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Aschenbecher, Balkon oder Hausfassade – an solch skurrilen Orten nisten Ostschweizer Vögel

Wenn es um ihre Behausung geht, sind Vögel teilweise sehr pragmatisch. So nutzen die Tiere in Städten auch mal einen Aschenbecher, um den Nachwuchs grosszuziehen.
Sabrina Bächi
Ein Vogel nistet in Frauenfeld in einem Aschenbecher. (Bild: Géraldine Bohne)

Ein Vogel nistet in Frauenfeld in einem Aschenbecher. (Bild: Géraldine Bohne)

Auffällig wurde der Aschenbecher auf dem Gelände der Jugendmusikschule Frauenfeld mit farbigem Klebband markiert. Ein Schild darunter liefert die Erklärung, weshalb der Raucher dort keine Zigarette entsorgen soll. Auf dem Schild steht:

«Bitte diesen Aschenbecher nicht benutzen, er wird von einem Vogel zum Ausbrüten gebraucht!»

Hannes Geisser, Direktor des Thurgauer Naturmuseum, hält diesen Ort für sehr speziell. «So etwas habe ich noch nie gesehen», sagt er. Es komme jedoch öfters vor, dass Vögel auch an ungewöhnlichen Orten nisten. Seine Erklärung dafür: «Wenn es in einem kleinen Gebiet viele Tiere einer Vogelart hat, gibt es eine Wohnungsnot». Die eingeschränkte Anzahl Nistplätze führe dann dazu, dass weniger starke Tiere auf «kurlige» Orte, wie eben Aschenbecher, ausweichen.

Im Frauenfelder Fall vermutet Geisser einen Spatz oder Meisen hinter der kreativen Wohnungssuche.

Zigistummel schaden nicht

Sophie Jaquier von der Vogelwarte Sempach kennt allerdings weitere Beispiele von Vögeln, die in Aschenbechern nisteten. «Das ist grundsätzlich kein Problem, wenn der Aschenbecher nicht mehr genutzt wird», sagt Jaquier. Ein Schild helfe in den meisten Fällen, dass keine weiteren Zigistummel im Aschenbecher landen.

Vor einem Jahr hat bei Familie Auf der Maur ein Specht ein Loch in die Hauswand geschlagen. Dieses Jahr nisten bereits die Nachmieter in der «Wohnung »– wahrscheinlich Stare.

Giftig sind die Zigarettenüberreste für die Vögel höchstens, wenn sie diese essen würden. Zigistummel im Nest scheinen keine Probleme zu bereiten, im Gegenteil, sagt Biologin Jaquier: «Es gibt in Mexiko einen Vogel, der aktiv Zigarettenstummel in sein Nest trägt. Eine Studie hat ergeben, dass dies wohl Zecken und Flöhe fernhält.»

Pragmatische Nistplatzsuche

Ergänzend zur Ausweichtheorie bei eingeschränkten Nistplätzen kann sich Jaquier die skurrilen Nistplätze auch noch anders erklären. «Vögel sind sehr pragmatisch, wenn es darum geht, einen Nistplatz zu finden», weiss die Expertin. Verschiedene Beispiele zeigen dies. Wie «20Minuten» berichtet, hat erst kürzlich bei einer Steckbornerin eine Ente auf dem Balkon in einen Topf für Balkonpflanzen Eier gelegt.

«Lustig finde ich Tauben, die Mitten in der Taubenabwehr auf Dächern ihre Nester bauen», sagt Jaquier. Die dünnen Stäbe würden das Nest besonders gut stabilisieren. Auch Flachdächer würden gerne genutzt. Vor einiger Zeit brütete sogar eine Amsel in der Gartenabteilung eines Baumarktes. «Wenn sie gute Futterquellen in der Nähe haben, sind alternative Plätze auch für sie geeignet.»

Für einen bequemen Nistplatz für Vögel kann aber jedermann sorgen. Diese Tipps von Sophie Jaquier können Sie dafür befolgen:

  • Nisthilfen wie Vogelhäuschen aufhängen (für Höhlenbrüter wie Meisen, Spatzen).
  • Dichte Hecken im Garten pflanzen (für Amseln oder Rotkehlchen).
  • Einheimische Sträucher im Garten wachsen lassen, damit genügen Futter auffindbar ist.
  • Wer Haustiere hat: Tierhaare draussen lassen. Das ist gutes Nistmaterial.
  • Keine Wolle oder Fäden für das Nistmaterial zur Verfügung stellen. Die Vögel verheddern sich darin.

Nester auf Booten

Auch Wasservögel suchen sich zuweilen ein Nistplätzchen nicht in der Natur, sondern mitten auf einem Boot. In Zürich kommt es etwa immer wieder vor, dass Blässhühner auf einem angelegten Boot ihr Nest bauen. Wer eines der geschützten Blässhühner auf seinem Boot entdeckt, erhält gratis Unterstützung. Denn es ist verboten, die brütenden Tiere zu vertreiben oder ihre Nester zu zerstören.

Grundsätzlich, weiss die Biologin, kämen Stadtvögel besser zurecht als die Arten auf dem Land. «Die intensive Landwirtschaft führte zu einer dramatischen Abnahme der Vögel», sagt Sophie Jaquier.

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