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«Eine erneute Ablehnung hätte ich nicht ertragen»

«Ich und meine Töchter haben meinen Mann immer an die Landsgemeinde begleitet, durften aber nie in den Ring»: Elisabeth Eschler erinnert sich an den steinigen Weg zur Einführung des Frauenstimmrechts.

An der ersten «Frauenlandsgemeinde» 1990 war auch Elisabeth Eschler, damalige Bühlerer Gemeindepräsidentin, anwesend. Ihr Name war der erste weibliche, der im Ring genannt wurde – und dies völlig unerwartet. Denn Elisabeth Eschler wurde ohne ihr Wissen als Kandidatin für das Amt der Regierungsrätin vorgeschlagen. Nur ganz knapp unterlag sie damals Ernst Graf. Und Ausserrhoden musste weitere vier Jahre warten, bis mit Marianne Kleiner und Alice Scherrer die ersten Frauen Einzug in die Kantonsregierung hielten.

1989 befand die Landsgemeinde über die Einführung des Frauenstimmrechts. Wie nahmen Sie die Stimmung damals wahr?

Elisabeth Eschler: Ich und meine Töchter haben meinen Mann immer an die Landsgemeinde begleitet, durften aber nie in den Ring. An jenem Landsgemeindesonntag 1989 konnte ich nicht nach Hundwil gehen. Ich hätte es schlicht nicht ertragen, wenn das Frauenstimmrecht wieder abgelehnt worden wäre. Es war einfach der Wahnsinn, als ich davon erfuhr. Ich war komplett aus dem Häuschen.

Elisabeth Eschler, erste Frau Gemeindehauptmann von Bühler. (Bild: pd)

Elisabeth Eschler, erste Frau Gemeindehauptmann von Bühler. (Bild: pd)

Warum haben sich die Ausserrhoder denn so dagegen gestemmt?

Einige Männer haben das den Frauen wohl nicht zugetraut, das habe ich als Vorsteherin der Bühlerer Baubewilligungskommission Anfang der 1980er-Jahre selber erfahren müssen. Andere hatten einfach Angst um die Tradition Landsgemeinde. Auch hatte ich schon das Argument gehört, dass wenn Frauen mitstimmen könnten, die Schweiz linkslastig würde. Oder aber dass es sowieso unnötig sei, denn wenn der Mann anderer Meinung sei als die Frau, würden sich die beiden Stimmen gegenseitig wieder aufheben. Solche Argumente sind unsinnig.

Es gab aber auch Frauen, die das Frauenstimmrecht hinterfragten...

Am 1. Februar 1959, als ich in Luzern an der Schule war, wurde über das Frauenstimm- und Wahlrecht abgestimmt. Damals dachte auch ich noch: Das brauchen wir nicht. Warum ich so gedacht habe, kann ich mir heute nicht mehr erklären. Vielleicht ist auch die Tradition, der Brauch und meine damalige Jugendlichkeit ein Mitgrund, denn auch mein Vater war damals noch dagegen.

Wie haben Sie die erste Landsgemeinde mit Frauenvertretung wahrgenommen?

Es waren sehr viele Frauen da. Hingegen gab es Männer, die danach prinzipiell nicht mehr an die Landsgemeinde gegangen sind. Die Landsgemeinde war unbestritten eine schöne Tradition und es ist schade, dass sie nicht mehr existiert. Das Stimmgeheimnis, das mit der Landsgemeinde allerdings verletzt wurde, wiegt schwerer. Von daher war es für mich nur richtig, die Landsgemeinde 1998 abzuschaffen, bevor sie langsam sowieso gestorben wäre. (pag)

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