Digitalisierung
Strafanzeigen erstatten vom Stubentisch aus: Innerrhoder Polizei geht neue Wege

Ab sofort können einfache Delikte in Appenzell Innerrhoden auf einem Online-Polizeiposten gemeldet werden. Vorteile bringt dies vor allem der Bevölkerung.

Jesko Calderara
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Die Kantonspolizei AI will mit dem neuen Angebot kundenfreundlicher werden.

Die Kantonspolizei AI will mit dem neuen Angebot kundenfreundlicher werden.

Bild: Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Wer in Appenzell Innerrhoden sein gestohlenes Velo oder eine Sachbeschädigung melden will, muss dafür ab 1. Juni nicht mehr auf den Polizeiposten gehen. Neu können einfache Delikte mit Tatort im Kanton auf der Website www.suisse-epolice.ch angezeigt werden. Damit werde in der kantonalen Verwaltung die Digitalisierung weiter vorangetrieben, heisst es in einer Medienmitteilung. Suisse ePolice ist eine einheitliche Onlineplattform, welche mehrere Schweizer Polizeikorps bereits seit einiger Zeit anbieten. Appenzeller Innerrhoden tat dies bis anhin noch nicht. «Wir waren in der Ostschweiz in dieser Hinsicht ein weisser Fleck», sagt Mediensprecher Roland Koster. Dies soll sich nun ändern.

Konkret hat die Bevölkerung neu die Möglichkeit, einfache Delikte bei der Kantonspolizei AI in einem digitalen Polizeiposten anzuzeigen. Diese Plattform ist über die Website des Kantons (www.ai.ch) oder direkt auf www.suisse-epolice.ch erreichbar. Verschiedene polizeiliche Dienstleistungen stehen so bequem rund um die Uhr elektorionisch zur Verfügung. So können beispielsweise nebst den eingangs erwähnten Delikten auch Diebstähle von elektronischen Geräten, Sportgeräten und anderen Gegenständen, ein Kontrollschildverlust oder -diebstahl angezeigt sowie Waffenerwerb und -übertragung von zu Hause aus gemeldet werden.

Auf der schweizerischen Plattform Suisse ePolice können verschiedene Dienstleistungen online genutzt werden.

Auf der schweizerischen Plattform Suisse ePolice können verschiedene Dienstleistungen online genutzt werden.

Printscreen: APZ

«Damit muss man für den Gang auf den Polizeiposten nicht mehr einen halben Tag freinehmen», sagt Koster. Letztlich gehe es darum, die Kundenfreundlichkeit zu erhöhen. Für die Kantonspolizei bringe die neue Lösung dagegen keine Vorteile in Form von weniger administrativen Aufwand, so Koster.

Bei schweren Straftaten braucht es den Gang auf den Polizeiposten

In den vergangenen Wochen und Monaten wurden in der Innerrhoder Verwaltung die technischen Voraussetzungen geschaffen, damit Suisse ePolice künftig reibungslos funktioniert. Zur Onlineplattform der Polizeikorps gibt es auch eine App, die ab den gängigen Stores auf mobilen Geräten installiert werden kann. Die persönlichen Angaben zur Meldung werden dabei verschlüsselt an die Polizei weitergegeben. Wer eine Anzeige machen möchte, muss sich zudem beim Online-Polizeiposten mit seinen Personalien und der Ausweisnummer registrieren. Damit soll verhindert werden, dass Falschanzeigen eingehen.

Das digitale System hat jedoch Grenzen. So ersetzt Suisse ePolice gemäss der Medienmitteilung allerdings nicht die persönliche Anzeige auf dem Polizeiposten, wenn eine schwere Straftat vorliegt oder wenn Hinweise auf eine mögliche Täterschaft bestehen. Wer verdächtige Beobachtungen macht oder sofort Hilfe benötigt, ruft weiterhin den Polizeinotruf 117. Wie stark das neue Angebot genutzt wird, kann Roland Koster nicht abschätzen. Er geht allerdings nicht davon aus, dass die Kantonspolizei «überrannt» wird, zumal es in Innerrhoden sowieso verhältnismässig wenige Delikte gibt.

Geringe Nachfrage in Appenzell Ausserrhoden

Bei der Ausserrhoder Kantonspolizei besteht seit rund sieben Jahren die Möglichkeit, mittels Suisse ePolice Strafanzeigen aufzugeben. «Diese Anzeigeart wird punktuell genutzt», sagt Anton Sonderegger, Mediensprecher der Kantonspolizei AR. Im Durchschnitt sind es pro Jahr 20 bis 25 Anzeigen, die online eingereicht werden. Der Hauptteil der Strafanzeigen erfolgt gemäss Sonderegger in Ausserrhoden noch immer persönlich oder direkt am Ereignisort. Dies könnte sich künftig jedoch ändern, weil das Angebot über das Onlineportal laufend ausgebaut wird.