Aryzta baut Produktion in Dagmersellen aus

Der Backwaren-Konzern Aryzta hat in dem Ende Juli abgeschlossenen Geschäftsjahr 2017/18 einen veritablen Einbruch erlitten. Doch für den Luzerner Standort gibt es gute Nachrichten.

Drucken
Teilen
Der Backwarenkonzern Aryzta hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18 sowohl beim Umsatz wie beim Gewinn einen Rückgang hinnehmen müssen. (Bild: KEYSTONE/GAETAN BALLY)

Der Backwarenkonzern Aryzta hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18 sowohl beim Umsatz wie beim Gewinn einen Rückgang hinnehmen müssen. (Bild: KEYSTONE/GAETAN BALLY)

Der Backwarenhersteller Aryzta hat die Produktion am Standort Dagmersellen LU ausgebaut. Die irisch-schweizerische Firma hat am Montag eine neue Produktionslinie eröffnet. Sie dient der Produktion neuer Hiestand-Charakterbrote, teilte das Unternehmen mit. Pro Schicht seien rund 16 Mitarbeiter für den Herstellungsprozess zuständig, heisst es weiter. Aryzta verfüge damit neu über sieben Produktionslinien in der Schweiz. Fünf befinden sich in Dagmersellen, zwei in Schlieren ZH.

Dabei handelt es sich um die Standorte des früheren Tiefkühlgipfeli-Herstellers Hiestand. 2008 fusionierte Hiestand mit der irischen IAWS. Die neue Gruppe, die Aryzta AG, beschäftigt fast 19'000 Mitarbeitende.

Butterpreis und Arbeitskosten belasten

Der internationale Grosskonzern kämpft heute vor allem in den USA mit Problemen. Für den seit einiger Zeit in der Krise steckenden Backwaren-Konzern war das Geschäftsjahr 2017/18 gar kein Gutes. Der Umsatz in dem per Ende Juli abgeschlossenen Geschäftsjahr ging um 9,5 Prozent auf 3,44 Milliarden Euro zurück, wie das irisch-schweizerische Unternehmen am Montag mitteilte. Für den Rückgang waren neben Devestitionen vor allem das Nordamerikageschäft verantwortlich. Dort ging der Umsatz um rund 18 Prozent zurückging. Organisch nahm der Umsatz nur um 1,2 Prozent ab, womit sich das Geschäft stabilisiert hat.

Der bereinigte operative Gewinn auf Stufe EBITDA nahm massiv um 28 Prozent auf 302 Millionen Euro ab, und die entsprechende Marge verschlechterte sich um 2,3 Prozentpunkte auf 8,8 Prozent. Finanzchef Frederic Pflanz begründete den Einbruch vor den Medien mit stark gestiegenen Butterpreisen in Europa und mit höheren Arbeitskosten in Nordamerika.

Nach Bilanzierungsstandard IFRS resultierte ein operativer Verlust von 423 Millionen, das ist aber nur noch halb so viel wie im Vorjahr. Zu Buche schlugen dabei vor allem Verluste aus Verkäufen von Unternehmensteilen - veräussert wurden im Berichtszeitraum unter anderem die verlustbringenden Fabriken im US-amerikanischen Cloverhill - sowie Goodwillabschreibungen.

Unter dem Strich erzielte Aryzta ein Verlust von 470 Millionen Euro. Die Aktionäre müssen daher auf eine Dividende verzichten. Sie sollen vielmehr neues Geld einschiessen. Aryzta will die Bilanz mit einer Kapitalerhöhung im Umfang von 800 Millionen Euro stärken.

Die Kapitalerhöhung sei für die Genesung des Unternehmens notwendig, warb CEO Kevin Toland. Ursprünglich sei er gegen einen solchen Schritt gewesen. Da sich aber rasch gezeigt habe, dass eine Gesundung aus einer Kraft viel länger dauern würde als geplant, sei eine Kapitalerhöhung notwendig.

Automation soll Kosten senken

Aryzta will aber nicht nur Geld einsammeln. Dank eines Kostensenkungsprogramms sollen Kosteneinsparungen von jährlich rund 90 Millionen Euro bis zum Geschäftsjahr 2021 realisiert werden. Die ersten Früchte will Konzernchef Toland bereits in diesem Jahr ernten: Auf Stufe EBITDA rechnet er mit einem mittleren bis hohen einstelligen organischen Wachstum. Mittelfristig strebt Aryzta eine EBITDA-Marge im Bereich 12 bis 14 Prozent an.

An der Börse wurden die Resultate und die ambitionierten Ziele mit einem Kursfeuerwerk honoriert. Am Nachmittag notieren die Papiere 25 Prozent höher. Allerdings haben die Titel im laufenden Jahr davor drei Viertel an Wert eingebüsst. (sda/mim)

Aryzta will sich neues Kapital beschaffen

Beim Backwarenkonzern Aryzta haben sich die Spekulationen um eine geplante Kapitalerhöhung bestätigt. Mit der Ausgaben neuer Aktien im Volumen von 800 Millionen Euro soll die finanzielle Lage stabilisiert werden.