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Brasilien blickt dem WM-Start durchaus angespannt entgegen

Vor dem WM-Startspiel gegen die Schweiz am Sonntag in Rostow befindet sich die brasilianische Auswahl in einem heiklen Spannungsfeld. Das Team scheint in Form, hat aber Respekt vor einem Fehltritt.
Im lockeren Training «Opfer» eines Geburtstags-Scherzes seiner Kollegen: Brasiliens Philippe Coutinho (Bild: KEYSTONE/AP/ANDRE PENNER)

Im lockeren Training «Opfer» eines Geburtstags-Scherzes seiner Kollegen: Brasiliens Philippe Coutinho (Bild: KEYSTONE/AP/ANDRE PENNER)

(sda)

Ein bisschen Spass musste sein in der Woche vor dem WM-Startspiel gegen die Schweiz. Brasiliens Spieler feierten den Geburtstag von Philippe Coutinho auf ihre Weise: Sie zerdrückten ein paar Eier auf dem Kopf des Barcelona-Stürmers. Kurz darauf wurde auch noch Superstar Neymar mit der gleichen Zeremonie bedacht. Glücklich und unbeschwert wie kleine Kinder waren sie in diesem Moment. Die Stimmung scheint gut im Swissôtel Kamelia am Strand von Sotschi am Schwarzen Meer, wo die Brasilianer ihr WM-Quartier bezogen haben.

Doch der Schein trügt ein wenig. Ganz so unbeschwert blicken die Brasilianer dem Spiel vom Sonntag gegen die Schweiz nicht entgegen. «Wir haben zwar keine Angst vor dem Gegner, aber wir haben Angst davor, dass etwas im Spiel schief geht», sagte TV-Mann Bruno vom Sender «O Globo». Die brasilianische Auswahl ist noch ein zartes Pflänzchen. Ein WM-Favorit zwar bei günstigen Bedingungen, aber auch nicht davor gefeit, beim ersten Gegenwind umzuknicken.

Zwei Jahre lang war die Verarbeitung des monumentalen Debakels im Halbfinal der Heim-WM gegen Deutschland (1:7) nicht vorangekommen. Dann engagierte der Verband den Trainer Tite und es ging aufwärts, weil dieser «direkten Zugang zu den Köpfen der Spieler fand», wie es Bruno sagte. «Er ist ein guter Taktiker und ein toller Trainer. Aber er ist vor allem ein hervorragender Psychologe.»

Doch auch der Trainer steht gegen die Schweiz vor der ersten grossen Belastungsprobe. Ein Fehltritt gegen den Aussenseiter aus Europa könnte in den Medien und in der Öffentlichkeit die Stimmung kippen lassen. «Die Gefahr besteht, dass alles, was Tite in zwei Jahren aufgebaut hat, mit einem Mal wieder eingerissen wird», so Bruno.

Fernandinho oder Willian?

Atmosphärisch steht also die Lage der «Seleção» noch auf wackligen Füssen. Sportlich hingegen scheint das Team um Neymar durchaus gefestigt. In den Tagen vor dem WM-Start feilte Tite nur noch an Details. Es geht um eine Frage: Fernandinho oder Willian? Gibt Tite Fernandinho von Manchester City den Vorzug, wäre dies die vorsichtigere Variante, weil er dann im Mittelfeld mit Casemiro, Paulinho und Fernandinho auf eine kämpferische und physisch robuste Reihe setzen würde.

Kommt aber Willian von Chelsea zum Einsatz, spielt Brasilien mit einer offensiveren Mannschaft mit im Prinzip vier Stürmern: Willian, Coutinho, Neymar und Gabriel Jesus. Oder mit den «Fab Four», wie sie in Brasilien bereits genannt werden - vor allem seit dem überzeugenden 3:0 im Testspiel vom letzten Wochenende gegen Österreich. Weil am Sonntag in Rostow die Schweiz der Gegner ist und halt eben nicht Deutschland, Frankreich oder Spanien, dürfte sich Tite für Willian entscheiden.

Wer ist Captain?

Die Suche nach der Antwort auf die letzte taktische Frage hat im Umfeld der Brasilianer auch den Routinier Thiago Silva etwas aus dem Blickfeld genommen. Der Innenverteidiger von Paris Saint-Germain geniesst in der Heimat seit der WM 2014 nicht mehr den grössten Respekt. Damals hatte er in schwierigen Momenten das Team als Captain nicht nur nicht mitreissen können, er war sogar der erste, der jeweils von den Emotionen überwältigt worden war. Im Achtelfinal gegen Chile hatte Thiago Silva vor dem Penaltyschiessen einen Weinkrampf, und gegen Deutschland kullerten ihm die Tränen früh über die Wangen.

«Er ist ein toller Spieler, aber ein schwacher Captain», sagte Bruno. Das hat offenbar auch Tite erkannt. Wer gegen die Schweiz letztlich Captain sein wird, ist noch nicht klar. Es wird sich in den kommenden Wochen zeigen, ob Tite in den letzten zwei Jahren auch Zugang zur Psyche von Thiago Silva gefunden hat. Denn die Beobachter im Land des fünffachen Weltmeisters sind überzeugt: Spätestens ab der K.o.-Phase geht es dann nicht mehr bloss um die «Fab Four», sondern auch um eine stabile Innenverteidigung.

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