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Gernot Rohrs Herausforderung in und mit Nigeria

Die WM-Mission beginnt für Nigeria ungünstig. Unter anderem erfolgt die Ankunft im Camp in Essentuki mit Verspätung um ein Uhr nachts. Solche Probleme bringen Gernot Rohr nicht mehr aus der Fassung.
Beweist bei seinem Engagement in Nigeria viel Umsicht und Geduld: Gernot Rohr (Bild: KEYSTONE/EPA/FACUNDO ARRIZABALAGA)

Beweist bei seinem Engagement in Nigeria viel Umsicht und Geduld: Gernot Rohr (Bild: KEYSTONE/EPA/FACUNDO ARRIZABALAGA)

(sda)

Der 64-jährige Deutsch-Franzose hat in seiner langen Trainerkarriere viel erlebt. Er führte Bordeaux mit Stars wie Zinédine Zidane, Christophe Dugarry oder Bixente Lizarazu 1996 via UI-Cup in den Final des UEFA-Cups gegen Bayern München. Mit den Young Boys erreichte er 2006 den Schweizer Cupfinal, verlor ihn im Penaltyschiessen gegen den damaligen Challenge-League-Klub Sion und war im Herbst darauf seinen Job wieder los. Und nach weiteren, eher kurzen Klub-Engagements begann er 2010 die Arbeit als Nationaltrainer in Afrika.

Insbesondere die letzten acht Jahre haben Rohr zu viel gelehrt, als dass er sich über Verspätungen und fehlende Kleider oder Gepäckstücke noch aufregen würde. «Man muss gelassen bleiben und Kompromisse eingehen», beschrieb Rohr seine Arbeit in einem Interview im «Tages-Anzeiger» vom Mittwoch.

Mit Nigeria betreut der in Mannheim geborene Coach nach Gabun, Niger und Burkina Faso das vierte Nationalteam auf dem afrikanischen Kontinent. Den Job hatte er im August 2016 im Wissen angenommen, dass bei den «Super Eagles» davor innert zwei Jahren fünf Trainer gehen mussten respektive wie sein Vorgänger Sunday Oliseh freiwillig gingen.

Wenig Wohlwollen beim Amtsantritt

Nach dem Abgang von Oliseh, dem Olympiasieger von 1996, zweifachen WM-Teilnehmer und einstigen Captain von Ajax Amsterdam, war ein Name von Weltformat angekündigt worden. Als Rohr kam, nahm dies die fussballverrückte Öffentlichkeit im bevölkerungsreichsten Land Afrikas einigermassen erstaunt zur Kenntnis. Rohr sah die Sache in seiner nüchternen Art etwas anders. «Es ist kaum möglich, einen einheimischen Nationaltrainer zu engagieren, er würde von Mitgliedern anderer Stämme nicht akzeptiert werden», sagte Rohr. «Das ist schon sehr kompliziert, in Nigeria werden ja über 450 Sprachen gesprochen.»

Doch Rohr schaffte es mit Pragmatismus schnell, Sympathien zu gewinnen, zumal sich der sportliche Erfolg rasch einstellte. Nigeria qualifizierte sich mit einer ziemlich unerfahrenen Mannschaft, der nun jüngsten aller 32 Teilnehmer in Russland, als erstes afrikanisches Team für die WM. Spätestens ab diesem Zeitpunkt waren weitere Fähigkeiten Rohrs gefragt. «Er wird eher zum Runterkühlen gebraucht denn als Motivator», schrieb die deutsche Zeitung «Welt» dazu passend.

Wenn selbst die höchsten Politiker oder der Verbandspräsident, halb als Witz, halb im Ernst, vom WM-Titel reden, schürt das ungemein hohe und aus Sicht des Trainers unrealistische Erwartungen. «Unglücklicherweise sind die Ambitionen hier ein wenig exzessiv», sagte Rohr. «Bleiben wir bescheiden. Als Nummer 47 der Welt davon zu sprechen, die Nummer 1 zu werden, ist ein bisschen protzig.» Schliesslich sei von diesem Kontinent noch nie jemand bis in den Halbfinal gekommen.

Geregelte Prämienfrage

Ein anderes, aus der Vergangenheit zu gut bekanntes Problem hat der umsichtige Coach mit dem Verband vorzeitig aus der Welt geschafft. Zu Streitigkeiten wegen Prämienzahlungen, wie sie zuletzt an der WM 2014 erst kurz vor dem Startspiel gegen Iran beendet wurden, dürfte es in Russland nicht kommen. «Wir haben alles schriftlich geregelt», so Rohr. «Jetzt darf es einfach nicht zu Verzögerungen kommen.» 2,4 Millionen Dollar sollen vonseiten des Verbandes an die Mannschaft gehen.

Für manchen Spieler bedeutet die volle Konzentration auf ein grosses Turnier ohne unangenehme Nebeneffekte ein Novum. «Das ist das erste Mal in meiner Karriere als Nationalspieler, dass ein Dokument schwarz auf weiss die wichtigsten Fragen zu Vorbereitung und Prämien aufzeigt», sagte Captain John Obi Mikel. Und das soll etwas heissen. Der mittlerweile in China tätige Captain hat seit seinem Debüt vor bald 13 Jahren 83 Einsätze für Nigeria bestritten.

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