Der Nullstern-Butler bettet seine Gäste nun unter dem Herisauer Sternenhimmel

Die Alpenbritsche von Köbi Dietrich ist umgezogen. Weil die offene Schlafgelegenheit auf der Alp Göbsi nicht bewilligt wurde, steht sie jetzt bei seinem Bauernhof in Herisau .

Karin Erni
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Teilzeitgastgeber Köbi Dietrich vor seiner Alpenbritsche in Herisau. (Bild: Karin Erni)

Teilzeitgastgeber Köbi Dietrich vor seiner Alpenbritsche in Herisau. (Bild: Karin Erni)

Als Butler im Nullstern-Projekt der Gebrüder Riklin hatte der Herisauer Köbi Dietrich einiges an Medienpräsenz. Besucher aus der ganzen Welt wollten im Sommer 2017 auf der Alp im Appenzellerland unter freiem Himmel schlafen. Der Alphirt und seine Familie waren um das Wohl der Gäste besorgt. Als das Kunstprojekt im Herbst zu Ende ging, habe ihnen etwas gefehlt, sagt Dietrich. «Wir hatten uns daran gewöhnt, immer Gäste zu haben.» Es sei eine schöne Abwechslung und man lerne interessante Leute kennen.

«Die Menschen wollen wieder vermehrt zurück zur Natur und besondere Erlebnisse haben», ist Dietrich überzeugt. Also lancierte er im Folgejahr auf der Alp Göbsi sein eigenes Übernachtungsprojekt, die «Alpenbritsche». Es ist eine Art mobile Alphütte mit drei Wänden und einem Plexiglasdach. Ein Zimmermann hat alles nach seinen Ideen umgesetzt. Doch das Vorhaben stiess bald auf Widerstand. Die Gemeinde Hundwil liess ihn zwar die Saison noch zu Ende führen, verlangte für den Weiterbetrieb aber eine Baubewilligung. Der Kanton Appenzell Ausserrhoden als zuständige Instanz wollte diese nicht erteilen, weil der Ort sehr exponiert ist und weil Nachahmer befürchtet wurden, vermutet Dietrich.

«Schlafen im Stroh hätten wir machen können, aber das wollten wir nicht. Wir möchten ja keine bestehenden Übernachtungsangebote konkurrenzieren.»

Also blieb den Dietrichs nichts anderes übrig, als die Alpenbritsche in Herisau aufzustellen. Hier vermietet die Familie bereits ein Zimmer im eigenen Bauernhaus. Nun hat der Kanton für die Herisauer Alpenbritsche die Bewilligung erteilt.

Köbi Dietrich arbeitet halbtags bei den SOB. Am Abend ist er für die Gästebetreuung zuständig, weil Ehefrau Ursula im Sommer die Alp Göbsi bewirtschaftet. «Leider sind meine Englischkenntnisse immer noch nicht besser geworden», sagt er lachend. Doch das scheint kein Hindernis zu sein. «Irgendwie verstehen wir uns immer, wenn nötig nehme ich noch Hände und Füsse zu Hilfe.»

Bereits Stammgäste geschaffen

An Gästen mangle es nicht, sagt Dietrich. «Es hat sich herumgesprochen. Einige durften wir schon zum dritten Mal beherbergen.» Bei der Vermarktung des Angebots hilft auch das Internet. Auf der Buchungsplattform «Booking.com» hat der Hof Dietrich die beste Bewertung in Herisau. «Ich hab mich auf dem Hof wie zu Hause gefühlt. Die Familie ist sehr sympathisch und als Tierliebhaber ist man da sehr gut aufgehoben», schreibt ein Besucher aus Deutschland. Es sei sogar einmal vorgekommen, dass eine Familie mit Kindern gar nicht mehr habe gehen wollen, erzählt Dietrich lachend. «Die haben sich mit den nachfolgenden Gästen das Zimmer geteilt.» Der kurligste Gast sei ein 23-jähriger Mann aus Saudi-Arabien gewesen, erzählt Dietrich. «Er ist mit einem fetten Audi beim Hof vorgefahren. So einen habe ich noch nie gesehen.» Trotz anfänglicher Vorbehalte hätten sie es am Schluss lustig gehabt zusammen.

Reich werde man mit der Gästebeherbergung nicht, sagt Dietrich, denn es seien immer wieder Investitionen nötig. «Doch es ist schön, wenn die Rechnung am Schluss einigermassen aufgeht.»