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Vom Training auf Probe zum Europameister und WM-Zweiten

Dass aus dem Genfer Jérémy Desplanches einmal ein Europameister und WM-Medaillengewinner wird, hätte noch vor fünf Jahren kaum einer gedacht. Nicht einmal sein Trainer.
Jérémy Desplanches zeigt in Gwangju die über 200 m Lagen gewonnene Silbermedaille (Bild: KEYSTONE/EPA/PATRICK B. KRAEMER)

Jérémy Desplanches zeigt in Gwangju die über 200 m Lagen gewonnene Silbermedaille (Bild: KEYSTONE/EPA/PATRICK B. KRAEMER)

(sda)

2:03,90 lautete die Bestzeit des international völlig unbekannten Schwimmers, der sich im Frühling 2014 von Genf in Richtung Côte d'Azur verabschiedete. Der damals schon grossgewachsene, aber noch eher schmächtige Teenager wollte künftig bei Olympique Nice Natation unter Anleitung von Fabrice Pellerin in einer international zusammengesetzten Gruppe mit Schwimmerinnen wie der Ungarin Evelyne Verraszto und der Französin Charlotte Bonnet trainieren.

Pellerin, der so erfolgreiche Trainer, der 2012 in London die Franzosen Yannick Agnel und Camille Muffat zu Olympia-Gold geführt hatte, nahm den damals 19-jährigen Jérémy Desplanches für eine Woche auf Probe in seine Elite-Trainingsgruppe auf. Das sei ein harter Schlag für sein Ego gewesen, erinnert sich der Romand. «Ich war immerhin Schweizer Meister. Aber ich schwamm im Training allen hinterher, auch den Frauen - und zwar mit einigem Rückstand.» Doch Desplanches biss sich durch, zumal die Fortschritte sich schnell einstellten.

«Sein Niveau war in Ordnung»

«Als Jérémy zu uns kam, war er ein Schwimmer mit viel Lust und Motivation. Sein sportliches Niveau war in Ordnung», erinnerte sich Pellerin im vergangenen Jahr, nachdem sein Schützling in Glasgow sensationell Europameister geworden war. Gleichzeitig gab der französische Erfolgstrainer im Rückblick zu, dass er Desplanches eine solche Karriere keineswegs zugetraut hätte. «Als ich ihn 2014 die ersten paar Mal schwimmen sah, hätte ich nicht gedacht, dass er über die 200 Meter Lagen schneller als 1:59 Minuten sein würde. Unter die zwei Minuten zu kommen und den Final an einem Grossanlass zu erreichen, das hätte ich für ihn bereits als sehr gutes Resultat angesehen.»

Pellerin sollte sich irren - und wie: Den 1:59 kam Desplanches bereits im WM-Halbfinal 2015 in Kasan sehr nahe, zwei Jahre später in Budapest erreichte er bereits den WM-Final - mit Zeiten von 1:57,59 bis 1:56,86. 2018 in Schottland folgte für den Genfer bereits der Titelgewinn auf kontinentaler Stufe, nun in Südkorea resultierte in persönlicher Bestzeit von 1:56,56 mit WM-Silber der nächste Grosserfolg.

Die Lektion für den Trainer

Über Desplanches' Aufstieg und dessen Erfolge freut sich nicht zuletzt auch der Trainer. «Entzückt» sei er sogar, sagte Fabrice Pellerin schon im August 2018, «dass sich all sein Schweiss in den Trainings und die Unerbittlichkeit in seinem Alltag für Jérémy gelohnt haben». Gleichzeitig sprach der Franzose davon, «dass auch ich dank Jérémy viel lernen durfte, nämlich das, dass man mit Ausdauer, Professionalität, Bestimmtheit und Gewissenhaftigkeit die Erwartungen eines Trainers übertreffen kann. Das war eine gute, ja sehr gute Lektion für mich.»

Im Mai sagte Pellerin gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA: «Wenn sich Jérémy nochmals um eine Sekunde steigert, dann ist alles möglich.» Dieses Mal ist aus Schweizer Sicht zu hoffen, dass sich der renommierte Trainer bei seiner Einschätzung nicht erneut irrt. Zumindest drei Zehntel des Weges hat Desplanches in Südkorea schon zurückgelegt. Für den Rest hat er bis Tokio noch zwölf Monate Zeit.

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