne Koketterie: «Ich glaube, ich stelle mich ganz gut an.» Auch Eitelkeiten scheinen ihm fremd. Er stellt stets das Team in den Mittelpunkt. Doch ob er will oder nicht: Mo Salah ist der Star der Stunde. Das liegt an seinen Leistungen auf – aber auch abseits des Platzes.

Die Berichte über seine Wohltaten sind kaum zu zählen. Eine Auswahl: Da ist die Geschichte von dem leukämiekranken Jungen, an dessen Krankenhaus er knapp 600 000 Franken spendete. Es gibt zahlreiche Sportplätze, Schulen und Museen, an deren Bau oder Renovierung Salah sich beteiligte. Nachdem er die ägyptische Nationalmannschaft zur WM 2018 geschossen hatte, wollte ihm ein Unternehmer eine Villa schenken. Salah lehnte ab – bat lieber um eine Spende für sein Heimatdorf. Und die beeindruckendste Geschichte kommt erst noch: Einen Mann, der in das Haus seiner Eltern eingebrochen war, bewahrte Salah vor der Haft. Er unterstützte ihn stattdessen finanziell. Namenschöpfungen wie «Mohamed Teresa» scheinen nicht übertrieben.

Nicht nur in der Kategorie Karma sammelt Salah fleissig Punkte, ebenso emsig zeigt er sich im Einheimsen von Auszeichnungen und Rekorden. Afrikas Fussballer des Jahres. Englands Fussballer des Jahres. Zehn Champions-League-Treffer – so viele wie kein Afrikaner vor ihm. Liga-Torschützenkönig. Und so weiter. Steven Gerrard findet: «Er ist momentan der beste Spieler des Planeten.» Mit dieser Einschätzung ist die Liverpool-Legende nicht alleine.

Und was ging Jürgen Klopp durch den Kopf, als er Salah das erste Mal kicken sah? «What the F...? Es war unglaublich.» Damals spielte Salah mit dem FC Basel in einem Testspiel gegen Dortmund. Einen «All-inclusive-Fussballer» nennt der Coach seinen Schützling gerne. Und in der Tat: Der Linksfuss ist pfeilschnell, schiesst spektakuläre Tore, kann dribbeln wie Messi, ist kaltschnäuzig vor dem Tor, seine Standards sind eine Waffe.

Kurzum: Als Fussballer und Mensch wandelt Salah an der Grenze zur Perfektion. Er wird sogar Zweiter bei einer Wahl, an der er gar nicht teilnimmt. Als die Ägypter im Frühjahr ihren Präsidenten wählten, machten rund fünf Prozent ihre Stimmzettel ungültig – indem sie für Salah votierten. Das Wort Volksheld ist für ihn fast zu klein. Kaum auszudenken, was geschieht, wenn er nun die Champions League gewinnt.

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