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Fussball-WM kurbelt russische Wirtschaft nur kurz an

Bei der Fussball-WM in Russland rollt ab dem 14. Juni der Ball - aber rollt auch der Rubel? Viele Ökonomen sind skeptisch, dass das Grossereignis die russische Wirtschaft spürbar und vor allem dauerhaft ankurbelt.
Russlands Wirtschaft wird nur wenig von der WM profitieren: Wladimir Putin trifft Fifa-Chef Gianni Infantino (Archivbild). (Bild: KEYSTONE/EPA AFP POOL/ALEXANDER NEMENOV - POOL)

Russlands Wirtschaft wird nur wenig von der WM profitieren: Wladimir Putin trifft Fifa-Chef Gianni Infantino (Archivbild). (Bild: KEYSTONE/EPA AFP POOL/ALEXANDER NEMENOV - POOL)

(sda/awp/reu)

"Das Ereignis ist wirtschaftlich zu klein, um einen nachhaltigen Einfluss auf das Wachstum zu haben", sagt Gert Wagner vom Berliner DIW-Institut mit Blick auf die künftige Konjunktur. Auch die Ratingagentur Moody's betonte jüngst in einer Studie: "Angesichts der begrenzten Dauer der Fussball-WM und der sehr grossen Wirtschaftskraft des Landes sehen wir auf nationaler Ebene nur sehr begrenzte wirtschaftliche Auswirkungen."

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Energielieferant Russland war 2015 und 2016 wegen des Verfalls des Ölpreises und der Sanktionen des Westens geschrumpft und erst 2017 wieder um rund 1,5 Prozent gewachsen. Nach Angaben des stellvertretenden Ministerpräsidenten Arkadi Dworkowitsch haben die Vorbereitungen für die WM in den vergangenen fünf Jahren etwa 14 Milliarden Dollar oder rund ein Prozent zum BIP beigetragen.

"Ich kann sagen, dass es ohne die WM momentan kein Wirtschaftswachstum geben würde", erklärte er kürzlich. Stadien wurden gebaut, Flughäfen modernisiert. Aber das sind sozusagen Einmaleffekte.

Ökonomen sehen dies ähnlich. "Die russische Wirtschaft kocht auf Sparflamme", sagt Russland-Experte Carsten Hesse von der Berenberg Bank. Für Schwung sorge der gestiegene Ölpreis. "Sonst wäre es um einiges düsterer." Denn ausser dem Geschäft mit Öl und Gas laufe vieles nicht so rund. "Es gibt wenig ausländische Investitionen und viel Kapitalflucht wegen der Sanktionen."

Notenbankchefin Elvira Nabiullina hatte jüngst betont, Russlands Wirtschaft und Finanzsystem hätten sich der letzten Welle von Sanktionen relativ schnell angepasst. Im April hatten die USA neue Strafen gegen sieben Oligarchen und grössere Firmen verhängt. Die Notenbankchefin hält in den nächsten Jahren ein Wirtschaftswachstum von 1,5 bis 2,0 Prozent pro Jahr für möglich.

Für höhere Raten muss es laut Nabiullina mehr Strukturreformen geben - etwa bei der Arbeitsproduktivität oder bei privaten Investitionen. "Die Frage ist, inwieweit Russland in der Lage sein wird, die Möglichkeiten der WM zu nutzen, um sein Wachstumspotenzial durch bessere Infrastruktur und bessere weltweite Anerkennung zu steigern", sagt auch Jaroslaw Lissowolik, Chefökonom der Eurasischen Entwicklungsbank.

"Geldverschwendung im Interesse der Oberschicht"

Im Zuge der seit 2014 geltenden Sanktionen des Westens hat sich Russland auch etwas stärker Richtung China orientiert. Es gab in den vergangenen Jahren einige grössere Gas- und Energieabkommen mit der Regierung in Peking. Davon hätten beide Seiten profitiert, sagt Berenberg-Experte Hesse. "Die Russen brauchten marketingtechnisch die Deals."

Die Chinesen hätten dies ausgenutzt und niedrige Preise ausgehandelt. Zudem sei der Anteil russischer Ausfuhren nach China an den Gesamtexporten von fünf bis sechs Prozent 2010 auf derzeit rund zwölf Prozent gestiegen. "Das ist schon signifikant", betont Hesse.

Der Ökonom hält zudem den wirtschaftlichen Effekt bei Sport-Grossveranstaltungen wie Olympia oder einer Fussball-WM allgemein für überschätzt. In Russland hätten vor allem Bauunternehmer profitiert, die oft Präsident Wladimir Putin nahestünden. DIW-Experte Wagner schlägt in die gleiche Kerbe. "Das Geld kann nur einmal ausgegeben werden."

Die Erfahrungen der Weltmeisterschaften 2010 in Südafrika und 2014 in Brasilien hätten gezeigt, dass das Geld besser - weil nachhaltiger - angelegt sei in Investitionen in die Infrastruktur. "Ein neues Stadion, das nach der WM kaum genutzt wird, ist schlichte Geldverschwendung im Interesse der Oberschicht."

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