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Zlatan Ibrahimovic: Nicht dabei, aber mittendrin

Schweden startet heute mit Sorgen im Sturm in die WM. Auch deshalb ist viel von Zlatan Ibrahimovic die Rede. Der Stürmer ist zwar nicht dabei, aber trotzdem mittendrin.
Zlatan Ibrahimovic ist noch immer omnipräsent rund ums schwedische Nationalteam (Bild: KEYSTONE/EPA/ANDREW GOMBERT)

Zlatan Ibrahimovic ist noch immer omnipräsent rund ums schwedische Nationalteam (Bild: KEYSTONE/EPA/ANDREW GOMBERT)

(sda)

Man weiss nicht so recht, ob nun Zlatan Schweden einen Korb gegeben hat oder umgekehrt. Nationalcoach Janne Andersson ist froh, wenn so wenig wie möglich über den abwesenden Star geredet wird, und der Star selber spricht zwar gern über sich, bleibt aber oft kryptisch in seinen Aussagen. Fakt ist: Schweden bestreitet seine erste WM seit 2006 ohne jenen Spieler, der den heimischen Fussball in den letzten Jahren so sehr geprägt hat und bis 2016 zehnmal in Folge schwedischer Fussballer des Jahres war.

Einen Ersatz für Ibrahimovic hat Schweden nicht. Das Toreschiessen fällt den Skandinaviern schwer. Seit sie mit dem torlosen Remis in Mailand im letzten November auf Kosten des vierfachen Weltmeisters Italien die WM-Qualifikation geschafft haben, erzielten sie in sechs Testspielen zwei Treffer: beim 1:1 gegen Estland und der 1:2-Niederlage gegen Chile. Einer für die brillanten Momente würde dieser Mannschaft gut anstehen, einer wie Ibrahimovic halt.

Doch in Schweden findet sich kaum ein Exponent, der sich für die Rückkehr des 36-Jährigen ausgesprochen hat. Seit dem Rücktritt des Stürmers nach der EM 2016 präsentiert sich Schweden als homogenes, solidarisches Team. Die Angst, Ibrahimovic würde Unruhe in das Ensemble bringen, war gross, offenbar auch zu gross für Andersson. Dass Ibrahimovic, der seit Anfang Jahr in Los Angeles spielt, nochmals gern auf der ganz grossen Bühne gestanden hätte, scheint offensichtlich.

Wenn es nach Ibrahimovic geht, können gar nicht zu viele Scheinwerfer auf ihn gerichtet sein. Seit Beginn der WM setzt er sich in Russland wirkungsvoll in Szene, gibt zu allem seine Meinung ab und zeigt sich vor dem Eröffnungsspiel auf dem Rasen oder in einem Hotel zusammen mit Gerhard Schröder und Nicolas Sarkozy. Im schwedischen Camp reagiert man mittlerweile gereizt auf Fragen, die auf Ibrahimovic abzielen. Seit der geschafften WM-Qualifikation dreht sich gar viel um den abwesenden schwedischen Rekordtorschützen (62 Tore in 116 Länderspielen).

«Glauben Sie wirklich, das würde helfen?»

Die Schuld an seiner Nicht-Berücksichtigung fürs Turnier gab Ibrahimovic den Medien und wählte für seine Kritik gegenüber einem amerikanischen TV-Sender jenen ironischen Ton, der ihn eben auch auszeichnet: «Nach Meinung der Medien sind sie besser ohne mich, also glaube ich ihnen auch.» Dass die Schweden besser sind ohne Ibrahimovic, ist die weit verbreitete Meinung im Land. Das Trikot mit der Nummer 10 hat Emil Forsberg geerbt, der Spieler von Leipzig, dessen Grossvater und Vater schon Profispieler waren.

Gewisse Ressentiments wegen seiner Herkunft will Ibrahimovic, der sich vom armen Vorort in Malmö hoch gearbeitet hat, bei der Berichterstattung der Medien erkannt haben. Fast gleichzeitig gab er sich aber versöhnlich und meinte, das Team habe die Qualifikation ohne ihn geschafft, und die aufgebotenen Spieler seien deshalb zu Recht in Russland dabei. Er lobte auch die schwedischen Fans und sprach der Mannschaft vor dem ersten Spiel in Nischni Nowgorod gegen Südkorea sein Vertrauen aus.

Der Schatten von Ibrahimovic wird Schweden so lange verfolgen, bis die Tore fallen. Doch wer kann sie schiessen, ist die grosse Frage. Die beste Ausbeute im Nationalteam hat mit 18 Treffern Marcus Berg, der in den Vereinigten Arabischen Emiraten spielt. Bergs Sturmpartner Ola Toivonen erzielte mit Toulouse in der vergangenen Ligue-1-Saison kein einziges Tor. Etwas Ruhe im Umfeld könnte den Nachfolger von Ibrahimovic vielleicht helfen, doch darauf kann die Mannschaft kaum zählen. Auf die Frage, ob er Ibrahimovic bitten werde, etwas Zurückhaltender zu sein, antwortete Lars Richt, Schwedens Teammanager, rhetorisch: «Glauben Sie wirklich, das würde helfen?»

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