Deutsche Bank und Commerzbank erwägen Fusion: Riskanter Plan für «Mega-Bank»

Deutschland soll durch eine Fusion der Deutschen Bank mit der Commerzbank einen «Nationalen Champion» bekommen. Zehntausende Arbeitsplätze sind in Gefahr. Treibende Kraft soll offenbar der Finanzminister sein.

Christoph Reichmuth, Berlin
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Die Zentralen von Deutsche Bank (links) und Commerzbank in Frankfurt am Main. (Bild:  Frank Rumpenhorst/Keystone, 12. Februar 2019)

Die Zentralen von Deutsche Bank (links) und Commerzbank in Frankfurt am Main. (Bild: Frank Rumpenhorst/Keystone, 12. Februar 2019)

Die beiden Finanzbranchenriesen Deutsche Bank und Commerzbank sind offiziell in Verhandlungen über eine Fusion getreten. Bekommt Deutschland die auf dem Papier drittgrösste Bank Europas mit 38 Millionen Kunden? Die Folgen einer Megafusion wären erheblich. Experten rechnen mit einem Abbau von 30 000 bis 40 000 Stellen, zudem drohten erhebliche Einschnitte ins Filialnetz.

Die Idee einer Fusion ist nicht neu und soll Deutschland eine starke Bank verpassen, die auch international mithalten kann. Denn vor allem die Deutsche Bank ist keinesfalls jener «nationale Champion», den sich Finanzminister Olaf Scholz für das deutsche Finanzwesen wünscht. Vor allem der Sozialdemokrat und dessen Staatssekretär Jörg Kukies – ein ehemaliger Investmentbanker – sollen daher das Zusammengehen der beiden Finanzhäuser forcieren. Die deutsche Volkswirtschaft soll künftig über eine eigene, starke und global wettbewerbsfähige Grossbank verfügen. Scholz wies am Montag allerdings Berichte zurück, wonach sein Ministerium treibende Kraft hinter der nun zu prüfenden Fusion sei. «Es ist nicht Sache der Regierung, das zu kommentieren», sagte der 60-Jährige. «Es sind private Banken. Sie fällen ihre eigenen Entscheidungen.»

«Kernproblematik nicht lösen»

Experten und Gewerkschaften kommentieren die Fusionspläne mit Skepsis. Auch Dieter Hein, Analyst beim unabhängigen Analysehaus Fairesearch in Frankfurt, sagt gegenüber unserer Zeitung: «Eine solche Fusion würde die Kernproblematik nicht lösen – weder der Banken noch der Politik. Im Gegenteil, die Risiken würden steigen.» Hein verweist darauf, dass die Deutsche Bank seit 2015 drei Jahre hintereinander Verluste ausgewiesen hat und auch 2018 nur einen kleinen Gewinn schreiben konnte. «Sowohl die Deutsche Bank als auch die Commerzbank agieren in wirtschaftlich guten Zeiten wie jetzt nicht profitabel», so Hein. Beide Bankhäuser würden bei einem wirtschaftlichen Abschwung in Schwierigkeiten geraten, so der Analyst weiter.

Der Bundesfinanzminister erhoffe sich daher durch eine Fusion der beiden Banken ein stabileres Finanzinstitut, das auch wirtschaftlich turbulenten Zeiten standhalte. Doch um stabiler zu agieren, müsse die Deutsche Bank erst ihre Strategie ändern. «Die Deutsche Bank krankt seit vielen Jahren an ihrem beharrlichen Festhalten an dem extrem teuren, nicht profitablen und riskanten Investmentbanking.» Dieses habe vor allem der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Paul Achleitner, zu verantworten, ein ehemaliger Investmentbanker, im Zuge dessen Wirken seit 2012 sich die Deutsche Bank ein angelsächsisches Modell verpasst habe.

«Solange diese Strategie nicht geändert wird, wird sich an der Geschäftslage der Deutschen Bank auch nichts ändern. Achleitner ist der völlig falsche Mann auf dem Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden bei der Deutschen Bank.»

Transaktion könnte noch scheitern

Hein vermutet, dass die Deutsche Bank von sich aus gar kein Interesse an einer Fusion mit der Commerzbank hätte. «Die Deutsche Bank will eine globale Investmentbank bleiben. Daher hat die Commerzbank nichts, was die Deutsche Bank dringend braucht.» Hein vermutet, dass eine Fusion zur Folge hätte, dass die Deutsche Bank die Commerzbank mittelfristig als Wettbewerber auszuschalten und die Commerzbank-Kunden an sich zu binden versuche. «Es ist wichtig zu verstehen, dass hier nicht eine Fusion zweier gleichberechtigter Finanzhäuser diskutiert wird, sondern eine Übernahme der Commerzbank durch die Deutsche Bank.»

Für den Analysten von Fairesearch ist zusammenfassend klar: Geriete eine solche fusionierte Grossbank in eine existenzgefährdende, wirtschaftliche Schieflage, «käme der Staat nicht darum herum, das Finanzinstitut mit Steuergeldern zu retten». Die Pleite einer Mega-Bank könne sich keine Volkswirtschaft der Welt leisten. «Eine Fusion dieser beiden Banken halte ich grundsätzlich für nicht richtig», schliesst der Analyst.

Ob die beiden Finanzhäuser künftig tatsächlich zusammengehen, wird sich erst in einigen Wochen zeigen. «Es gibt keine Gewähr, dass es zu einer Transaktion kommt», teilte die Deutsche Bank schriftlich mit. Auch die Commerzbank schreibt von ergebnisoffenen Gesprächen «über einen eventuellen Zusammenschluss.»

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Daniel Zulauf