Raphael Diaz: «Es ist gut, dass wir nun Klarheit haben»

Raphael Diaz hätte das Schweizer Team an der Heim-WM im Mai als Captain angeführt. Im Interview mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA spricht er über die Absage und wie er mit der Situation umgeht.

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Das «C» auf der Brust: Raphael Diaz hätte das Schweizer Nationalteam an der Heim-WM in Zürich und Lausanne als Captain angeführt

Das «C» auf der Brust: Raphael Diaz hätte das Schweizer Nationalteam an der Heim-WM in Zürich und Lausanne als Captain angeführt

KEYSTONE/MELANIE DUCHENE
(sda)

Raphael Diaz, was ging in Ihnen nach der definitiven Absage der Heim-WM vor?

«Mir ging nochmals die gesamte Situation durch den Kopf. Nach der Absage der Playoffs hoffte ich sehr, dass wenigstens die WM gespielt wird. In der Zwischenzeit war absehbar, dass diese nicht stattfindet. Was momentan abgeht, ist schon krass, da rückt der Sport extrem in den Hintergrund. Aus sportlicher Sicht ist es traurig, umso mehr, als es uns in den letzten paar Jahren im Eishockey schweizweit gelang, einen guten Groove hinzubekommen. Sehr viele Schweizer freuten sich extrem auf die Heim-WM. Insofern ist die Absage mehr als bitter.»

Sie hätten die Schweizer Mannschaft als Captain angeführt. Dieses Amt an einer Heim-WM auszuüben, ist speziell. Macht das die Absage für Sie noch bitterer?

«Das würde ich so nicht sagen, überhaupt nicht. Es geht nicht darum, wer Captain ist, sondern um den Sport, darum, das Ganze erleben zu dürfen. Das ist entscheidend. Es tut so oder so extrem weh.»

Hatten Sie Kontakt mit anderen Spielern?

«Nein, nicht gross. Vielleicht kommt das noch in den nächsten paar Tagen. Wir wurden immer direkt per WhatsApp informiert, waren dadurch immer auf dem Laufenden.»

Die Absage hatte sich abgezeichnet, dennoch mussten Sie sich bereithalten. Wie schwierig ist es, in einer solchen Situation fokussiert zu bleiben?

«Es ist eigentlich noch lustig. Nach der Absage der Playoffs nahm ich mir viel vor, um fit zu bleiben. Dann wurde es von Tag zu Tag schlimmer. Der Kraftraum ging zu, man durfte nicht mehr ins Stadion. Irgendwann dachte ich, wo trainierst du nun noch. Ich ging ab und zu von zu Hause aus joggen oder machte daheim Übungen. Natürlich ist das aber nicht das Gleiche wie im Kraftraum oder auf dem Eis.»

Die Ungewissheit ist nun weg. Brachte das eine Erleichterung mit sich?

«Ja, sicher. Es ist gut, dass die Absage schon jetzt gekommen ist und wir nun Klarheit haben. Sonst ist die WM immer im Hinterkopf. Es ist aber schon speziell, wenn die Saison Mitte März vorbei ist und du nicht weisst, wie es weitergeht. Das ist schräg.»

Sind Sie jemand, der negative Vorkommnisse wie in dieser Saison rasch ad acta legt?

«Das Ganze wird mich sicher noch irgendwie beschäftigen. Ich will die alte Saison für mich selber noch abschliessen. Nach den Playoffs oder der WM hast du in den nächsten ein, zwei Wochen immer noch Gedanken an verschiedene Situationen in den Spielen. Das ist nun nicht der Fall. Nun weiss ich gar nicht richtig, was ich analysieren soll. Das ist sicherlich speziell. Ich muss das alles zuerst schon verarbeiten, um genau zu wissen, was ich besser machen kann. Das hilft mir, um mich wieder zu motivieren. Ich habe nun jedoch genug Zeit, alles sauber abzuschliessen, damit ich mich wieder voll fokussieren kann, wenn das Sommertraining beginnt. »

Wie gehen Sie allgemein mit der schwierigen Situation um? Macht es Ihnen Angst?

«Auf jeden Fall halte ich mich an die Massnahmen des Bundes. Angst würde ich nicht unbedingt sagen, ich habe jedoch grossen Respekt davor. Es ist schon sehr speziell. Beim Einkaufen herrscht eine komische Stimmung, niemand will sich zu nahe kommen, niemand grüsst sich richtig, man hält immer Abstand. Da will man möglichst rasch wieder nach Hause.»

Im Negativen gibt es immer auch Positives. Sehen Sie diesbezüglich schon Aspekte?

«Auf den Sport bezogen, ist es zum jetzigen Zeitpunkt schwierig, etwas Positives zu sehen. Momentan überwiegen die negativen Gedanken. Auf der andere Seite sehe ich, was für einen schönen Job wir haben. Sport als Beruf ausüben zu dürfen, darüber bin ich immer wieder dankbar. Sehr vielen geht es schlechter als uns. Wichtig ist nun, dass die gesamte Schweiz zusammenhält. Jeder hat nicht nur Verantwortung für sich selber, sondern auch für die Mitmenschen.»