Säntisgebiet
Nach Absturz von Kleinflugzeug im Alpstein: Bergung des Wracks bis Montag nicht möglich +++ 63-jähriger Pilot wollte nach Italien fliegen

In der Nähe des Säntis ist am Mittwoch eine Cessna abgestürzt. Die Ermittlungen gestalten sich schwierig: Aufgrund des schlechten Wetters und der Gefahr von Steinschlag konnten vorerst keine Einsatzkräfte im Unglücksgebiet abgesetzt werden. Die Unglücksmaschine war in Deutschland gestartet und auf dem Weg nach Italien, als es zum Absturz kam.

Daniel Walt/Viviana Troccoli
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Video: CH Media

«Wir müssen davon ausgehen, dass niemand dieses Flugzeugunglück überlebt hat.» Das sagt Hanspeter Krüsi, Leiter Kommunikation der St.Galler Kantonspolizei. Tags zuvor, kurz nach 13.35 Uhr, hatte die Flugüberwachungsfirma Skyguide Alarm geschlagen: Ein Kleinflugzeug wurde im Bereich des Säntis vermisst. In der Folge wurde ein Grosseinsatz der Rettungsorganisationen von Appenzell Ausserrhoden und St.Gallen eingeleitet. Auch die Armee und die Rega waren in die Suche nach der Maschine involviert.

Blick auf Teile des verunglückten Flugzeugs.

Blick auf Teile des verunglückten Flugzeugs.

Bild: Kapo SG

Die Absturzstelle liegt auf St.Galler Kantonsgebiet im Bereich Grüehorn auf rund 1700 Metern über Meer, nahe der Silberplatten:

Das Wrack des Kleinflugzeugs wurde im Bereich Grüehorn in der Nähe der Silberplatten gefunden.

Das Wrack des Kleinflugzeugs wurde im Bereich Grüehorn in der Nähe der Silberplatten gefunden.

Bild: Kapo SG/Google Street View

Zunächst lagen der Polizei Aufnahmen vor, die Rega und Armee von der Unfallstelle gemacht hatten. In der Folge gelang es den Ermittlern, sich mit Drohnenbildern einen genaueren Überblick über die Situation vor Ort zu verschaffen. «Das Absturzgebiet und das ganze Ausmass des Unglücks sind uns klar», sagte Hanspeter Krüsi am frühen Donnerstagmorgen. Der Zerstörungsgrad der Maschine sei enorm.

«Ausser dem Heck erinnert kaum mehr etwas daran, dass das einmal ein Flugzeug war.»

Nach Risikoabwägung: Vorerst kein Einsatz direkt im Gelände

Die Maschine stürzte in einem sehr steilen Gebiet ab. In diesem herrscht laut Hanspeter Krüsi Steinschlag-Gefahr. Auch die sich verschlechternden Wetterverhältnisse und einsetzender Schneefall beeinträchtigen die Arbeiten vor Ort. Aufgrund dessen sowie der Drohnenbilder entschieden die Verantwortlichen im Sinne einer Risikoabwägung, vorerst keine Einsatzkräfte direkt im Gebiet abzusetzen – es wäre schlicht zu gefährlich. «Wenn, dann wäre es ohnehin nur möglich, Leute mit einer Winde abzusetzen», so Krüsi. Ebenfalls müsse damit gerechnet werden, dass es vermutlich keine Überlebenden geben dürfte.

«Die Wetterverhältnisse liessen es auch am Freitag nicht zu und auch bis Montag besteht keine Chance, dass die Maschine und der verunglückte Pilot geborgen werden können», sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der St.Galler Kantonspolizei. Am Montag werde man die Situation neu beurteilen.

Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen.

Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen.

Bild: Raphael Rohner

In Siegen gestartet und dann abgestürzt

Laut Angaben von BRK News handelt es sich bei der verunglückten Maschine um eine Cessna 208 Carawan. Sie soll im deutschen Siegen gestartet sein. Der Flughafen Siegerland wollte zum Vorfall keine Auskunft geben. Es wurde lediglich bekannt gegeben, dass es sich beim Piloten um einen Mann gehandelt haben soll, der nach Italien fliegen wollte.

Die Polizei Siegen-Wittgenstein bestätigte auf Anfrage von FM1Today, dass das Flugzeug in Siegen gestartet war. Das Flugzeug soll am Vorabend in der Werft gewesen sein. Weshalb, sei unklar. Man habe noch keinen Kontakt zur Werft aufnehmen können, so ein Mediensprecher der Polizei. Derzeit bestehe bei der Polizei aber kein Ermittlungsauftrag mehr.

Trümmerteile im Bereich einer Alp

Am Donnerstagmittag informierte die St.Galler Kantonspolizei Medienschaffende vor Ort über weitere Einzelheiten des Unglücks. Erste Trümmerteile seien im Bereich einer Alp gefunden worden, so Sprecher Hanspeter Krüsi. Beim verunglückten Flugzeug handelt es sich um eine Cessna, die laut Polizeiangaben bis zu zehn Passagiere transportieren kann. Die Verantwortlichen gehen aber davon aus, dass sich an Bord einzig der Pilot, ein 63-jähriger Italiener mit Wohnsitz in Italien, befand. Der Mann sei kurz nach 11 Uhr in Siegen gestartet und habe in die Toskana fliegen wollen, so Krüsi. Ob er vor dem Absturz einen Notruf abgesetzt hat, ist bis dato nicht bekannt. Der Mann gilt weiterhin als vermisst.

Aktuell warte man auf besseres Wetter, um Einsatzkräfte per Seilwinde ins Absturzgebiet absetzen zu können, so Hanspeter Krüsi weiter. In die Ermittlungen involviert ist neben der Bundesanwaltschaft unter anderem auch die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST).

Die Einsatzkräfte warten auf besseres Wetter um die Suchaktion fortzusetzen.

Die Einsatzkräfte warten auf besseres Wetter um die Suchaktion fortzusetzen.

Bild: Raphael Rohner
Das Flugzeug ist in sehr steilem Gelände verunglückt.

Das Flugzeug ist in sehr steilem Gelände verunglückt.

Bild: Kapo SG

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