Es schüttet wie aus Kübeln in der Ostschweiz: Bodenseepegel wird bis Mittwoch um einen halben Meter ansteigen

In den kommenden 72 Stunden regnet es bis zu 70 Liter pro Quadratmeter in der Ostschweiz. Die Gefahrenstufe wird als erheblich eingeschätzt. Nach der langen Trockenperiode wird der Bodensee wieder auf Normalstand aufgefüllt und im Thurgau ist der Regen ein Segen für den Grundwasserpegel. 

Christa Kamm-Sager
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  • Der Bodenseepegel wird rund 50 Zentimeter ansteigen und so wieder auf ein der Jahreszeit entsprechendes Niveau kommen. Insgesamt werden 250 Millionen Kubikmeter Regenwasser in den See geschwemmt.
  • Im Thurgau ist der Regen ein Segen: Die Grundwasserpegel sind nach 12 Monaten mit zu wenig Niederschlag immer noch tief und können wieder aufgefüllt werden. 
  • In Vorarlberg sind die Warnstufen für Regen auf Rot – die zweithöchste Gefahrenstufe – heraufgesetzt worden.

Hans-Peter Wächter und sein Team rund um den Hochwasserschutz am Rhein im Kanton St.Gallen sind wachsam in diesen Stunden. Bis heute Dienstagmittag sind in der Ostschweiz bis zu 70 Liter Niederschlag pro Quadratmeter angesagt. Für die Region St.Gallen, Thurgau und Glarus wurde denn auch vom Bund die Gefahrenstufe in den orangen Bereich heraufgesetzt, was Gefahrenstufe 3 oder «erhebliche Gefahr» bedeutet. «Die Situation ist nicht dramatisch, aber muss beobachtet werden», so Wächter, Projektleiter Hochwasserschutz am Rhein.

In der Ostschweiz wird die Gefahrenstufe als erheblich eingeschätzt. (Grafik: Naturgefahrenportal)

In der Ostschweiz wird die Gefahrenstufe als erheblich eingeschätzt. (Grafik: Naturgefahrenportal)

Böden nehmen viel Nässe auf

«Da die immer noch eher trockenen Böden im Moment sehr viel Nässe aufnehmen können, erwarten wir kein Hochwasser», so Wächter. Zudem seien für den Kanton Graubünden nicht sehr hohe Niederschlagsmengen angesagt, was für die Entwicklung am Rhein ausschlaggebend sei. Im Gegenteil:

«Die Feuchtigkeit tut den Böden nach wie vor gut, obwohl sich im Kanton St.Gallen die Böden nach dem Hitzesommer wieder relativ gut erholt haben.»

Es werde in den nächsten Tagen mit einer maximalen Abflussmenge von 800 Kubikmetern pro Sekunde für den Rhein gerechnet – das sei für diese Jahreszeit die übliche Menge. «Darin eingerechnet ist auch die Schneeschmelze, die derzeit einen grösseren Abflussbeitrag leistet.» Die Schneefallgrenze liege derzeit auf 2000 M.ü.M.. Kritischer werde es, wenn sie auf 3000 M.ü.M ansteige und dementsprechend noch mehr Schmelzwasser abfliesse. Auch für Sitter und Thur sei eine erhöhte Wasserführung zu erwarten.

Bilder vom frühen Montagabend zeigen auch, wie sich Wassermassen durch die St.Galler Mülenenschlucht wälzen:

Gefahrenstufe Rot in Vorarlberg

Die ganzen Regenmengen bleiben nicht ohne Folge für den Bodensee: «Der Seepegel wird bis Mittwoch um gut einen halben Meter ansteigen», sagt Hans-Peter Wächter. Das sei auch gut für die Schifffahrtsbetriebe. Dieser halbe Meter verteilt auf die ganze Seefläche entspreche einer Wassermenge von 250 Millionen Kubikmetern Regenwasser.

Das meiste Wasser fliesst neben dem Rhein aus der Bregenzer und der Dornbirner Ach in den See. Im westlichsten Bundesland Österreichs sind erhebliche Regenmengen vorausgesagt. In Vorarlberg sind die Warnstufen für Regen denn auch auf Rot – die zweithöchste Gefahrenstufe – heraufgesetzt worden.

Für Vorarlberg wurde bis Mittwoch die höchste Gefahrenstufe festgelegt. (Grafik: ZAMG)

Für Vorarlberg wurde bis Mittwoch die höchste Gefahrenstufe festgelegt. (Grafik: ZAMG)

Der Niederschlagsschwerpunkt liegt dabei im Umfeld des Bregenzerwaldes und der Pfänderregion. Es werden 90 bis 120 mm Niederschlagsmengen erwartet. Lokalmodelle zeigen gar 170 bis 220 mm an. Niederschlagsspitzen von 150 mm seien daher sehr wahrscheinlich. Ab Montagnachmittag besteht laut einer Mitteilung aus Vorarlberg Hochwassergefahr an den meisten Bächen und Flüssen im Norden von Vorarlberg. Keine Überflutungen seien an der Ill und am Rhein zu erwarten. Die Landeswarnzentrale gibt bekannt, dass die Rettungs- und Einsatzkräfte in Bereitschaft stehen.

Im Thurgau ist der Regen ein Segen

In den letzten 12 Monaten fiel im Thurgau deutlich zu wenig Regen. «Diese Regentage sind für uns ein Segen», sagt denn auch Marco Baumann vom Amt für Umwelt, Abteilung Hydrologie und Wasserbau. Es sei ideal, dass der Regen moderat angefangen habe und die Böden dadurch weich und aufnahmefähig geworden seien.

«Der Grundwasserpegel wird voraussichtlich auch durch diese angesagten Regenfälle nicht gänzlich aufgefüllt werden können.»

Auch der Pegel des Bodensees liege derzeit 50 bis 60 Zentimeter unter der Norm für diese Jahreszeit, so Baumann. Deshalb seien auch für den See die Regenmassen sehr erwünscht. Die Thur werde in diesen Tagen mehr Wasser führen, doch es bestehe derzeit kein Hochwasseralarm.