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SFV-Exponentinnen analysieren den bisherigen WM-Verlauf

Auch das Frauen-Nationalteam verfolgt mit Interesse die Männer-WM in Russland. Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg ist kritisch, Lia Wälti traut ihren SFV-Kollegen den Halbfinal-Einzug zu.
Martina Voss-Tecklenburg (rechts) und Lia Wälti waren mit der Schweiz bei der EM im letzten Jahr dabei (Bild: KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI)

Martina Voss-Tecklenburg (rechts) und Lia Wälti waren mit der Schweiz bei der EM im letzten Jahr dabei (Bild: KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI)

(sda)

Die Begeisterung über das bisher Gezeigte hält sich bei der deutschen Trainerin in Grenzen. «Ich bin nicht enttäuscht, aber schon überrascht, dass sich die vermeintlich grossen Teams doch sehr schwer tun, kreativen Tempofussball zu spielen und gegen eine massierte Abwehr Lösungen zu finden» sagt Voss-Tecklenburg. Womöglich sei in den letzten Jahren zu viel Wert auf Ballbesitz gelegt worden. «Man sieht wenige Spieler, die im höchsten Tempo 1:1-Situationen suchen, solche kreieren und auch gewinnen. Die Zielstrebigkeit auf das Tor ist etwas verloren gegangen.» Nur in 8 der bisher 48 WM-Partien fielen mehr als drei Tore.

Die anhaltende Tendenz, dass die kleinen Nationen nicht mehr klein sind, war aus Sicht Voss-Tecklenburgs abzusehen gewesen. «Es ist bislang ein defensiv orientiertes Turnier - und verteidigen können mittlerweile alle.» Ein weiterer Grund für die bisherigen Schwierigkeiten der Favoriten liegt für die 50-Jährige in der Qualität der Trainer. «Diese ist enorm gut, gerade auch in Ländern, die früher etwas belächelt wurden.» Viele Nationen hätten dort den Hebel angesetzt wie beispielsweise Island, wo in den letzten Jahren ein starker Fokus auf die Trainerausbildung gelegt worden sei. Unterschiede zur Spielentwicklung im Frauenfussball sieht sie keine. «Meistens kommen neue Tendenzen bei uns mit ein bis zwei Jahren Verspätung an - aber Fussball ist Fussball.»

Das Ausscheiden ihres Heimatlandes kam auch für Voss-Tecklenburg überraschend, war aber aus ihrer Sicht verdient. «Deutschland hat nie in den hohen Rhythmus gefunden. Und die Haltung, dass es irgendwie dann schon funktionieren wird, reicht eben nicht mehr, dafür sind die anderen zu gut geworden.“ Mexiko sei im ersten Spiel unterschätzt worden. «Grundsätzlich tut sich Deutschland immer schwer, wenn es gepresst wird, das hat sich auch gegen Südkorea gezeigt.“ Als dritter Titelverteidiger in Folge scheiterte die DFB-Auswahl bereits nach der Vorrunde. «Ein grosser Titel kann immer dazu führen, dass man nicht mehr so fokussiert, hungrig und mental auf der Höhe ist. Möglicherweise fehlte die Bereitschaft, alles zu geben.» Diese Faktoren seien aber schwierig zu beurteilen, da nicht messbar, so Voss-Tecklenburg, die den ersten Teil der WM in ihren Ferien auf Mallorca verfolgte. Als Weltmeister tippt sie trotz mässigem Start auf Frankreich.

«Man verfolgt ein gemeinsames Ziel»

Lia Wälti fieberte im Freundeskreis und in Public Viewings mit der Schweizer Nationalmannschaft mit. Die Partie gegen Serbien war aus ihrer Sicht das Schlüsselspiel für die Schweizer Achtelfinal-Qualifikation. «Ein Tor in letzter Minute setzt unglaubliche Emotionen frei, sowohl bei den Fans als auch bei den Spielern. Das kann ein Team noch mehr zusammenschweissen.» Die Erwartungen vonseiten der Medien und der Bevölkerung seien enorm. «Bereits bei uns hatte dies an der EM 2017 ein unglaubliches Ausmass angenommen», so die 25-jährige Bernerin. «Wie das nun bei den Männern ist, will ich mir gar nicht vorstellen.» Die Schweizerinnen verpassten 2017 in den Niederlanden ihr angestrebtes Ziel Viertelfinal und schieden in der Vorrunde knapp aus.

Die öffentliche Debatte über die Jubel-Gesten von Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri nach dem Serbien-Spiel fand Wälti übertrieben: «Der Fokus geht weg vom Fussball, das ist schade.» In der Frauen-Nationalmannschaft ist das Thema Migration kaum ein Thema, was auch damit zu tun haben dürfte, dass weniger Secondas in der Frauenauswahl des SFV spielen. «Es ist letztlich nicht entscheidend, welche Wurzeln der andere hat. Man ist ein Team, spielt für die gleiche Nationalmannschaft und verfolgt ein gemeinsames Ziel», so Wälti. Dass deswegen atmosphärische Störungen auftreten, glaubt sie nicht - im Gegenteil. «Das beste Mittel, um Probleme an einem solchen Turnier zu beseitigen oder einem Lagerkoller vorzubeugen, ist Erfolg zu haben.»

Und diesen traut Wälti ihren Kollegen zu. Vor allem von der zweiten Halbzeit gegen Serbien zeigte sie sich beeindruckt. «Wir haben eine sehr gute und erfahrene Mannschaft, die reif genug ist, um so weit zu kommen wie noch nie.» Letztmals erreichte die Schweiz an der Heim-WM 1954 die Runde der letzten acht. Aus Sicht Wältis hat die Schweiz nicht nur im Achtelfinal gegen Schweden gute Chancen, sondern auch in einem allfälligen Viertelfinal gegen England oder Kolumbien, auch wenn sie auf England als Weltmeister tippt. «Für uns ist der Halbfinal möglich.»

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