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Lichtsteiner: «Das wird die Mannschaft nicht zurückwerfen»

Nach dem abrupten WM-Ende spricht Captain Stephan Lichtsteiner in Togliatti über den enttäuschenden Achtelfinal-Auftritt der SFV-Auswahl gegen Schweden.
Captain Stephan Lichtsteiner: «Vor vier Jahren waren alle happy, zwei Turniere später sind wir verärgert, weil wir mehr wollen. Darum sage ich: Wir sind auf dem richtigen Weg.» (Bild: KEYSTONE/LAURENT GILLIERON)

Captain Stephan Lichtsteiner: «Vor vier Jahren waren alle happy, zwei Turniere später sind wir verärgert, weil wir mehr wollen. Darum sage ich: Wir sind auf dem richtigen Weg.» (Bild: KEYSTONE/LAURENT GILLIERON)

(sda)

Der 103-fache Internationale, der im Duell gegen die Schweden wegen einer Sperre fehlte, thematisiert im Interview neben der Zukunft der Equipe auch seine eigenen Perspektiven. Und der künftige Arsenal-Verteidiger nimmt den kritisierten Spielmacher Granit Xhaka ausdrücklich in Schutz: «Für mich spielte er ein sehr gutes Turnier.»

Der dritte Achtelfinal innerhalb von vier Jahren galt als kursweisend - wie schwer wiegt der Rückschlag?

«Es ist eine Enttäuschung, klar. Wir wissen, dass wir eine enorm grosse Chance verpasst haben. Aber übertreiben sollte man nicht. Wir haben nicht versagt, wir spielten immerhin einen Achtelfinal. Meine Turnierbilanz fällt nicht nur negativ aus, die Qualifikation war überragend, die Gruppenphase gut. Gewisse Rückschläge gehören dazu. Wir zeigten schon nach Portugal (0:2 am letzten Tag der Qualifikation), dass wir aufstehen können und überstanden auf dem Weg an die WM eine schwierige Barrage.»

Wie verkraftet die Mannschaft den Tiefschlag?

«Die Mannschaft war nicht einfach nur gut, weil sie von einem Lauf lebte. Sie bewegt sich qualitativ auf seinem sehr, sehr guten Level. Wir hatten es in den letzten zwei Jahren ja immer wieder geschafft, nach einem Rückstand noch zurückzukommen und Spiele zu gewinnen. Deshalb wird es der Mannschaft nicht schwerfallen, mit einem Misserfolg umzugehen.»

Sie wirken gefasst? Aber Sie regen sich womöglich fürchterlich über das Out auf?

«Natürlich ärgert mich das. Das muss auch so sein, sonst hätten wir zu wenig Ambitionen, das ist wichtig für die Zukunft.»

Eigene Zukunft offen? Warum?

«Ich muss in den nächsten Tagen einmal alles sacken lassen. Ich werde mich mit der Familie zusammensetzen und die entscheidenden Fragen klären. Was will ich noch? Was nicht mehr? Diesen Step will ich mir gut überlegen. Alles hängt auch mit dem Start bei meinem neuen Klub Arsenal zusammen.»

Sie und Valon Behrami sind die Wortführer und Chefs auf dem Platz. Granit Xhaka soll zeitnah eine ähnliche Rolle spielen. Wie nahmen Sie ihn wahr? Wie schwierig ist es für andere, den Lead zu übernehmen?

«Für mich spielte er ein sehr gutes Turnier. Granit übernahm viel Verantwortung. Er versuchte auch gegen Schweden, das Spiel anzukurbeln. Je grösser der Klub, desto grösser die Ansprüche und desto eher wird man zur Zielscheibe der Kritiker. Das ist Part of the Game, Granit kann damit umgehen. Er besitzt genug Qualität. In diesem Sinne sehe ich ihn bereits als Leader.»

Kommen Ihnen andere designierte Führungsspieler in den Sinn?

«Yann (Sommer) ist einer - oder ein Manu (Akanji), der zwar ruhig ist, aber mit seiner Präsenz dem Team enorm hilft. Der Mannschaft nur wegen der 0:1-Niederlage gegen Schweden vorzuwerfen, sie habe keine Emotionen, wäre falsch.»

Temperament zeigte sie ja beispielsweise gegen Serbien - aber gegen Schweden eben nicht.

«Man darf nicht vergessen, dass die Schweden einem jeden Rhythmus nehmen und sich dann vor dem eigenen Sechzehner postieren. Uns fehlte gestern vielleicht die ultimative Bereitschaft, ans Limit zu gehen, um das Glück zu erzwingen. 11:3 Corner, deutlich mehr Ballbesitz, wir waren klar die bessere Mannschaft, aber wir haben es nicht erzwungen.»

Nochmals zurück zum Thema Emotionen. In der Vorrunde ging die Mannschaft in diesem Bereich an die Grenze - im wichtigsten Spiel dann aber nicht.

«Gegen Serbien war der Druck riesig - wir mussten gewinnen, sonst wären wir womöglich weg gewesen. Wir glichen aus und schossen in der 90. Minute das entscheidende Tor. Es gelang uns, die extremen Emotionen unter der Haube zu behalten und nicht den Kopf zu verlieren. Sonst hätten wir eine solche Leistung nie und nimmer abrufen können.»

Und im Achtelfinal fehlte das Feuer?

«So seltsam es klingen mag, aber man kann die Aufgaben atmosphärisch nicht miteinander vergleichen. Die Stimmung im Stadion in St. Petersburg war nicht überwältigend, wir hatten einmal mehr ein Auswärtsspiel zu bestreiten. Ich werfe dem Team nicht viel vor - ausser, dass wir die Energie nicht gefunden haben, das Limit noch einmal zu überschreiten.»

Folgt nun der Charaktertest? Klärt sich die Frage, in welcher Form die Equipe nach einer Serie von guten Ergebnissen auf eine erhebliche Enttäuschung reagieren wird?

«Die verpasste Chance macht weh. Das wird die Mannschaft nicht zurückwerfen. Valon macht weiter, Blerim ebenfalls - das ist extrem wichtig für die Gruppe. Die Jungen wissen, dass die Alten weiterhin Topleistungen zeigen wollen, um dabei zu sein. Das sind gute Voraussetzungen.»

Die Tendenz stimmt für Sie trotz der Ernüchterung von St. Petersburg?

«Wenn wir jetzt hier stehen und uns über den verpassten Sprung unter die Top 8 ärgern, werte ich diese Haltung als positiven Ansatz. Es tut gut zu spüren, dass die Ambitionen hoch sind, dass wir nach einem Achtelfinal-Out eben auch richtig sauer sind. Das zumindest ist kein schlechtes Zeichen für eine Schweizer Nationalmannschaft. Vor vier Jahren waren alle happy, zwei Turniere später sind wir verärgert, wollen wir mehr. Darum sage ich: Wir sind auf dem richtigen Weg.»

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