Bedingte Strafe für Sexaufnahmen: Mann vom Kreisgericht St.Gallen verurteilt

Das Kreisgericht St.Gallen hat einen Mann verurteilt, der Frauen beim Sex mit ihm gefilmt hat. Vom Vorwurf der Vergewaltigung sprach es ihn hingegen frei.

Claudia Schmid
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Der Mann hatte drei Frauen beim Sex ohne ihr Wissen mit dem Natel aufgenommen und ­einige Bilder an Bekannte weitergeleitet. (Symbolbild)

Der Mann hatte drei Frauen beim Sex ohne ihr Wissen mit dem Natel aufgenommen und ­einige Bilder an Bekannte weitergeleitet. (Symbolbild)

Vier Frauen hatten gegen den 27-jährigen Schweizer ausgesagt und ihn belastet. Drei von ihnen hatte er beim Sex ohne ihr Wissen mit dem Natel aufgenommen und ­einige Bilder an Bekannte weitergeleitet. Eine der Privatklägerinnen bezichtigte ihn der Vergewaltigung.

Eine zweite sagte aus, er habe sie mehrfach geschlagen. Eines Abends sei ein Streit eskaliert. Er habe sie an den Haaren gerissen, heftig in den Bauch getreten und schliesslich mit dem Handballen gezielt und mit grosser Wucht ins Auge geschlagen. Das Aufnehmen und Weiterverbreiten der Sexbilder gab der Beschuldigte zu. Alle anderen Vorwürfe verneinte er. Der erste Teil der Hauptverhandlung fand am 3. Mai statt und wurde unterbrochen. Eine Woche später wurde sie fortgesetzt und anschliessend das Urteil mündlich eröffnet. Das Kreisgericht St. Gallen sprach den Beschuldigten vom Vorwurf der Vergewaltigung und der Tätlichkeiten frei.

Schuldsprüche aus mehreren Gründen

Die Privatklägerin habe zu viele Erinnerungslücken an die Geschehnisse in jener Nacht, erklärte die vorsitzende Richterin. Genügend erstellt sei, dass sie von ihm geschlagen worden sei. Jedoch handle es sich bei den Schlägen um Tätlichkeiten, die von Gesetzes wegen nach drei Jahren verjährten. Die Privatklägerin war am 8. Januar 2016 in seiner Wohnung. Schuldsprüche erhielt der Beschuldigte wegen einfacher Körperverletzung, Nötigung, Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmegeräte und versuchte Anstiftung zu falschem Zeugnis.

Die Aussagen der ehemaligen Freundin des Beschuldigten seien konstant und glaubwürdig, betonte die vorsitzende Richterin. Er hingegen habe immer wieder versucht, die Schläge zu bagatellisieren. Auch sah es das Gericht als erwiesen an, dass er die Privatklägerin dazu zwang, eine Lügengeschichte über das Entstehen der Verletzung des Auges zu erzählen.

Bedingte Geld-und Freiheitsstrafe

Das Kreisgericht St.Gallen verurteilte den Mann zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren und einer bedingten Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu je 230 Franken. Für beide Strafen gilt eine Probezeit von drei Jahren. Den vier Frauen muss er je eine Genugtuungssumme zahlen. Der Staatsanwalt hatte eine Verurteilung in allen Anklagepunkten und eine unbedingte Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren gefordert, der Verteidiger in der Mehrheit Freisprüche. Er sei lediglich für den Tatbestand der Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmegeräte zu einer milden Strafe zu verurteilen.

Der Entscheid des Kreisgerichts St. Gallen ist noch nicht rechtskräftig. Bis zu einem rechtsgültigen Urteil gilt damit weiterhin die Unschuldsvermutung für den Angeklagten.