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IWF: Weltwirtschaft kann nicht mehr schneller wachsen

Die Weltwirtschaft kann laut Finanzexperten ihr Wachstumstempo vorerst nicht erhöhen. So nahm der Internationale Währungsfonds (IWF) am Dienstag seine eigene April-Prognose zurück.
Der IWF führt als Gründe für seinen eingetrübten Wachstumsausblick unter anderem die negativen Effekte von handelspolitischen Massnahmen an. (Bild: KEYSTONE/AP/ERIK SCHELZIG)

Der IWF führt als Gründe für seinen eingetrübten Wachstumsausblick unter anderem die negativen Effekte von handelspolitischen Massnahmen an. (Bild: KEYSTONE/AP/ERIK SCHELZIG)

(sda/dpa/afp/reu)

Das weltweite Wirtschaftswachstums für die Jahre 2018 und 2019 werde sich gemäss den Spezialisten von zunächst 3,9 Prozent leicht auf das Niveau des Vorjahres von 3,7 Prozent abschwächen.

«Die Wahrscheinlichkeit weiterer negativer Schocks für unsere Wachstumsvorhersage ist gestiegen», sagte der scheidende IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld am Dienstag bei der Vorstellung des Weltwirtschaftsberichtes im indonesischen Nusa Dua. «Das Wachstum wird von nicht nachhaltigen politischen Massnahmen getrieben», fügte er vor allem mit Blick auf die USA hinzu.

Überall Verlangsamung

Die derzeit positive Situation in den Vereinigten Staaten sei von prozyklischen Stimuli des Staates mitverursacht und werde nach Aufhebung dieser Effekte zurückgehen. Der IWF habe deswegen auch die US-Prognose bereits für 2019 angepasst. Auch für die Eurozone wurde die Voraussage im Vergleich zum April dieses Jahres um 0,1 Punkte nach unten korrigiert. In Entwicklungs- und Schwellenländern sieht der IWF sogar eine Verlangsamung um 0,2 Punkte im laufenden und 0,4 Punkte im nächsten Jahr.

Für die Türkei erwartet der Währungsfonds wegen der schwachen Lira, der gestiegenen Kreditkosten und der ungewissen Entwicklung der dortigen Verbrauchernachfrage für das kommende Jahr einen deutlichen Rückgang des Wachstums auf 0,4 Prozent - 3,6 Prozentpunkte weniger als noch im April. Die türkische Wirtschaft bleibe «höchst anfällig» für geopolitische Risiken oder plötzliche Veränderungen von Kapitalströmen, erklärte der IWF.

Südamerika im Abwärtssog

Für das von einer Wirtschafts- und Währungskrise betroffene Argentinien sagt der Währungsfonds einen Abschwung um 2,6 Prozent 2018 und 1,6 Prozent im kommenden Jahr voraus. Im Krisenstaat Venezuela steht demnach bereits das fünfte Jahr in Folge ein Rückgang des BIP an: 2018 um 18 Prozent und 2019 um weitere fünf Prozent. Binnen fünf Jahren sank dort das BIP pro Kopf nach IWF-Angaben um mehr als 35 Prozent, bis 2023 könnten es fast 60 Prozent sein.

Zuversicht für Brexit

Für den bevorstehenden Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union zeigte sich Obstfeld optimistisch. Der IWF gehe davon aus, dass ein Übereinkommen zwischen London und Brüssel erzielt werde. «Eine Übereinkunft irgendeiner Art ist sicher im Interesse der Verhandlungsparteien», sagte Obstfeld. «Wir bleiben bei unserer Annahme, dass vernünftige Politik die Oberhand behält und hoffentlich behalten wir recht», betonte der 66-Jährige, der sein Amt beim IWF zum Jahresende an Nachfolgerin Gita Gopinath abgeben wird.

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