Video

Peugeot-Konzern und Fiat Chrysler beschliessen Megafusion

Nach wochenlangen Verhandlungen haben die Opel-Mutter PSA und Fiat Chrysler ihre Mega-Fusion beschlossen. Das teilten die Unternehmen am Mittwoch mit. Die Konzerne wollen den viertgrössten Autohersteller der Welt schmieden.

Dominik Straub aus Rom
Drucken
Teilen

Die Autobranche befindet sich nach wie vor in einem epochalen Umbruch: Um die milliardenteuren Investitionen stemmen zu können, die mit der Umstellung auf Elektromobilität und autonomes Fahren auf sie zukommen, haben die Konzernleitungen von Peugeot-PSA und Fiat-Chrysler am Dienstagabend den Schulterschluss beschlossen. Die beiden Unternehmen hatten sich bereits Ende Oktober auf offizielle Fusionsgespräche verständigt – nun soll der Zusammenschluss in den nächsten 12 bis 15 Monaten vollzogen werden.

Fiat-Chrysler verkaufte im vergangenen Jahr 4,8 Millionen Fahrzeuge, der PSA-Konzern 3,9 Millionen. Mit insgesamt 8,7 Millionen verkauften Fahrzeugen werden die beiden fusionierten Unternehmen zum viertgrössten Automobilbauer der Welt aufsteigen – hinter Volkswagen, Toyota und dem französisch-japanischen Renault-Nissan-Verbund. Zusammen kamen die beiden Autobauer letztes Jahr auf einen Jahresumsatz von knapp 170 Milliarden Euro und einen jährlichen Betriebsgewinn von mehr als 11 Milliarden Euro. Laut italienischen Medienberichten ist die Idee der Fusion von Fiat-Chrysler-Präsident John Elkann ausgegangen, einem Enkel des legendären früheren Fiat-Patrons Gianni Agnelli. Der Grund: Fiat-Chrysler hatte unter dem vor gut einem Jahr verstorbenen Konzernchef Sergio Marchionne die Entwicklung in Richtung nachhaltiger Mobilität weitgehend verschlafen – die Italo-Amerikaner verfügen bis heute über kein einziges rein elektrisch betriebenes Modell. Ausserdem steckt der Konzern in Schwierigkeiten: Umsatz und Gewinn sind im ersten Halbjahr 2019 eingebrochen. Vor allem in Europa und ganz besonders im Fiat-Heimmarkt Italien herrscht Krisenstimmung. Ein besonderes Sorgenkind ist die an sich attraktive Marke Alfa Romeo, die Marchionne mit Milliardeninvestitionen wieder in Schwung bringen wollte, aber trotzdem nicht vom Fleck kommt.

Alleine hätte Fiat-Chrysler die Investitionen in die Elektromobilität kaum aufbringen können. Die Verschmelzung mit dem PSA-Konzern, der in den letzten Jahren viel in die neuen Technologien investiert hat und über eine breite und moderne Modellpalette verfügt, könnte für Fiat-Chrysler somit zum Rettungsanker werden. Doch auch der PSA-Konzern profitiert von der Fusion: Die Franzosen können dank des gut ausgebauten Händlernetzes von Chrysler ihre bisher schwache Position im US-Markt stärken.

Das fusionierte Unternehmen wird laut den Konzernspitzen 46 Prozent seines Umsatzes in Europa und 43 Prozent in Nordamerika erzielen. Die Fiat-Chrysler-Marke Maserati wird dem neuen Konzern ausserdem zu sportlichem und luxuriösem Flair verhelfen, über den PSA kaum verfügt.

Einsparungen in Milliardenhöhe

Peugeot-PSA und Fiat-Chrysler erhoffen sich von der Fusion Kostensenkungen in der Höhe von 3,7 Milliarden Euro – und dies ohne Werkschliessungen, wie von den Konzernspitzen beteuert wird. Die einzelnen Marken sollen erhalten bleiben. Der Fiat-Chrysler-Konzern bringt Fiat, Alfa Romeo, Lancia, Maserati, Chrysler, Dodge und Jeep in die Ehe ein; PSA vereinigt die Marken Peugeot und Citroën sowie seit rund zwei Jahren Opel unter seinem Dach.

Die Fusion muss von den Aktionären der beiden Autobauer noch genehmigt werden – was eine Formalität darstellen dürfte. Auch die europäischen Wettbewerbsbehörden müssen den Merger noch absegnen. Und schliesslich braucht der zukünftige viertgrösste Autokonzern der Welt auch noch einen Namen.

«Das ist ein Prozess, der erst heute beginnt und den wir in den nächsten Monaten abschliessen werden»,

betont Fiat-Chrysler-Chef Mike Manley.