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Murat Yakins Rückkehr in den russischen Kosmos

Seit der Trennung von GC vor etwas mehr als zwei Monaten hat Murat Yakin geschwiegen. Nun spricht er mit Keystone-SDA - nicht über die Grasshoppers, sondern über die grosse Fussball-Bühne in Russland.
Hat Russland beim zweijährigen Engagement als Trainer von Spartak Moskau hautnah erlebt: Murat Yakin (Bild: KEYSTONE/URS FLUEELER)

Hat Russland beim zweijährigen Engagement als Trainer von Spartak Moskau hautnah erlebt: Murat Yakin (Bild: KEYSTONE/URS FLUEELER)

(sda)

Am Freitag fliegt Yakin zusammen mit Freunden per Charter nach Kaliningrad - zurück in jenen Staat, der ab dem Sommer 2014 während 24 Monaten seine Heimat war. Als Trainer von Spartak Moskau lernte der Wahl-Zürcher die Dimension Russlands kennen. «Wegen eines Cupspiels in der Region Chabarowsk flogen wir einmal durch sieben Zeitzonen. Wie riesig und spannend dieses Land ist, begreift man erst erst bei solchen Trips.»

In Moskau hätten viele fieberhaft versucht, die politische Vergangenheit zu verdrängen. Ausserhalb der Metropole hingegen lernte Yakin vor ein paar Jahren eine andere, ungefilterte Mentalität kennen. «Ich brauchte zwei, drei Monate, bis ich ansatzweise verstanden habe, wie ihre Kultur funktioniert.» Spartak war für ihn eine wichtige Erfahrung - gewissermassen eine persönliche Horizonterweiterung.

Yakin erlebte prägende Momente. Mit den negativen Ferndiagnosen kann er wenig anfangen. Die für West-Europäer teilweise schroffe Art im täglichen Umgang habe er als Schutzmechanismus einer Generation interpretiert, «die in einem uns komplett fremden System aufgewachsen ist und auch Jahrzehnte nach der Öffnung Mühe mit den Veränderungen bekundet».

Bei aller (westlicher) Kritik gegen den WM-Ausrichter überwiegen für Yakin die positiven Aspekte. Die russische Vielfalt sei ein belebendes Element. «Und vielleicht gehen alle hier etwas mehr aufeinander zu, werden zugänglicher.» Er könne sich gut vorstellen, «dass der eine oder andere Kritiker überaus positiv überrascht wird von den Russen».

Yakins Augenschein

Nun atmet Yakin in der russischen Exklave an der Ostsee ein paar Stunden Turnierluft ein. In Kaliningrad steht für ihn der Sport im Mittelpunkt. Der Coach ausser Dienst will den zweiten Schweizer WM-Auftritt vor Ort verfolgen. «Dieses Spiel interessiert mich extrem. Ich will spüren, wie weit die Schweizer sind, ob es ihnen gelingt, im offensiven Bereich präsenter zu sein», sagt Yakin zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Eine Linie weiter vorne muss das Spiel konkreter werden, im letzten Drittel ist ein nächster Schritt nötig.»

Gegen Brasilien sah der frühere GC- und Basel-Stratege eine SFV-Auswahl «mit zwei, drei überragenden Spielern. Yann Sommers Ruhe beeindruckte mich, Manuel Akanji trat für sein Alter unglaublich souverän und abgebrüht auf. Und klar: Valon Behrami machte das Spiel seines Lebens.» Aufgefallen sind dem Ex-Abwehrchef der Nationalmannschaft die vielen unnötigen Fehlpässe. «Das hat mich überrascht. Granit Xhaka hält die Bälle im Normalfall besser.»

Aus der Traineroptik dechiffriert er den Gameplan selbstredend mühelos: «Drei Sechser arbeiteten gegen hinten.» Blerim Dzemaili, der im eher defensiv ausgerichteten System von Vladimir Petkovic hinter der Sturmspitze zum Zug kommt, ist für Yakin ein weiterer Mittelfeldspieler, der sich mehrheitlich um die Abschirmung der eigenen Hälfte kümmert. «So ist er ja auch ausgebildet worden.»

Den serbischen Kontrahenten attestiert Yakin internationale Klasse: «Ihre Nationalmannschaft wird in der Öffentlichkeit weniger wahrgenommen. Die Namen der Brasilianer sind natürlich klingender, aber die meisten ihrer Spieler sind in Topligen unter Vertrag.» Sie würden wohl mit ziemlich breiter Brust antreten, mutmasst er.

Deutschlands Probleme

Ein Bild verschafft hat sich der Taktik-Freak natürlich auch von den übrigen Gruppen. Die überraschenden Punktverluste verschiedener Favoriten will Yakin nicht überbewerten: «Startspiele haben oftmals einen eigenen Charakter. Daraus sollte man noch nicht zu viel ableiten.»

Zwiespältig sei der Auftritt Deutschlands gewesen: «Drei bis vier Spieler haben ihre Leistung nicht gebracht. Mesut Özil beispielsweise geht schon länger nicht mehr dahin, wo es wehtut. Vor vier Jahren wirkten die Deutschen generell fokussierter und wollten den Titel von der ersten Sekunde an unbedingt.» Trotzdem prognostiziert er dem Weltmeister ein Comeback: «Ich bin überzeugt davon, dass sie die nächsten beiden Spiele gewinnen.»

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