Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

100 Franken für Blindenhund Kalle: Wie ein HSG-Direktor aus Versehen in den Spesenmissbrauchs-Sumpf geriet

Ausgerechnet die Wirtschaftsethik zählt ebenfalls zu den HSG-Instituten, die von der Finanzkontrolle wegen Mängeln bei ihren Spesen- und Honorarrechnungen gerügt werden. Von Missbräuchen ist das Institut für Wirtschaftsethik aber weit entfernt, sagt sein Direktor Thomas Beschorner. Er selber ist mit privaten Ausgaben für die Hotelübernachtungen eines Blindenhundes betroffen, den er als Hundepate mitführte. Wahrlich eine Petitesse – oder Hundeposse.
Marcel Elsener
Thomas Beschorner, Direktor des Instituts für Wirtschaftsethik an der HSG, kümmerte sich um Blindenhund Kalle – ein Engagement mit Folgen. (Bilder: pd)

Thomas Beschorner, Direktor des Instituts für Wirtschaftsethik an der HSG, kümmerte sich um Blindenhund Kalle – ein Engagement mit Folgen. (Bilder: pd)

Auch das Institut für Wirtschaftsethik (IWE) taucht im kritischen Revisionsbericht der kantonalen Finanzkontrolle auf. In der Öffentlichkeit wurde dies je nach Standpunkt mit Häme oder Enttäuschung registriert. Nur: Die festgestellten Mängel seien «Petitessen, nichts Schwerwiegendes», meint der frühere Institutsdirektor Peter Ulrich.

Grösstenteils handelt es sich um verwaltungstechnische Unklarheiten, die der Doppelstruktur der HSG aus universitärem Kernbereich und Instituten geschuldet sind. Wie andere Institute finanziert sich das IWE überwiegend über selbst eingeworbene Forschungsprojekte und Weiterbildungsveranstaltungen - fast wie ein KMU.

«Natürlich wäre es eine tolle Story, wenn man sagen könnte: Sogar in der Wirtschaftsethik an der HSG...», sagt IWE-Direktor Thomas Beschorner.

«Damit können wir aber nicht dienen. Es gibt am IWE keinerlei finanzielle Missbräuche, unrechtmässige Nebenbeschäftigungen oder sonst was.»

Die Beanstandungen beträfen administrative Fragen, wie nicht klar gekennzeichnete Rückstellungen für künftige Projekte. Gleiches gilt für Honorare einer Weiterbildung, deren Auszahlung «unterschiedlich interpretiert» wurde. «Wir haben sofort reagiert und klären die Formalitäten, aber niemand hat mehr für sich beansprucht als erlaubt.»

Professor nahm Blindenhund an Uefa-Tagung mit, um ihn an die soziale Welt zu gewöhnen

Kurios ist eine Privatauslage von 100 Franken auf einer Hotelrechnung, die Institutsdirektor Beschorner selber betreffen. Es geht um vier Nachtzuschläge von je 25 Franken für einen Blindenhund in Ausbildung, den der Professor bei einer Tagung der Uefa in Nyon mitführte. Beschorner engagierte sich ein Jahr lang ehrenamtlich als Hundepate bei der Stiftung Ostschweizerische Blindenführhundeschule – mit der Aufgabe, den Labrador-Welpen Kalle an die soziale Welt zu gewöhnen und ihn dadurch auf seine künftigen Tätigkeiten als Blindenführhund vorzubereiten. Beschorner sagt schmunzelnd:

«Deshalb war Kalle immer und überall dabei und hat dabei auch diverse Ethik-Vorlesungen gehört.»

Dafür hatte der Dozent eine Sondergenehmigung der Universität St.Gallen.

«Der Posten auf der längeren Hotelrechnung ist mir schlichtweg durch die Lappen gegangen. Selbstverständlich habe ich den Betrag sofort zurück überwiesen.» Der Wirtschaftsethiker ist also buchstäblich auf den Hund gekommen – Kalles Hotelübernachtung an der Uefa-Tagung war Privatsache des Hundepaten.

Der Hund im HSG-Newsletter

Zuguterletzt hat die Rüge der Finanzkontrolle, die Beschorners Versehen ans Licht brachte, einen hübschen Nebeneffekt – nun dürfte nämlich eine breitere Öffentlichkeit Kenntnis nehmen vom Beitrag des Herrchens im Newsletter der HSG kurz vor Weihnachten 2017. Betitelt «Kalle in Verantwortung, Wirtschaft in Verantwortung», zieht der Wirtschaftsethiker quasi blindenhündische Analogien zu seinem Fachgebiet: «Eine im Englischen geläufige Bezeichnung für einen Blindenführhund lautet «seeing eye dog», welch schöne Bezeichnung für das, um was es in mehreren Hinsichten geht: Sensibel und wahrnehmend mit anderen durch die Welt gehen, sich dabei an fundamentale Regeln halten, aber nicht die Augen vor Missständen verschliessen, sondern stattdessen engagiert die Stimme erheben: wauwau!»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.