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St.Galler Feuerwehrkommandant nach dem Inferno in der Notre-Dame: «Bei einem Brand im Kloster gibt es nur eins: Mit Vollgas auf das Feuer los!»

Die erschreckenden Bilder von der brennenden Kirche Notre-Dame in Paris haben auch bei den Verantwortlichen der Feuerwehr St.Gallen und des Stiftsbezirks für Entsetzen gesorgt. Auf einem Rundgang erklären sie, wie für den bestmöglichen Schutz der Kulturgüter gesorgt wird und wie im schlimmsten Fall vorzugehen wäre.
Raphael Rohner
Der St.Galler Feuerwehrkommandant Christian Isler (links) und Thomas Franck, Verwaltungsdirektor des Bistums St.Gallen, im Dachstock der St.Galler Kathedrale. (Bild: Raphael Rohner)

Der St.Galler Feuerwehrkommandant Christian Isler (links) und Thomas Franck, Verwaltungsdirektor des Bistums St.Gallen, im Dachstock der St.Galler Kathedrale. (Bild: Raphael Rohner)

«Wir hüten diesen grossen Schatz des Klosters mit grosser Ehrfurcht», erklärt Thomas Franck, Verwaltungsdirektor des Katholischen Konfessionsteils des Kantons St.Gallen.

«Wann immer ein Feuerwehrauto durch die Stadt St.Gallen fährt, schwingt die Sorge bei mir mit, ob es vielleicht in Richtung Klosterbezirk fährt. Wenn nicht, bin ich irgendwie immer ein bisschen froh.»

Es waren Bilder, die den Atem eines jeden Feuerwehrmannes stocken liessen: Meterhohe Flammen aus dem Dachstock der altehrwürdigen Kirche Notre-Dame in Paris. Die alten Holzbalken brannten wie Zunder, das Ausmass der Zerstörung ist nach wie vor nicht abzuschätzen.

Auch in St.Gallen hat man den Grossbrand von Paris mitverfolgt und sich Gedanken über den Schutz der hiesigen Bauten gemacht. Die Kathedrale des Bistums St.Gallen wurde vor einigen Jahren zum Unesco-Weltkulturerbe und ist besonders schützenswert. Die Feuerwehr und die Verwaltung des Doms haben diverse Massnahmen zum Schutz der Gebäude ausgearbeitet.

Trockene Holzbalken, knarrende Böden

Unter dem Dach der Kathedrale riecht es nach altem Holz, und alle paar Meter steht ein Feuerlöscher bereit. Spärlich fällt das Licht durch die Dachfenster auf die eingelagerten Gipsabdrücke einiger Reliefs und einige alte Holzmöbel, die hier lagern. Die alten Holzbalken wirken trocken, und die Böden knarren, sobald man darüber geht.

Bei einem Brandalarm werden rund 200 Angehörige der Feuerwehr alarmiert. (Bild: Raphael Rohner)

Bei einem Brandalarm werden rund 200 Angehörige der Feuerwehr alarmiert. (Bild: Raphael Rohner)

Thomas Franck legt seine Hand auf einen Balken des Klosterdachs. Die Gefahr eines Kurzschlusses sei einigermassen gebannt: «Der Dachstock ist im Normalfall eigentlich ohne Strom. Die Beleuchtung wird mit einem Hauptschalter bedient», sagt Franck.

Über 870 hochsensible Brandmelder verbaut

Erst vor einem Jahr wurde im ganzen Gebäude eine modernere Brandmeldeanlage eingebaut. Damit man wieder auf dem neusten Stand sei. Damit könne man so schnell wie möglich einen Brand erkennen und die Feuerwehr alarmieren, erklärt Franck:

«Wir haben die Räume mit über 870 Brandmeldern ausgestattet, die besonders sensibel auf Rauch sind. Die Brandmelder sind so scharf, dass sie gar den Weihrauch der Messe detektieren. Dann müssen wir sie jeweils ausschalten.»

Zudem sind seit einigen Jahren Brandschutzwände in den Dachstock verbaut, die ein schnelles Übergreifen eines allfälligen Feuers verhindern könnten. Im Haus hat man eigens eine Interventionsgruppe aus Mitarbeitern, die bei einem Brandalarm zur betroffenen Stelle eilen und nachsehen, warum der Alarm ausgelöst wurde.

1930 kam es im Dom das letzte Mal zu einem Brand. Damals brannte es im Nordturm der Kathedrale. Wie in der Notre-Dame wurde das Feuer durch einen Handwerker ausgelöst. «Dieser Brand konnte dank der fest verbauten Steigleitungen rasch gelöscht werden, und darum halten wir an diesem Konzept fest», sagt Franck.

Kathedrale wurde mehrmals verschont

Die Kathedrale in St.Gallen wurde in der Vergangenheit bei mehreren Grossbränden in unmittelbarer Nähe verschont. Beim letzten St.Galler Altstadtbrand im Frühling 1992 konnte ein Übergreifen des Feuers auf den Dom verhindert werden. Damals kam es wegen Sturmböen mit bis zu 100 Kilometern pro Stunde zu einem grossen Funkenflug. Damals standen 328 Feuerwehrmänner aus mehreren Dörfern im Einsatz.

Bei den drei grossen Stadtbränden in St.Gallen in den Jahren 1215, 1314 und 1418 wurde die Stadt innerhalb der Ringmauer jeweils annähernd vom Feuer zerstört. Die Klosterkirche brannte beim zweiten Stadtbrand am 24. Oktober 1314 ebenso, wurde jedoch wieder aufgebaut.

Die Schläuche liegen bereit. Ein Blick auf die Verteilung der Steigleitungen unter dem Klosterdach in St.Gallen. (Bild: Raphael Rohner)

Die Schläuche liegen bereit. Ein Blick auf die Verteilung der Steigleitungen unter dem Klosterdach in St.Gallen. (Bild: Raphael Rohner)

Franck zeigt die Anschlüsse unter dem Dach der Kathedrale. Direkt hinter der kleinen Kanzel Richtung Klosterplatz befinden sich die Anschlüsse der Steigleitungen. Damit kann die Feuerwehr Wasser in den Dachstock pumpen und dann mit bereitgelegten Schläuchen einen Innenangriff ausführen.

Genaue Einsatzstrategie für rasches Löschen

«Das ist alles genau geplant», sagt Christian Isler, Kommandant von Feuerwehr & Zivilschutz St.Gallen (FWZSSG). Er kennt die Pläne des Klosterbezirks bestens:

«Wenn es hier brennt, gibt es nur eins: Mit Vollgas auf das Feuer los und keine Minute verlieren!»

Darum werden im Alarmfall auch sämtliche Angehörigen der St.Galler Feuerwehr alarmiert, rund 200 Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner. Diese fahren zu abgesprochenen Warteräumen und von dort aus in den Einsatz. Über extra angelegte Holzstege im Dachstock kommen die Einsatzkräfte fast in alle Ecken.

«Ein Brand wie bei der Notre-Dame in Paris ist immer etwas sehr Ungewöhnliches», sagt Isler. «Im Herzen eines jeden Feuerwehrlers ist so ein Gebäude etwas Heiliges. Ein Stück weit ein Teil der Identität», so der Kommandant. Es sei darum enorm wichtig, schnell und entschlossen zu handeln.

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