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«Nicht bereit»: Schweizer Nationalteam in der Kritik

Nach dem erneuten Achtelfinal-Out an einer Endrunde prasselt Kritik auf das Schweizer Nationalteam ein. Der Tenor in den Medien lautet: Die Schweiz war nicht bereit, sie scheiterte an sich selbst.
Auch Teamleader Valon Behrami ist von der Kritik nicht befreit (Bild: KEYSTONE/LAURENT GILLIERON)

Auch Teamleader Valon Behrami ist von der Kritik nicht befreit (Bild: KEYSTONE/LAURENT GILLIERON)

(sda)

Es sei ein Spiel gewesen, «in dem die Schweizer einfach alles schuldig blieben», urteilt der «Tages-Anzeiger». Mitunter zweifeln die Schweizer Medien den vermeintlich starken Charakter des Nationalteams an. Zwar sei das Minimalziel erreicht worden, diejenigen, die eine Leaderrolle für sich beanspruchten, hätten aber versagt, schreibt der «Blick». Einzig der «Bund» sieht es in seiner Analyse etwas differenzierter: «Die Schweiz hat in Russland ihr Optimum erreicht. Auf mehr Glück gibt es keinen Anspruch.»

Eine Auswahl aus den Spielberichten und Kommentaren der grössten Schweizer Zeitungen:

Basler Zeitung: «Im entscheidenden Moment wieder nicht bereit - Die Schweiz wollte Geschichte schreiben. Nach dem gestrigen Spiel weiss man: Sie hat lediglich eine neue Episode einer bereits vorgespurten Handlung hinzugefügt. Im kapitalen Moment haben nun zum x-ten Mal die Nerven versagt. (...) Es war ein langweiliger Kick, die Mannschaft von Vladimir Petkovic enttäuschte auf der ganzen Linie. Vor allem die Schlüsselspieler enttäuschten: Valon Behrami agierte als Libero viel zu weit hinten. Granit Xhaka war ein Stratege ohne Einfluss, Xherdan Shaqiri blieb am rechten Flügel fast jedes Mal hängen.»

Aargauer Zeitung/Luzerner Zeitung/St. Galler Tagblatt: «Die Schweiz scheitert an sich selbst - Das Team von Trainer Petkovic zeigt seine schwächste Turnierleistung. Der blasse, uninspirierte Auftritt der Schweizer wirft Fragen auf. Es fehlten die Emotionen. (...) Die Tür steht weit offen, und dann dieser Auftritt. Die Geschichte des Versagens ist um ein Kapitel reicher. Waren die Niederlagen 2014 und 2016 noch nach heroischen Kämpfen zustande gekommen, bleibt nun nur das Kopfschütteln. Über eine behäbige Leistung ohne Leidenschaft, dafür voller Ideenlosigkeit.»

Berner Zeitung/Tages-Anzeiger: «Experten im Scheitern - Sie sind nicht so gut, wie sie selbst meinen und sagen. Der Match zeigt, dass sie die Schweiz bleiben, wie sie der Fussball kennt: solid, strebsam, aber nicht geschaffen für den Coup. Viele Teams haben den Ausreisser nach oben gehabt. Aber sie hatten in den entscheidenden Momenten das, was der Schweiz wieder einmal gefehlt hat: Feuer, die Fähigkeit, auf den Punkt bereit zu sein. Zur Aufarbeitung dieses WM-Achtelfinals gehört, dass zu viele Spieler nicht das boten, was von ihnen zu erwarten oder zu erhoffen war. (...) Es darf nicht untergehen, dass das kleine Land einen erstaunlichen Weg hinter sich hat.»

Der Bund: «Alles hat Grenzen - Es gibt keinen Grund, einer verpassten Chance nachzutrauern. Die Schweiz hat in Russland in Optimum erreicht. Und auf mehr Glück gibt es keinen Anspruch. Es ist Mode geworden, von der Schweizer Fussballnationalmannschaft Grosses zu erwarten. Aber es ist genauso angebracht, wenn wir, das Publikum, den Sinn für das Realistische nicht verlieren. Das heisst konkret: Der Achtelfinal ist ein gutes Abschneiden, für mehr hätte es vor allem eines gebraucht: mehr Glück. Aber davon hatte die Schweiz in der Qualifikation und an der Endrunde genug, auf mehr gibt es keinen Anspruch.»

Neue Zürcher Zeitung: «Ohne Ideen im Kopf, ohne Wut im Bauch - Die Schweizer siechen der Niederlage in einem eigenartigen Trott entgegen. Sie beendeten das Turnier mit ihrem schlechtesten Spiel. Den Schweizern fehlte jede Vision, jeder Mut. Sie blickten zu Boden statt zu den Sternen oder in Richtung Viertelfinal. Sie scheiterten an der Eintönigkeit und der Langsamkeit in ihrem Spiel. Ihnen fehlte die Lust an der Lust. Die Schweizer Attitüde in diesem Spiel widersprach dem Selbstvertrauen, das die Spieler wochenlang mit sich herumgeführt hatten.»

Blick: «Ideenlos! Harmlos! Glücklos! - Wir bleiben der ewige Achtelfinalist. Das ist die ernüchternde Erkenntnis nach der bitteren Schlappe gegen ein bescheidenes Schweden. Diesmal scheitern wir nicht wie 2014 gegen eine Weltauswahl wie Argentinien. Sondern gegen biedere Handwerker aus dem hohen Norden. Darum ist diese WM ein klarer Rückschritt. Versagt haben vor allem die, die enormes Selbstvertrauen besitzen und für sich in Anspruch nehmen, Weltklassefussballer zu sein. Ein Granit Xhaka, ein Xherdan Shaqiri. Einfluss hatten sie keinen. Leaderfiguren waren sie schon gar nicht. Die Schweiz hat nicht komplett versagt. Sie hat das absolute Minimalziel erreicht. Mehr nicht.»

20 Minuten: «Sie wollten so viel - und zeigten am Ende nichts - Was war das für ein schrecklicher Nachmittag. Das 0:1 gegen bemerkenswert talentfreie Schweden muss nicht nur Akanji schwer auf dem Magen liegen. Jeder Schweizer, der an diesem Nachmittag spielte, wird noch lange an diese verpasste Chance denken müssen. Die Nati hätte es in den Füssen gehabt, ihr erstes K.o.-Spiel der Geschichte zu gewinnen. Aber sie war nicht bereit. Sie war von Anfang an mehr von der Angst gelähmt, diese Partie zu verlieren, als dass sie von der Aussicht auf den ersten Schweizer Viertelfinal seit 1954 beflügelt gewesen wäre.»

Le Matin: «Der Schweiz fehlte das Überraschungsmoment - Keine Ideen in der Offensive, das ist der Eindruck, der haften bleibt. Die Schweiz hätte die Mittel gehabt, um weiterzukommen, schaffte es aber nicht.»

Corriere del Ticino: «Verdammt zum Mittelmass - Das Nationalteam wird von einem beschränkten, aber klugen Schweden eliminiert und muss sich hinterfragen.»

Reaktionen aus Schweden:

«Dagens Nyheter»: «Forsbergs Leistung schickte Schweden in den WM-Viertelfinal. Es war der grösste Match des schwedischen Nationalteams in zwölf Jahren. Und am Samstag wird es noch grösser.»

«Sydsvenskan»: «WM-Sommer verlängert - Schweden bereit für den Viertelfinal.»

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