Ab über die Grenze und Vollgas: Junge Autolenker aus der Schweiz zieht es für illegale Strassenrennen in die Region Konstanz

Immer mehr junge Schweizer liefern sich illegale Autorennen mit ihren hochmotorisierten Fahrzeugen auf deutschem Boden in der Region Konstanz.

Lukas Belic
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 Zwei Autos messen sich in einem Wettlauf gegen die Zeit.

 Zwei Autos messen sich in einem Wettlauf gegen die Zeit.

Peter Cade / Stone RF

Sie fahren nebeneinander, bremsen nahezu bis zum Stillstand ab und drücken dann wieder voll aufs Gas. Illegale Strassenrennen auf der anderen Seite der Grenze in der Region Konstanz häufen sich in letzter Zeit. In 95 Prozent der Fälle handelt es sich bei den Fahrern um Schweizer von 18 bis 25 Jahren. 2019 und in den beiden ersten Monaten dieses Jahres seien insgesamt 18 illegale Rennen angezeigt worden.

«In 16 Fällen, bei denen die Beteiligten ermittelt wurden, waren insgesamt 29 Schweizer beteiligt», sagt Herbert Storz, Pressesprecher bei der Polizei Konstanz. Darunter seien fünf Thurgauer. Die Autos, die für solche Rennen verwendet werden, seien hochmotorisierte und getunte Fahrzeuge der Marken BMW und Mercedes mit einer Leistung von 400 bis 600 PS. Storz sagt:

«Ab und an sind auch exotische Fahrzeuge wie  ein Nissan GTR mit 1800 PS, sowie Ferraris und Porsches festgestellt worden.»

Das jüngste Beispiel passierte am Freitag vor einer Woche. Die Polizei wurde um etwa 21 Uhr auf ein Beschleunigungsrennen zweier Schweizer Fahrzeuge auf der Bundesstrasse 33 – einer Strasse mit Gegenverkehr – aufmerksam gemacht. Die beiden Fahrer lieferten sich ein Rennen, bei dem sie zum Teil nebeneinander fuhren und so den Verkehr behinderten.

Nach sofortiger Fahndung konnte ein Auto mitsamt dem Fahrer aus dem Verkehr gezogen werden. Der andere Beteiligte stellte sich kurze Zeit später, allerdings ohne seinen Führerschein und ohne seinen Mercedes.

Es werden immer mehr

Gegenüber dem Vorjahr nehmen derartige Rennen zu. «2019 wurden insgesamt 13 illegale Kraftfahrzeugrennen bearbeitet», sagt der Pressesprecher. Dieses Jahr gäbe es in den ersten beiden Monaten bereits fünf solcher Vorfälle. Besonders häufig würden solche Rennen ab dem Hegauer Kreuz auf den Autobahnen A91 Richtung Augsburg und A98 Richtung Stockach, sowie auf der Bundestrasse 33 Richtung Ravensburg stattfinden.

Deutschland ist attraktiver für Raser

Der Thurgauer Kantonspolizei sind Autorennen auf Thurgauer Gebiet nicht bekannt. Es käme hin und wieder zu Geschwindigkeitsüberschreitungen, dabei handle es sich jedoch meistens um einzelne Fahrzeuge. Dass die Rennen vor allem in der deutschen Grenzregion ausgetragen werden, liege laut der Polizei Konstanz daran, dass in Deutschland weniger kontrolliert werde als in der Schweiz. Auch Geschwindigkeitsbegrenzungen auf den Autobahnen gebe es nur sporadisch und das Strafmass sei insgesamt niedriger als in der Schweiz. Die Chance, dass ein Raser straffrei ausgehe, sei auch deshalb höher, da die deutsche Polizei weniger Informationen über die Schweizer Poser- und Rennszene besitze.

Ein extra Artikel im Strafgesetzbuch

Doch die deutschen Behörden nehmen die illegalen Autorennen sehr ernst. Das zeigt der im Herbst 2017 eingeführte Autorennartikel im deutschen Strafgesetzbuch. Laut diesem müssen Teilnehmer eines illegalen Autorennens mit bis zu zwei Jahren Gefängnis oder einer Geldstrafe rechnen. Falls andere Verkehrsteilnehmer bei einem solchen Rennen in Gefahr geraten oder verletzt werden, könne der Verursacher bis zu zehn Jahren in den Knast wandern.

Die Gesetzeslage in der Schweiz

Das schweizerische Strafrecht enthalte im Strassenverkehrsgesetz mit einer Mindeststrafe von einem Jahr Freiheitsstrafe zwar eine mögliche Sanktion für unbewilligte Autorennen, erklärt Marco Breu, der Sprecher der Thurgauer Staatsanwaltschaft. Jeder Fall eines illegalen Autorennens müsse aber separat rechtlich beurteilt werden. «Aus diesem Grund ist auch keine allgemeingültige Aussage zum Strafmass betreffend Autorennen möglich», sagt Marco Breu.

Unterm Strich bleibt, dass solche Rennen auch für Unbeteiligte sehr gefährlich werden können. Die Polizei appelliert deshalb an Autofahrer, die Zeugen eines solchen Rennens werden, dies umgehend bei der Polizei zu melden.

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