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Toni Kroos rettet Deutschland - und teilt aus

Toni Kroos erlöst Deutschland gegen Schweden mit seinem herrlichen Freistosstreffer in der 95. Minute zum 2:1. Der 27-Jährige ist der unumstrittene Chef in der Mannschaft von Joachim Löw.
Der deutsche Bundestrainer Joachim Löw wusste, bei wem er sich nach dem Sieg gegen Schweden zu bedanken hatte (Bild: KEYSTONE/EPA/RONALD WITTEK)

Der deutsche Bundestrainer Joachim Löw wusste, bei wem er sich nach dem Sieg gegen Schweden zu bedanken hatte (Bild: KEYSTONE/EPA/RONALD WITTEK)

(sda)

Als der Weltmeister wie ein angeschlagener Boxer in den Seilen hing, Bundestrainer Löw der Verzweiflung nahe stand, kaum einer mehr an den Sieg glaubte und den Deutschen das Schicksal aus den eigenen Händen zu gleiten drohte, offenbarte Toni Kroos im Olympiastadion von Sotschi seine Genialität. «Der Schuss ins Glück. Toni, du bist ein Fussballgott!», titelte die «Bild». Und die italienische «Gazzetta dello Sport» schrieb: «Deutschland: einmal Hölle und zurück.»

Mit seinem herrlichen Schlenzer von der Strafraumecke in den entfernten Torwinkel verhinderte Kroos nicht nur das mutmassliche Ausscheiden des Weltmeisters, sondern auch eine weitere tagelange Diskussion um die Mannschaft und seine Person. Ein Fehlpass von Kroos hatte das 1:0 der Schweden eingeleitet. Die Nonchalance, wie der Mittelfeldspieler in der Szene danach verteidigte, bot weitere Angriffsfläche, nachdem dieser bereits vor dem Gegentreffer gegen Mexiko (0:1) im defensiven Umschaltspiel nicht geglänzt hatte.

144 Ballkontakte

«Wenn man in einem Spiel 400 Pässe spielt, dann klappen eben zwei nicht», sagte Kroos, angesprochen auf die Szene in der 32. Minute. «Das erste Gegentor geht natürlich auf meine Kappe. Du musst dann aber die Eier haben, die zweite Halbzeit so zu spielen - das sehen dann nur die wenigsten.» 144 Ballkontakte zählten die Statistiker am Ende der Partie für Deutschlands Nummer 8 - eine herausragende Quote, die aber ohne den Geniestreich in der 95. Minute ein Muster ohne Wert geblieben wäre.

Bereits auf dem Weg zum WM-Titel in Brasilien 2014 war Kroos das Mastermind im deutschen Team gewesen - die Schlagzeilen gehörten aber mit Ausnahme des Halbfinals gegen Brasilien (7:1) anderen. Philipp Lahm, dem Captain, Bastian Schweinsteiger, dem Vorkämpfer im Mittelfeld, Miroslav Klose, dem WM-Rekordtorschützen, Manuel Neuer, dem besten Torhüter der Welt, oder Mario Götze, dem Siegtorschützen im Final im Maracanã in Rio de Janeiro.

Auch bei Kroos' Arbeitgeber Real Madrid sorgen andere für mehr Aufmerksamkeit. Denn Exzentrik und Bling-Bling sind nicht das Markenzeichen von Kroos, auch wenn er in Sachen Tattoos mit vielen seiner Berufskollegen mithalten kann. Was die sportliche Visitenkarte anbetrifft, können dem Deutschen aber nur wenige das Wasser reichen. Mit Bayern München und Real Madrid gewann er vier Meistertitel und viermal die Champions League. Einzig Cristiano Ronaldo hat die wichtigste Klub-Trophäe der Welt mehr gewonnen als der in Mecklenburg-Vorpommern an der Ostsee aufgewachsene Deutsche - dabei ist Kroos erst 27.

Kritik an den Kritikern

Dass Kroos das Potenzial zu einer Weltkarriere besitzt, hatte sich schon früh angedeutet. 2007 wurde er an der U17-WM in Südkorea zum besten Spieler des Turniers gewählt, mit 17 debütierte er bei Bayern München im Fanionteam, mit 20 folgte das Debüt im DFB-Trikot, ehe er in Südafrika seine erste WM bestritt. Gegen Schweden absolvierte Kroos sein 85. Länderspiel, nur Thomas Müller (93) und Mesut Özil (91) verzeichnen im aktuellen Kader mehr Einsätze für den DFB als der bekennende Roger-Federer-Fan.

Am Samstagabend setzte Kroos aber nicht nur auf dem Rasen, sondern auch in der Mixed Zone ein Ausrufezeichen. «Es hätten sich viele Leute gefreut, wenn wir rausgeflogen wären», sagte Kroos. «Aber so einfach machen wir es ihnen nicht.» Seine Kritik richtete sich an die «sogenannten Experten», die sich in den Tagen nach der Auftaktniederlage gegen Mexiko auf allen Kanälen geäussert hatten. Ob Spieler, Trainer oder der DFB, jeder bekam von Lothar Matthäus, Mario Basler, Stefan Effenberg und weiteren ehemaligen Grössen sein Fett weg.

Auch die Medien nahm Kroos bei seiner öffentlichen Schelte ins Visier: «Es wird uns keiner zum Titel schreiben, das muss alles von uns kommen.» Seit Samstag kurz vor 22 Uhr lebt der deutsche Traum von der ersten erfolgreichen Titelverteidigung an einer WM seit Brasilien 1962 wieder - dank Toni Kroos.

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