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Detailhandel: Volg ist's in der Nische wohl und steht vor einem Chefwechsel

Vom Schmuddelladen zum zeitgemässen Nahversorger auf dem Land: So beschreibt
der scheidende Volg-Chef Ferdinand Hirsig die Entwicklung der Detailhandelsgruppe. Sein designierter Nachfolger ist von Aldi Suisse zum Unternehmen gestossen.
Thomas Griesser Kym
Der Detailhändler Volg hat 2018 unter dem Strich 7,3 Prozent mehr verdient als im Vorjahr. Grund dafür ist vor allem die bessere Effizienz in der Logistik. (Bild: Keystone/Christian Beutler

Der Detailhändler Volg hat 2018 unter dem Strich 7,3 Prozent mehr verdient als im Vorjahr. Grund dafür ist vor allem die bessere Effizienz in der Logistik. (Bild: Keystone/Christian Beutler

«Ein Krämerladen im schlechtesten Sinn» – diesen Eindruck hat Ferdinand Hirsig gewonnen, als er am Ende des Jahres 2000 erstmals einen Volg-Laden betreten hat. Hirsig war auf dem Weg in die Bodenseeregion, um an ei­nem Treffen die Mitglieder der Volg-Geschäftsleitung kennen zu lernen, nachdem er zugesagt hatte, deren Vorsitz zu übernehmen. Doch die Zustände in dem Laden waren «katastrophal». Hirsig erinnert sich: «Mit Regalen zugestellte Fensterfronten, ein Sammelsurium an Produkten fernab eines stimmigen Sortiments, ein schmuddeliger Laden.»

Hirsig überlegte damals «ernsthaft», rechtsumkehrt zu machen. Doch er nahm den Job an, und nun, 18 Jahre später, kann er guten Gewissens seinen Abgang vorbereiten und Philipp Zgraggen als designierten Nachfolger als Chef der Volg-Gruppe vorstellen. Denn Hirsig und sein Team haben die Detailhandelsgruppe über die Jahre auf Vordermann gebracht. Hirsig hat es sich dabei zur Gewohnheit gemacht, «mich in den Kunden zu versetzen» und Volg aus dessen Sicht zu betrachten.

Platz zwischen Grossverteilern und Discountern

Das Ergebnis: Volg hat zwischen den beiden Grossverteilern Coop und Migros sowie den Discountern Denner, Aldi und Lidl eine Nische besetzt, in der das Unternehmen gemächlich, aber kontinuierlich wächst. Die von der Volg Konsumwaren AG als Grossistin belieferten Lebensmittelläden finden sich im Dorf, nahe an den Kunden, und geboten wird auf kleinen Flächen ein Kernsortiment des täglichen Bedarfs.

Mit dieser Ausrichtung hat es die Volg-Gruppe geschafft, vergangenes Jahr den Detailhandels­umsatz um 1,4 Prozent auf 1,507 Milliarden Franken weiter zu steigern, und dies trotz leicht sinkender Preise. Die Zahl der belieferten Läden sank von 930 auf 924, weil erneut mehrere unabhängige Detaillisten aufgaben, entweder wegen fehlender Nachfolge oder wegen eines zu hohen Investitionsbedarfs. Zugenommen hat aber die Zahl der Volg-Läden (von 582 auf 588) und jene der Top-Shops an Agrola-Tankstellen (von 90 auf 94).

Lange Öffnungszeiten, weil dann die Kunden da sind

Diesen Herbst wird der 100. Top-Shop eröffnet, kündigt Hirsig an, und die Volg-Dorfläden sollen die Expansion ebenso fortsetzen. Dies vor allem in der Westschweiz, wo man mittlerweile je 50 Volg-Läden und unabhängige Detaillisten bedient. Immer enger wird auch die Kooperation mit der Post, die in mittlerweile 363 (im Vorjahr 331) Volg-Läden Postagenturen eingerichtet hat. Nach wie vor auf kleinstem Feuer köchelt volgshop.ch. In diesem Onlineladen können Kunden Artikel eines reduzierten Sortiments bestellen und sodann im Laden abholen oder sich vom Pöstler nach Hause bringen lassen. Die Anzahl Bestellungen ist minim, doch ge­he es darum, einen zusätzlichen Service zu bieten und Erfahrung im E-Commerce zu sammeln.

Mit dem Onlineladen geht Volg mit der Zeit. Dies gilt ebenso für das Sortiment, das mehr und mehr Convenience-Produkte enthält wie konsumbereite Salate, geschnittene Früchte oder Sandwiches. Und das gilt für die Öffnungszeiten: Heute haben viele Volg-Läden von 6 bis 20 oder 21 Uhr offen. Denn Hirsig hat erkannt: «Wir müssen dann für unsere Kunden da sein, wenn sie auch da sind, also wenn sie unterwegs sind.» Konkret: Volg will frühmorgens Pendler auf dem Weg vom Dorf in die Stadt mit Kaffee, Znüni oder Zmittag versorgen und ihnen spätabends bei der Heimkehr die Möglichkeit bieten, den Znacht zu kaufen.

Der Nachfolger arbeitet schon im Unternehmen

Die Strategie scheint aufzugehen. 2018 hat die Volg Konsumwaren AG eine leicht erhöhte operative Rendite von 1,03 Prozent erarbeitet. Das ist nicht berauschend, aber Volg unterhält aufgrund der Belieferung auch abgelegener Dörfer eine relativ aufwendige Logistik. Das Gebiet westlich des Bareggs kann seit des Ausbaus des Frischdiensts in Oberbipp per Ende Jahr zu einer vollwertigen Verteilzentrale (der dritten neben jener am Hauptsitz in Winterthur und jener in Landquart) effizienter bedient werden.

Philipp Zgraggen. (Bild: PD)

Philipp Zgraggen. (Bild: PD)

Am 1. September übergibt Hirsig die Volg-Geschäftsleitung an Philipp Zgraggen, der seit September die Unternehmensentwicklung steuert. Davor war Zgraggen ein Mann der ersten Stunde bei Aldi Suisse und dort zuletzt, nach einem Abstecher zu Aldi USA, Leiter Zentraleinkauf.

«Das Bargeld ist nicht tot»

Seit Februar kann man mit Hilfe einer App in gut 580 Volg-Läden Bargeld beziehen. Möglich macht dies eine Zusammenarbeit mit dem Zürcher Fintech-Unternehmen Sonect. Der scheidende Volg-Chef Ferdinand Hirsig erklärt Sinn und Zweck.

Ferdinand Hirsig. (Bild: PD)

Ferdinand Hirsig. (Bild: PD)

Mit der Sonect-App setzen Sie auf eine Zukunft mit Bargeld. Bezahlen Sie noch oft in bar?

Ferdinand Hirsig: Ja, mindestens die Hälfte meiner Einkäufe bezahle ich nach wie vor in bar.

In den meisten Geschäften braucht man heute kein Bargeld mehr. Hat diese neue Dienstleistung von Volg überhaupt eine Zukunft?

Ja, das Bargeld ist nicht tot. Auch wenn es so scheint, dass Kartenzahlungen überwiegen, so zahlt eine Mehrheit in der Schweiz immer noch in bar. Das ist nicht nur in den Dörfern so. Auch am Hauptbahnhof Zürich können Sie das beobachten. In der Schweiz pflegen wir noch einen anderen Bezug zum Bargeld.

Gewinnen Sie mit dieser App neue Kunden?

Bei uns steht der Mehrwert für den Kunden im Fokus. Darum haben wir über die Zeit weitere Dienstleistungen ausgebaut, wie beispielsweise Postagenturen. Gerade auf dem Land, wo Geldautomaten verstärkt verschwinden, können wir mit der Sonect-App für unsere Kunden einen weiteren Service erbringen. Ein Kundenzuwachs, ausschliesslich aufgrund dieser App, lässt sich so nicht beziffern.

Wird die App genutzt?

Ja, ziemlich rege. Zahlen haben wir noch keine, aber die App funktioniert einwandfrei. (sbü)

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