Klimawandel gefährdet weltweit Wasserversorgung aus Gebirge

Gebirge sind weltweit eine wichtige Wasserquelle für Mensch und Natur. Klimawandel, Bevölkerungswachstum und Misswirtschaft gefährden jedoch diese Wasserreserven. Die wichtigsten sind dabei auch die verwundbarsten, wie eine Studie zeigt.

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Blick über Martigny. Das Einzugsgebiet dieser Region ist eines der am stärksten beanspruchten in Europa, zeigt eine Forschungsarbeit. Erfahren Sie mehr unter natgeo.com/PerpetualPlanet.
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Zwei Frauen pflegen ihr Kartoffelfeld im Chipursan-Tal, Pakistan. Diese Region ist Teil des Indus-Einzugsgebiet, das laut Studie das am stärksten beanspruchte gletschergestützte Wassersystem der Welt ist. Erfahren Sie mehr unter natgeo.com/PerpetualPlanet.
Blick durch ein Gletschertal auf die Bergstadt Val d'Isere in den französischen Alpen. Die Wasserreserven dieses Gebiets gehören laut Studie zu den am stärksten genutzten in Europa. Erfahren Sie mehr unter natgeo.com/PerpetualPlanet.
Blick über die Region Shimshal Pamir in Pakistan. Diese Region ist Teil des Indus-Einzugsgebietes, das das am stärksten beanspruchte Gletscherwassersystem der Welt ist. Erfahren Sie mehr unter natgeo.com/PerpetualPlanet.
Das Dorf Khumjung, Nepal, unter Khumbu Yui Lha, einem der hohen Berge des östlichen Himalaya im Einzugsgebiet Ganges-Bramaputra. Laut Studie sind die Wasserreserven dieses Gebiets durch den Klimawandel unter Druck. Erfahren Sie mehr unter natgeo.com/PerpetualPlanet.

Blick über Martigny. Das Einzugsgebiet dieser Region ist eines der am stärksten beanspruchten in Europa, zeigt eine Forschungsarbeit. Erfahren Sie mehr unter natgeo.com/PerpetualPlanet.

Melissa Farlow, National Geographic
(sda/apa)

Ein internationales Forschungsteam um Walter Immerzeel von der Universität Utrecht (Niederlande) identifizierte weltweit 78 solcher «Wassertürme», wie sie die Forschenden im Fachjournal «Nature» nennen. Sie speichern wertvolles Nass auf ihren schneebedeckten Gipfeln, in Gletschern und Seen und geben es recht konstant in die Täler ab.

Das Team mit Beteiligung der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) und der Universität Zürich erstellte aus diesen 78 Wassertürmen eine Rangliste: Sie reihten sie nach ihrem Potenzial als Wasserspeicher und wie viele Menschen von ihnen abhängig sind. Zudem untersuchten sie, wie anfällig diese Systeme und die von ihnen abhängigen Gemeinden für die wahrscheinlichen Veränderungen der nächsten Jahrzehnte sind.

Wasser für 1,6 Milliarden Menschen

Mehr als 1,6 Milliarden Menschen leben in Gebieten, die Wasser von diesen Wassertürmen beziehen, das seien ungefähr 22 Prozent der Erdbevölkerung, schrieben die Forschenden in dem Fachartikel.

Der wichtigste davon sei die Indus-Region in Asien, schrieb die WSL in einer Mitteilung. Er besteht aus weiten Teilen des Himalaya-Gebirges und umfasst Teile von Afghanistan, China, Indien und Pakistan. Aber auch auf den anderen Erdteilen gäbe es weit vorne gereihte «Wasserturm»-Systeme, etwa in Europa in den Alpen (Rhone und Rhein), den Anden und den Rocky Mountains in Süd- beziehungsweise Nordamerika.

Schwindende Reserven

Das nasse Element aus den Bergen wird als Trinkwasser und für die Nahrungsmittelproduktion immer wichtiger, doch in vielen Regionen ist sein Bestand durch den Klimawandel unsicher: Die Gletscher und Schneedecken schmelzen, Seen verschwinden. «Manche der verwundbarsten Wassertürme sind zusätzlich unter Druck durch Bevölkerungswachstum und alarmierende Anstiege des Wasserverbrauchs stromabwärts», so Yoshihide Wada vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien in einer Mitteilung des Instituts.

Die Forscher fordern sofortige Massnahmen: Man sollte Schutzgebiete und Wasserreservoirs anlegen und den Wasserverbrauch so effizient wie möglich gestalten.

Die Studie wurde von National Geographic und Rolex im Rahmen ihrer Perpetual Planet-Partnerschaft unterstützt.